Das neue iPad Mini im Alltagstest

Apple hat das kleinste iPad neu aufgelegt. Ein Zugeständnis an die Fans, oder steckt da mehr dahinter?

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Mein Chef war ganz aus dem Häuschen! Endlich ein kleines iPad. Was hatte er darauf gewartet. Im Oktober 2012 verfolgten wir von Zürich aus, wie Apple mit dem iPad Mini eine kleinere Variante des Tablets vorstellte.

Kaum waren die Masse des iPad Mini bekannt, bastelte sich mein Chef ein Modell aus Karton. Dass das Karton-Tablet dann nicht wie angedacht in die Jacket-Tasche passte, tat seiner Begeisterung keinen Abbruch. Er wurde der erste iPad-Mini-Besitzer in meinem Umfeld. Viele sollten ihm folgen.

Ja, das iPad Mini wurde ein derartiger Erfolg, dass manche Finanzanalysten heute davon ausgehen, dass es massgeblich am iPad-Boom, aber auch am iPad-Absturz beteiligt war. Anfangs wollten alle eins, dann sank das Interesse drastisch und so schnell, wie es gekommen war.

Kein Wunder, gab sich Apple nicht mehr besonders grosse Mühe, das Mini-Tablet aktuell zu halten. Es folgten noch ein paar technische Verbesserungen, aber äusserlich blieb alles beim Alten. Zwischenzeitlich war das iPad Mini sogar die Budget-Option.

Klein, überteuert und veraltet

Doch spätestens seit Apple letztes Jahr ein neues iPad vorgestellt hat, das man schon ab 300 Franken bekommen kann, fragte sich nebst mir so mancher Apple-Beobachter, wann das Mini aus dem Sortiment fliegt. Das billigste war es nicht mehr, das beste sowieso nicht. Es war einfach noch klein, überteuert und veraltet.

Dass es trotzdem im Sortiment blieb, dürfte daran gelegen haben, dass das Tablet einerseits sehr treue Fans hat (In meinem Umfeld kenne ich mehrere davon, die sich weigern, ein neueres, grösseres und vor allem besseres iPad zu kaufen.). Andererseits ist das Mini in der Berufswelt sehr gefragt: ob als Kassenterminal, Notizblock für Kellner, Tablet für Lagerarbeiter oder bequemer Mini-Computer für Aussendienstler. Alleine für diese Kunden hat es sich vermutlich gelohnt, das nicht mehr aktuelle Tablet im Sortiment zu halten.

Planungssitzung in Cupertino

Diese zwei Überlegungen dürfte sich Apple auch gemacht haben, als es in Cupertino darum ging, ob das Mini aussortiert werden soll. Stattdessen präsentierte Apple Ende März ein neues iPad Mini (ab 440 Franken). Wirklich neu ist es allerdings nicht. Neu und vor allem besser sind in erster Linie der Prozessor und der Bildschirm. Ansonsten kommt einem alles sehr bekannt vor.

Das unveränderte Design dürfte nicht nur eine Kostenersparnis, sondern auch ein Zugeständnis an die Firmenkunden sein, die mit dem aktuellen Design immer noch ganz zufrieden sind und vielleicht sogar Dockingstationen und Hüllen im Einsatz haben. Da hätte ein neues Design nur zusätzliche Kosten und Aufwände verursacht.

Wie das SE

So erinnert das neue iPad Mini an das iPhone SE. Auch dort brachte Apple ein beliebtes Gerät von einst mit neuer Technologie zurück. Und genau so ähnlich fühlt sich das neue iPad Mini im Alltag auch an. Völlig vertraut, und wer das alte Mini mochte, wird auch das neue mögen. Wer hat schon etwas gegen mehr Leistung und einen besseren Bildschirm?

Der neue Prozessor macht das Gerät aber nicht nur schneller. Seine beste Eigenschaft: Er garantiert Software-Updates für die nächsten Jahre. So dürfte das neue iPad Mini noch lange nicht von Updates ausgeschlossen werden.

Die einzige wirkliche Neuerung ist die Stift-Unterstützung. So kann man nun mit dem Apple-Stift der ersten Generation und dem Logitech-Stift auch auf dem iPad Mini handschriftliche Notizen machen und malen. Wer sich schon immer einen kleineren digitalen Notizblock gewünscht hat, wird sich über diese Neuerung freuen (In fünf Lektionen zum Stift-Profi).

Tolle Apps, aber kein USB-C

Ansonsten gefallen im Alltag mit dem iPad Mini dieselben Qualitäten wie schon beim Vorgänger. Der Akku hält gefühlt ewig (Apple verspricht 10 Stunden), iOS ist die beste und bequemste Tablet-Plattform, und in Sachen App-Qualität und -Angebot ist das iPad in einer Liga für sich. Gerade was Letzteres angeht, ist der Vorsprung gegenüber Android und Windows im letzten Jahr noch mal grösser geworden.

Wer sich vom iPad Mini dagegen mehr als nur Produktpflege erhofft hat, wird enttäuscht. So fehlen der randlose Bildschirm, USB-C und die Gesichtserkennung des neuen iPad Pro, und beim Home-Knopf kommt noch nicht mal die deutlich stabilere Technologie zum Einsatz, die 2016 mit dem iPhone 7 eingeführt wurde.

Fazit: Wer ein kleines iPad will, kann mit dem neuen iPad Mini nichts falsch machen. Wer ein kleines Tablet möchte, auch nicht. Wer einfach nur ein iPad möchte, sollte sich gut überlegen, ob es wirklich das Mini sein soll. Das normale (und etwas grössere) iPad ist deutlich billiger und auch nach einem Jahr noch das iPad mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer ein iPad auch als Laptop und Schreibmaschine nutzen möchte, sollte sich das ebenfalls neu aufgelegte iPad Air (ab 560 Franken) oder die noch mal deutlich teureren Pro-iPads anschauen.

Gespannt sein darf man, wie es mit dem iPad Mini fortan weitergeht. Wird es wie das iPhone SE das letzte seiner Art, oder bleibt Apple dem Design und der Grösse treu? Ein baldiges Update wäre auf jeden Fall eine Überraschung. Schliesslich mussten Mini-Fans gerade vier Jahre auf das neue Tablet warten.

Haben Sie Fragen zum neuen iPad Mini, oder fehlt Ihnen etwas in diesem Bericht? Unser Autor freut sich über Fragen und Anregungen auf Twitter. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.05.2019, 14:34 Uhr

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