Das neue iPad im Test

Am Freitag kommt das neue iPad auf den Markt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat es bereits ausprobiert.

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Apple-Manager lieben diese Floskel: «Es ist das beste XY aller Zeiten.» In der Regel haben sie damit recht. Mit dieser Formulierung kann man aber auch nichts falsch machen. Schliesslich muss man das Angebot aus dem Vorjahr nur ein bisschen übertreffen (Das bisschen besser). Voila!

Natürlich ist das iPad Air 2 rein technisch das beste iPad aller Zeiten. Es ist dünner, schneller, leichter, hat einen besseren Bildschirm und kann dank einem Fingerabdruckleser mehr als seine Vorgänger. Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob es das beste iPad ist, sondern wie viel besser es ist. Denn ungeachtet der Tablets anderer Hersteller hat das iPad Air 2 (ab 549 Franken) einen valablen Konkurrenten im letztjährigen iPad Air (ab 439 Franken).

Wer auf der Suche nach einem neuen iPad ist, sollte sich die älteren Modelle gut anschauen. Für 499 Franken etwa bekommt man das letztjährige iPad Air mit 32 Gigabyte Speicherplatz. Je nach Vorlieben kann es durchaus Sinn machen, in Speicherplatz statt Prozessorgeschwindigkeit zu investieren. Mit den aktuellsten Apps sind 16 GB schneller voll, als einem lieb ist. Allein das iOS-8-Update brauchte rund 6 GB Speicherplatz. Wer keinen Computer mit iTunes hat, musste sein iPad ausmisten und Apps löschen.

Wie attraktiv mehr Speicherplatz ist, weiss Apple und nutzt es zu seinem Vorteil. Nebst der 16-GB-Basisversion, die man heute nur noch Gelegenheitsnutzern und Cloud-Profis empfehlen kann, bietet es gegen einen Aufpreis auch Varianten mit 64 GB und 128 GB an. Dass die Basisversion bei 16 GB geblieben ist, macht die teureren Varianten nach dem Motto «Sicher ist sicher» umso attraktiver. Kundenfreundlicher wäre es gewesen, der Basisversion nicht nur einen schnelleren Prozessor, sondern auch 32 GB Speicher zu spendieren. Aber Apple und andere Techkonzerne halten selbst bei Hochpreismodellen weiter an dieser knausrigen Speichergrösse fest.

Attraktive Altlasten

Die aktuellen Quartalszahlen von Apple belegen die Attraktivität älterer Modelle. Der iPad-Absatz ist im Jahresvergleich um 12,5 Prozent auf 12,3 Millionen Geräte gesunken. Die Zahlen zeigen in erster Linie, dass die Leute nicht so rasant neue Tablets kaufen, wie sie Telefone kaufen. Wozu auch? Das iPad 2 von 2011 ist immer noch ein sehr gutes Tablet. Sogar das erste iPad von 2010 ist immer noch in zahlreichen Haushalten anzutreffen. Fürs Surfen und Zeitunglesen reicht es immer noch völlig aus. Kommt dazu, dass auch andere Hersteller wie Samsung, Sony, Microsoft und HTC hochwertige und vergleichbare Tablets zu teils tieferen Preisen verkaufen.

Wie gut ist nun aber das iPad Air 2? Soweit sich das nach fünf Tagen mit dem Tablet beurteilen lässt: sehr gut. Dass es dünner und leichter geworden ist, merkt man als fleissiger Nutzer des Vorgängers sofort – vorausgesetzt, man steckt es nicht gleich in eine Hülle. Allerdings war auch schon der Vorgänger sehr handlich. Aber in dem Fall ist ein bisschen weniger tatsächlich ein bisschen mehr. Dass das Air 2 schneller geworden ist, merkt man in erster Linie bei aufwendigen Apps und Spielen. Etwa beim Spiel «Godus» dreht sich die Landschaft beim neuen iPad deutlich flüssiger. Beim Surfen, Schreiben von E-Mails, Lesen der Zeitung oder Anschauen von Fotos ist mir dagegen der schnellere Prozessor nicht aufgefallen.

Massive Glasscheibe

Auch nicht ins Auge gestochen ist mir, dass der Bildschirm weniger spiegeln soll. Dank einer neuen Beschichtung soll der Bildschirm 56 Prozent weniger reflektieren. Allerdings hatte ich damit noch nie ein Problem. Ich habe mit anderen iPads schon am Strand und auf dem Balkon in der Sonne ganze Bücher gelesen. Mir ist hingegen aufgefallen, dass Apple den Bildschirm, wenn auch nicht bei der Auflösung, verbessert hat. Das Bild scheint nun noch näher an der Glasoberfläche zu liegen. Dazu hat Apple Glas und Bildschirm näher zusammengebracht und Zwischenräume reduziert. Das spürt man auch bei der Benutzung. Wenn man auf den Bildschirm des iPad Air klopft, fühlt sich der an wie dünnes Plexiglas. Beim neuen Air 2 dagegen hat man das Gefühl, man klopfe auf eine massive Glasscheibe. Ebenfalls verbessert hat Apple die iPad-Kamera. Aber da ich die nur für Notfälle und gelegentlich zum Archivieren von Dokumenten nutze, ist mir das im Alltag und nach der kurzen Zeit kaum aufgefallen.

Leider hat Apple beim iPad anders als beim iPhone den NFC-Chip weggelassen. Da dieser aktuell für Apple Pay reserviert ist, kann man das noch verschmerzen. Sollte sich Apple aber im nächsten Jahr entscheiden, dass man den Chip wie bei der Android-Konkurrenz für das einfache Verbinden mit Lautsprechern oder Fotokameras nutzen kann, ist man selbst mit dem neusten iPad davon ausgeschlossen. Aber Apple braucht ja noch ein Argument für das iPad Air 3. Schliesslich hat es den Fingerabdrucksensor auch erst mit einem Jahr Verspätung aufs iPad gebracht. Das kleine Plus an Sicherheit und das grosse Plus an Komfort sind auf dem Tablet genauso willkommen wie auf dem Telefon, zumal man nun auch Apps wie Dropbox oder Securesafe damit entsperren kann.

Fazit: Das iPad Air 2 wird nur wenige iPad-Besitzer zu einem Neukauf bewegen können. Wer auf der Suche nach einem neuen iPad ist, muss sich fragen, ob das Vorgängermodell mit mehr Speicherplatz zu einem tieferen Preis nicht die klügere Wahl ist. Wenn Geld keine Rolle spielt, ist das iPad Air 2 mit der grossen App-Auswahl und der eleganten und intuitiven Bedienung das beste Allzweck-Tablet auf dem Markt. Wer aber einen Laptopersatz möchte, sollte auch die Note-Tablets von Samsung und Microsofts Surface Pro 3 in seine Überlegungen einbeziehen. Wer ein Sorglos-Tablet möchte, das man auch in die Küche nehmen und abwaschen kann, sollte bei Sony vorbeischauen. Für Wechselwillige lohnt es sich auf jeden Fall abzuwarten, bis klar ist, wie gut das neue Nexus 9 von HTC und Google geworden ist. Anfang November soll es auf den Markt kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2014, 07:13 Uhr

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