Test

Das taugt die Samsung-Galaxie

Das Samsung Galaxy Nexus ist das erste Handy mit Android 4.0. Das Flaggschiff unter den iPhone-Rivalen überzeugt aber trotz ansprechender Software und Riesendisplay nicht hundertprozentig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Suchmaschinenbetreiber Google hat zusammen mit dem südkoreanischen Technologiekonzern Samsung ein neues Handy auf den Markt gebracht, das als Pioniergerät unter den Smartphones mit Android-Betriebssystem gilt, das Galaxy Nexus.

Was in unserem Test sofort aufgefallen ist: Das Handy ist nichts für kleine Hände. Wer das 135 Gramm leichte Gerät in einer Hand mit einem Daumen bedienen möchte, sollte lange Finger haben. Sonst gleitet das Smartphone recht leicht aus der Hand. Das ist schon allein deshalb ein Problem, weil das Gehäuse nicht sehr stabil ist und kaum Metallkomponenten enthält – beim Aufprall auf den Boden würde das Chassis aus Kunststoff kaputtgehen. Auch die Noppen auf der Rückseite machen das Gerät kaum rutschfester. Die Abdeckung ist sogar elastisch. Das führt dazu, dass das Material rund um die 5-Megapixel-Kamera bei mittelfestem Druck nachgibt.

Unpraktische Konstruktion

Punkto Haptik wird das Smartphone zum Geschicklichkeitsspiel: Der Ein-/Ausschalter auf der rechten und die Lautstärkeregler auf der linken Seite befinden sich auf derselben Höhe. So kann es passieren, dass das Gerät unabsichtlich ausgeschaltet wird, wenn man den Lautstärkeregler bedienen möchte.

Die Grösse des Smartphones hat aber auch Vorteile. Das Display misst stolze 11,8 Zentimeter. Wer auf seinem bisherigen Smartphone Schwierigkeiten hatte, die Zeitung zu lesen, und beim Heranzoomen auf einem Nicht-iPhone mit einer pixeligen Schrift «verwöhnt» wurde, der kann mit dem Galaxy Nexus den Lupeneffekt dank einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel ohne Qualitätsverlust voll ausreizen.

Live-Streams und Videos entfalten auf dem Super-Amoled-Screen ihre volle Pracht – den einen oder anderen Ruckeleffekt bei Spielfilmen inklusive. Die Farben wirken gestochen scharf und brillant, vorausgesetzt der Bildschirm ist auf volle Helligkeit eingestellt und das Tageslicht ist nicht zu stark. Sonst wird die Bedienung des Galaxy Nexus zu einer finsteren Angelegenheit.

Schwacher Bewegungssensor

Für die Geschwindigkeit sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 GHz. Das klingt nach einem Smartphone-Boliden der Superlative. Und dennoch macht das Gerät bei einem simplen Bildschirmschwenk Mätzchen: Mehr als zwei Sekunden braucht es, um die Internetseite nach einem Dreh um 90 Grad wieder aufrecht darzustellen; der Bewegungssensor reagiert nicht sofort. Sehr übersichtlich wirkt hingegen die Darstellung mehrerer offener Webseiten. Auf diese Weise kann man bequem zwischen geöffneten Anwendungen und Internetseiten scrollen und auswählen.

Neues Betriebssystem

Die bequeme Webseiten-Navigation ist nur eine der Neuerungen des neuen Betriebssystems Android 4.0, auch bekannt unter dem Codenamen Ice Cream Sandwich. Auf den ersten Blick erinnert die Benutzeroberfläche stark an die Vorgängerversion Android 2.3, die derzeit in den meisten Android-Geräten zum Einsatz kommt.

Im Detail unterscheidet sich Android 4.0 aber stark von bisherigen Android-Systemen. Es ist das erste System von Google, das sowohl für Smartphones als auch für Tablets entwickelt wurde, und bringt damit einige Elemente des Tablet-Android 3.0 Honeycomb erstmals auf ein Smartphone. Auf dem Homescreen lassen sich nun Ordner bilden. Das funktioniert genauso wie auf dem iPhone oder iPad via Ziehen von einem Icon auf das andere.

Vom Sperrbildschirm kann man entweder direkt zum Homescreen gelangen oder die Kamerafunktion aufrufen. Ebenfalls direkt vom Sperrbildschirm erreichbar ist die Statusleiste. Die drei Schaltflächen am unteren Bildschirmrand waren bisher permanent sichtbar. Mit dem Galaxy Nexus verschwinden diese und sind Teil des Touchscreens – die Hardwareknöpfe auf der Front fallen dadurch weg. Das erweitert die Displayfläche.

Für Kostenbewusste besonders nützlich dürfte die Anzeige des Datenverbrauchs sein. Dort lässt sich ein Limit für den mobilen Datentransfer einrichten. Ist das Volumen verbraucht, deaktiviert das System automatisch die Datenverbindung.

Das Fazit

Wer ein Spielzeug sucht, Nachrichten auf dem Smartphone liest, Videos schaut und auf die neue Multitasking-Leiste schwört, der ist mit dem Gerät gut bedient. Wer ein handlicheres Gerät sucht, das fast denselben Funktionsumfang hat, der kann allerdings viel Geld sparen und zum Vorgängermodell Samsung Galaxy S II greifen.

Das Display ist im Alltagsgebrauch kaum schlechter als jenes des Galaxy Nexus. Mit 10,9 Zentimetern Länge ist das Galaxy S II um fast einen Zentimeter kürzer und damit deutlich kompakter und nicht zuletzt auch billiger: Das Galaxy S II geht für 530 Franken etwa bei mobilezone.ch über den Ladentisch, das Galaxy Nexus schlägt mit immerhin 600 Franken zu Buche.

Das Testgerät wurde von Digitec.ch zur Verfügung gestellt.

Erstellt: 15.12.2011, 10:26 Uhr

Artikel zum Thema

Android hält die Hälfte des Smartphone-Marktes

Mobiltelefonie Das Google-Betriebssystem hat den Markt fest im Griff: Laut Marktforschern läuft inzwischen fast jedes zweite verkaufte Smartphone mit der Software. Mehr...

Der Albtraum eines Androiden

Hintergrund «Als hätte ich einen virenverseuchten PC in der Hand»: Fast jede zweite mobile Malware greift Geräte mit Googles Betriebssystem Android an. Ein Schweizer Nutzer berichtet. Mehr...

Neues Android-Flaggschiff vorgestellt

Google und Samsung haben am Mittwoch in Hongkong ein neues Smartphone präsentiert. Das Galaxy Nexus läuft mit der Android-Version 4.0, die beispielsweise eine Gesichtserkennung und Spracheingabe bietet. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...