Der Herzschlag als Passwort

Ein Armband, das den Herzschlag misst, soll als Entsperrungsmechanismus fürs Smartphone dienen. An der Biometrie-Front tut sich aber noch viel mehr.

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Passwörter einzutippen, ist lästig. Vor allem bei Mobilgeräten, die man täglich dutzendfach mit einem Zahlencode freischaltet. Darum wünschen sich viele Anwender fürs neue iPhone einen Sensor in der Home-Taste, der das Gerät automatisch anhand des Fingerabdrucks entsperrt. Ob die entsprechenden Gerüchte zutreffend sind, wird sich nächste Woche weisen.

Die biometrischen Authentifizierungsmethoden sind ein heisses Thema – auch dank des kanadischen Start-ups Bionym. Es hat ein (derzeit für 79 Dollar vorbestellbares) Armband entwickelt, das den Nutzer anhand seines Herzrhythmus identifiziert. Das Armband ähnelt äusserlich den Fitness-Gadgets von Fitbit oder von Jawbone. Das Nymi ist mit einer Elektrode ausgestattet, die ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt, sobald der Benutzer seinen Finger darauflegt. Dieser Herzrhythmus soll so individuell sein, dass man den Nutzer eindeutig identifiziert. Unmittelbar sollen gekoppelte Geräte wie Smartphones, Tablets und Desktop-Computer entsperrt werden können. Das Werbevideo präsentiert das Band allerdings auch als Öffner für Haus- und Autotüren und als Zahlungsmittel.

Körperliche Merkmale wurden schon in der vordigitalen Ära als Erkennungsmerkmal herangezogen. Die DDR-Grenzpolizisten beispielsweise hatten in Berlin an den 16 städtischen Grenz- und Sektorenübergängen minutiös die Form der Ohren der Ein- und Ausreisenden registriert. Anhand der im «Ohrenhandbuch» festgehaltenen Typen seien die Leute eindeutig identifizierbar. Legendär ist die Datenbank von Körpergeruchsproben, die die Stasi in der DDR zur Identifikation Verdächtiger angelegt hatte. In der Schweiz hat die Einführung des biometrischen Passes zu reden gegeben: In ihm sind seit 2010 der digitale Fingerabdruck und ein Gesichtsbild digital gespeichert.

Milliarden für verfeinerte Erkennungsmethoden

Nach den Bostoner Bombenanschlägen hat das FBI im April dieses Jahres für mehrere Milliarden Dollar ein Programm initiiert, das biometrische Erkennungsmethoden verfeinern soll. Anhand von Gesichtsdaten sollen Strafverfolgungsbehörden Verdächtige in Video- und Fotoaufnahmen besser erkennen können. Es sollen auch Iris-Scans und Spracherkennungsdaten zum Einsatz kommen. Die Gesetzgeber in den USA und in Deutschland haben in den letzten Jahren vorsorglich Gesetze für sogenannte Smart Guns oder Signaturwaffen erlassen. Diese werden über eine Zugangsberechtigung geschützt, sodass nur die autorisierte Person sie abfeuern kann. Für die Identifikation könnten Funketiketten (mit RFID-Technologie) oder Ringe zum Einsatz kommen und sogar die Implantierung von Chips oder Induktionspads ist möglich.

Zur biometrischen Identifizierung können viele körperliche Merkmale (DNS, Venenmuster in der Hand oder eines Fingers) oder sogar Bewegungsmuster herangezogen werden, zum Beispiel der Gang oder die Art und Weise, wie eine Person auf einer Tastatur schreibt. Diese Merkmale gelten allerdings als relativ unzuverlässig. Die Sicherheit der biometrischen Identifikation ist generell umstritten. Der Chaos Computer Club hatte 2008 vorgeführt, wie leicht sich Fingerabdruckscanner überlisten lassen, und auch gleich den Abdruck des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble publiziert.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Der Nationale Forschungsrat der Vereinigten Staaten hat 2010 in einem Bericht den Nutzen von biometrischen Systemen ebenfalls stark relativiert: Biometrische Erkennungsmethoden würden eine wahrscheinliche Identifikation oder Nichtidentifikation ergeben – aber keine hundertprozentige. Merkmale verändern sich mit der Zeit, und aufgrund von Krankheit oder Verletzungen gibt es eine signifikante Zahl von Leuten, die die fraglichen Merkmale gar nicht aufweisen.

Und ausserdem dürfe man die Auswirkungen einer fehlerhaften Identifikation nicht unterschätzen – selbst wenn sie nur selten auftreten sollte: «Fehlalarme verschlingen sehr viele Ressourcen, auch wenn sich nur wenige Betrüger ins System eingeschlichen haben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2013, 13:37 Uhr

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