Alltagstest

Der Nokia-Sensor unter meiner Matratze

Wie lange und wie tief habe ich geschlafen? Habe ich sogar geschnarcht? Diese und andere Fragen will ein neuer Sensor beantworten. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat ihn ausprobiert.

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Für gewöhnlich bin ich ziemlich gut darin, anhand von Fotos auf die tatsächliche Grösse von Testgeräten zu schliessen. Nicht in diesem Fall.

Als ich erste Fotos des Nokia-Schlafsensors (130 Franken) für unter die Matratze sah, dachte ich, der wird wohl so gross wie ein Schlafsack oder eine Luftmatratze sein.

Zu meinem Erstaunen kam dann nur eine ziemlich kleine Schachtel und darin war ein noch kleinerer Schlafsensor. Das längliche, graue Stoffrechteck misst nur gerade 65 x 20 cm.

Schnell installiert

Die Installation ist einfach. Man legt den Sensor auf den Lättlirost unter die Matratze. Fast fertig.

Dann muss man nur noch das Stromkabel einstecken. Der Sensor hat nämlich keinen Akku. In meinem Fall reicht das allerdings ziemlich lange Kabel grad knapp bis zur nächsten Steckdose und das Verlängerungskabel kann im Schrank bleiben.

Vollautomatisch

Mit der Health-Mate-App von Nokia verbindet man sich mit dem Sensor und dann muss es nur noch Nacht oder eher Morgen werden.

Denn einmal installiert, läuft alles von alleine. Am Morgen bekommt man das erste Schlafprotokoll. Es informiert, wie lange man geschlafen hat, wie tief, wie regelmässig, ob es Unterbrechungen gegeben hat, wie lang es gedauert hat, bis man eingeschlafen ist und wie lange man zum Aufstehen gebraucht hat. Dazu gibt es eine Pulskurve und wann und wie lange man geschnarcht hat, zeigt die App auch.

Wer will, kann sich von der App auch Tipps für einen besseren Schlaf geben lassen. Technik-Fans wird die Möglichkeit gefallen, den Sensor mit Smart-Home-Geräten zu verknüpfen. So kann man etwa die Hue-Lampen von Philips automatisch ausschalten, wenn man sich ins Bett legt, oder einschalten, wenn man aufsteht. Auf der Ifttt-Website gibt es eine ganze Reihe solcher Automatismen.

All das funktionierte im Test zuverlässig und ohne eigenes Zutun. Ja, man vergisst ganz, dass der Sensor da ist.

Komplikationen

Bis anhin habe ich meinen Schlaf mit der Apple Watch vermessen (So wird die Apple-Uhr zum Schlaftracker). Viele Leute tragen in der Nacht nicht gerne Uhren. Da ist so ein Sensor für unter die Matratze natürlich praktisch.

In meinem Fall hat die Uhr allerdings einen entscheidenden Vorteil, sie misst auch, wenn ich über Mittag auf dem Sofa oder am Abend im Kinderzimmer einschlafe. Was in einem Haushalt mit Klein- und Kleinstkindern keine Seltenheit ist.

Ausgeschnarcht

Auf den zweiten Knackpunkt dürften Leserinnen und Leser, die Sensoren im Allgemeinen und im Schlafzimmer sowieso für beängstigend halten, schon gewartet haben.

Für die Schnarcherkennung kommt ein Mikrofon zum Einsatz. Es erkennt anhand der Atembewegungen, ob auch wirklich die Person schnarcht, die über dem Sensor liegt. Nokia verspricht, dass keine Aufnahmen gemacht würden. Es würde nur gespeichert, wann und wie lange geschnarcht wird. Zudem findet man in der App das Mikrofon an zweitoberster Stelle. Gleich unter den WLAN-Einstellungen.

Ich habe die Funktion nach ein paar Tagen deaktiviert. Weniger aus Privatsphärebedenken (schliesslich nutze ich auch eine WLAN-Waage derselben Firma), sondern mehr um mich als Schnarcher in der Beziehung nicht unnötig mit einer kompromittierenden Datenspur selber zu belasten.

Fazit: Wer sich für seinen Schlaf interessiert und ohne Aufwand oder ein Gerät am Körper ein Schlafprotokoll haben möchte, sollte sich den Nokia-Sensor einmal genauer anschauen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2018, 18:04 Uhr

Von Withings zu Nokia und wieder zurück

Die französische Firma Withings machte sich einen Namen als Hersteller eleganter und einfacher Gesundheits-Gadgets. Waagen, Uhren, Armbänder und Fieberthermometer waren ihre Spezialität. 2016 kaufte Nokia die Firma für 170 Millionen Euro und integrierte sie in die eigene Gesundheitssparte. Dabei verschwand der Markenname Withings. Auf den Uhren und Waagen stand von da an Nokia. Doch diesen Mai hat Nokia angekündigt, dass es die Firma wieder abstossen werde. Sie sei zu klein für einen Grosskonzern wie Nokia und hätte zu wenig Wachstumspotenzial. Nokia wolle sich aus dem Kundengeschäft zurückziehen und sich ganz auf Businesskunden und das Lizenzengeschäft konzentrieren. Als Käufer waren angeblich Google und Samsung im Gespräch. Den Zuschlag bekam aber schliesslich mit Éric Carreel, ein Mitgründer und ehemaliger Verwaltungsratspräsident von Withings. (zei)

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