Analyse

Der Preis der Gratis-Apps

Bei vielen Apps ist es schlecht um die Datensicherheit bestellt, wie eine neue Studie feststellt. Überraschenderweise schneidet Google besser ab als Apple.

Ungefragter Upload des Adressbuchs: Die App des sozialen Netzwerks Path ist nicht die einzige App, die mit Nutzerdaten fahrlässig umgeht.

Ungefragter Upload des Adressbuchs: Die App des sozialen Netzwerks Path ist nicht die einzige App, die mit Nutzerdaten fahrlässig umgeht. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Appthority ist ein Start-up aus San Francisco, das die 100 populärsten Gratis-Apps fürs iPhone und für Android-Telefone unter die Lupe genommen hat. Der Befund der Studie ist verheerend: Die grosse Mehrheit der Apps sendet Daten unverschlüsselt. 96 Prozent geben Informationen an Werbeunternehmen und Datensammler weiter. 79 Prozent der Apps tragen der Privatsphäre der Nutzer zu wenig Sorge.

Und: Apple schneidet schlechter als Google ab. Dies, obwohl Apple die eingereichten Apps anders als Google rigide prüft. Diese Begutachtung fokussiert aber auf die Einhaltung der Design-Richtlinien – es wurden schon Apps wegen eines hässlichen Icons abgelehnt –, was eine App mit den Benutzerdaten macht, ist augenscheinlich sekundär. Vor einem Jahr geriet Apple in die Kritik, weil die App des sozialen Netzwerks Path ungefragt das ganze Adressbuch der Nutzer zu seinen Servern hochlud.

Der Nutzer zahlt mit Daten

Inzwischen muss der Nutzer den Zugriff aufs Adressbuch explizit genehmigen, doch damit sind nicht alle Datenschutzlöcher gestopft. Appthority berichtet, dass einige Unterhaltungs-Apps und Spiele auf den Kalender des Nutzers zugreifen, obwohl es dafür kaum einsichtige Gründe gibt.

Die Gratis-Apps haben ihren Preis, den der Nutzer mit persönlichen Daten bezahlt. Appthority hält fest, dass vor allem die Hersteller kostenloser Programme versucht seien, durch Preisgabe von Daten an Werbeunternehmen und Datensammler Einkünfte zu generieren. Das stellt Unternehmen vor Probleme, die ihren Angestellten erlauben, das gleiche Smartphone sowohl privat als auch am Arbeitsplatz zu verwenden. Geschäftsgeheimnisse lassen sich kaum mehr schützen.

Die sicherste App

Bei inzwischen mehr als 775'000 Apps im Store könnte es sich Apple sicher leisten, an einigen besonders nachlässigen Datensündern ein Exempel zu statuieren – eine solche Putzaktion liesse sich sogar zur Charme- und Vertrauensoffensive ummünzen. Doch erfahrungsgemäss reagiert Apple nur auf Druck. Das zeigte sich 2011 im sogenannten Location-Gate, als publik wurde, dass Apple selbst ungefragt Positionsdaten sammelte. Darum gilt weiterhin: Die sicherste App ist die, die man nicht herunterlädt.

Erstellt: 06.04.2013, 10:57 Uhr

Artikel zum Thema

Das Phone, dein Freund und Stalker

Hintergrund Nach hitzigen Debatten um Datensicherheit wurde die «Girls Around Me»-App vom Markt genommen. Doch damit ist das eigentliche Problem nicht vom Tisch: Wohin führt der Terror der Transparenz? Mehr...

Die beliebtesten iPhone-Apps der Schweizer

Bildstrecke Zum 25-milliardsten Mal wird dieser Tage im App Store eine App heruntergeladen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt, was Schweizerinnen und Schweizern aufs Smartphone kommt. Mehr...

«Das Risiko von Drive-by-Attacken steigt»

Analyse Tablets sind in 90 Prozent aller Schweizer Unternehmen Geschäftsalltag. Sie bergen Risiken. Der renommierte Sicherheitsspezialist Rob Griffin sagt, was Firmen gegen digitale Angriffe unternehmen müssen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie mit unserem unabhängigen Abovergleich das optimale Handyabo.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Schöner Lärm: Ein Flugzeug fliegt in der Nähe von Pfaffhausen vor dem Supermond durch. (20. Februar 2019)
(Bild: Leserbild: Peter Schwager aus Fällanden) Mehr...