«Der Schweizer hat gerne Marken»

Sony ist unter Druck. Die Apple- und Samsung-Konkurrenz scheint übermächtig. Topmanager Gerhard Sturm verrät, wie der japanische Riese Marktanteile zurückgewinnen will.

Xperia Z soll es richten: Besucher an der CES am Messestand von Sony.

Xperia Z soll es richten: Besucher an der CES am Messestand von Sony. Bild: Keystone

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Der Sony-Konzern durchlebt schwierige Zeiten. Als einer der Hoffnungsträger gilt das an der CES in Las Vegas vorgestellte Xperia Z. Weshalb soll gerade ein Smartphone die Wende bringen, Gerhard Sturm?
Mit dem Xperia Z wollen wir ein Zeichen setzen. Die Botschaft lautet: Sony meldet sich zurück. Smartphones sind ein wichtiger Bereich. Laut führenden Analysten sind wir in diesem Segment im dritten Quartal weltweit auf Platz 3 positioniert. Dies gilt laut dem Marktforschungsinstitut GFK auch für die Schweiz, wobei hier der Abstand zu Samsung und Apple noch grösser ist. 2013 wollen wir richtig angreifen – und das Xperia Z ist der Startschuss dazu.

Die Smartphone-Auswahl ist gross, die Unterscheidungsmerkmale sind jedoch marginal.
Das stimmt nicht ganz. Neben den technischen Features, die auf dem neusten Stand sind, möchte ich beim Xperia Z besonders den Wasserschutz herausstreichen. Das ist ein klarer Mehrwert für Smartphone-Käufer, den man so nicht erwartet. Wasserunfälle sind bei diesem Gadget ein verbreitetes Problem. Man kann das Smartphone mit gutem Gewissen zu Outdoor-Aktivitäten mitnehmen.

Trotzdem: Neben den Platzhirschen Apple und Samsung wollen viele andere Konkurrenten ein Stück vom Smartphone-Kuchen.
Wir sind überzeugt, dass wir unter anderem mit der Produktqualität und dem Design punkten können. Ich will offen sein: Die Konkurrenten waren in den vergangenen Jahren bei Bildschirmen oder Prozessoren oft einen Tick besser. Aber wir haben aus diesen Fehlern gelernt und aufgeschlossen – und gehen jetzt meiner Meinung nach auch einen Schritt weiter: Mit Quad-Core-Prozessor, der neusten Android-Version und der Mobile Bravia Engine 2 für das Display bietet das Xperia Z neuste Technik. Zudem wird mit einem speziellen Batteriesparmodus die Akkulaufzeit um bis zu 400 Prozent verlängert. Schliesslich spielt auch die Konnektivität eine zentrale Rolle.

Konkret?
Die Verbindung mit anderen Geräten via NFC (wir nennen diese Technik One Touch). Berühren Sie mit dem Smartphone einen Kopfhörer oder Audiogeräte, erklingt der Sound automatisch aus dieser Quelle. Oder Sie halten das Xperia Z an die Fernbedienung eines Bravia-Fernsehers, und der Bildschirm wird 1:1 auf dem TV abgebildet. Das Smartphone wird zur Multimediaschaltstelle mit unseren Services wie Musik- und Filmdownloads und Playstation-Mobile-Games. Bei One Touch unterstützen wir bis auf den Fernseher auch Hardware anderer Hersteller.

Apple geniesst als Kultmarke einen Ausnahmestatus, Samsung ist Marktführer. Was unternimmt Sony?
Trotz aller Schwierigkeiten, die wir momentan zu bewältigen haben: Sony gilt noch immer als starke Marke, gerade auch in der Schweiz. Hier sind Namen ohnehin sehr wichtig, und wir haben hier nach wie vor ein starkes Premium-Image. Wir werden die Marketingaktivitäten bei Sony Mobile in diesem Jahr mehr als verdoppeln. Mit dem Xperia Z müssen wir keinen Vergleich mit Samsung oder Apple scheuen.

Wie stark sind die Kamera- und TV-Sparte in die Smartphone-Entwicklung involviert?
Sehr eng, alle Bereiche sind jetzt in Tokio zentralisiert, wo die Produktentwickler Hand in Hand arbeiten. Das ist ein grosser Kulturwandel, denn die Entwickler der verschiedenen Sparten waren bisher getrennt. Hier können wir unsere Stärken besser ausspielen. Die Philosophie lautet, dass die beste Technik von Sony wann immer möglich ins Smartphone gehört.

Sony hat viele Geschäftsbereiche. Wie stark wird die Smartphone-Sparte gewichtet?
Der Smartphone-Markt ist einer der am stärksten wachsenden Bereiche innerhalb der Consumer Electronics, entsprechend viel Gewicht hat er auch bei uns. Das Smarpthone ist das Schlüsselelement in der vernetzten Welt. Denn das Handy hat man immer dabei. Trotzdem spielen natürlich auch die TV- und Kamerasparte weiterhin eine wichtige Rolle.

Wie ticken die Schweizer Nutzer im Vergleich zu anderen Ländern? Was ist ihnen wichtig?
Der Schweizer Konsument ist sehr anspruchsvoll und nimmt alles genau unter die Lupe. Er schaut auch mehr als andere auf Features – eben mit der typischen Schweizer Präzision (lacht). Dann ist es kein Geheimnis, dass man hier gerne Marken hat. Es dauert länger, einen Schweizer Kunden zum Wechsel zu bewegen, er ist eher konservativ. Wenn ihm einmal ein Produkt gefällt, bleibt er länger dabei. Er gilt als loyal. In der Schweiz dauert es deshalb länger als in anderen Märkten, ihn für sich zu gewinnen. Und daran arbeiten wir, weil uns der Markt sehr wichtig ist.

Sony hat seit dem Ende der Zusammenarbeit mit Ericsson viele Xperia-Modelle lanciert. Zu viele, wie uns scheint.
Wir wollten zu viele Dinge auf einmal machen. Vor einem Jahr haben wir neben dem Xperia S auch das P und U lanciert. Das war rückblickend nicht ganz optimal. Jetzt haben wir in Las Vegas ein einziges Modell präsentiert, ein klares Flaggschiff. Wir brauchen einen klaren Fokus und müssen auch prägnant auf den Punkt bringen, was das Xperia Z bringt.

Mit dem Xperia Z soll man auch die Sony-eigenen Musik- und Videodienste nutzen können. In der Schweiz sind die Angebote bisher nicht verfügbar. Ändert sich das zum Marktstart?
Sobald wir mit Music Unlimited oder Video Unlimited in der Schweiz starten werden, werden wir bestimmt von uns hören lassen.

Erstellt: 25.01.2013, 10:25 Uhr

Die Zeit nach Ericsson

Sony und der schwedische Mobilfunkausrüster Ericsson haben vor einem Jahr einen Schlussstrich unter ihr gemeinsames Unternehmen Sony Ericsson gezogen. Sony kaufte die Mobiltelefonsparte für 1,05 Milliarden Euro wieder zurück. Der japanische Konzern stellte danach die Mobilsparte neu auf. Sie gehört heute neben Digitalkameras und Games zu den drei Schwerpunkten, wie Sony-Präsident Kazuo Hirai jüngst verkündete.

«Sony meldet sich zurück, lautet die Botschaft»: Gerhard Sturm, Leiter des Zentraleuropa-Geschäfts von Sony Mobile.

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