Interview

«Der teuerste Deal in der Geschichte des Unternehmens»

Dank dem Kauf von Motorolas Handysparte kann Google künftig selber Smartphones bauen. Die Übernahme kann nur vor dem Hintergrund der Apple-Microsoft-Allianz verstanden werden, sagt IT-Unternehmer Ruedi Noser.

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Google kann seine Smartphones und Tablets künftig selbst herstellen: Für 12,5 Milliarden Dollar kauft das Suchmaschinenunternehmen die Handysparte des Handypioniers Motorola (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Was steckt dahinter? Wir sprachen mit dem Zürcher IT-Unternehmer Ruedi Noser.

Google ist bereit, für Motorolas Handysparte 12,5 Milliarden Dollar zu bezahlen. Ein stolzer Preis.
Absolut. Die hohe Summe – der teuerste Deal in der Geschichte des Unternehmens – muss vor dem Hintergrund der Patentklagen gegen Googles Betriebssystem Android gesehen werden. Erst kürzlich haben die Google-Verantwortlichen tatsächlich das Wort Krieg in den Mund genommen.

In einem Blog warf das Unternehmen Apple und Microsoft vor, «einen Krieg gegen das Google-Betriebssystem Android zu führen».
Genau. Motorola verfügt selber über viele Patente, das hilft Google natürlich sehr. Ende Juli wurde zudem bekannt, Google kaufe über 1000 Patente von IBM. Das zeigt, wie enorm wichtig diese sind.

Die Motorola-Aktie ist in die Höhe geschnellt. Die Aktionäre sind also begeistert.
Vor drei, vier Jahren haben Patente kaum jemanden interessiert. Die Aktionäre bewerten Patente heute viel höher.

Was bedeutet der Deal für die grossen Google-Konkurrenten Apple und Microsoft?
Erst kürzlich musste Google eine Niederlage im Nortel-Patentstreit gegen Apple und Microsoft einstecken. Google wirft seinen Gegnern vor, mit dem Kauf der Nortel-Patente Googles Android-Partner HTC und Samsung kaputt machen zu wollen. Mit der heute angekündigten Übernahme befindet sich das Unternehmen jetzt in einer viel besseren Position im Smartphone-Markt.

Geht es wirklich nur um Patente?
Das ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Gut möglich, dass Google das gekaufte Know-how nutzt, um sich aktiver bei den anderen grossen Android-Partnern Samsung und HTC einzubringen, konkret: die Fertigung der Google-Handys aus Asien zu unterstützen.

Erstellt: 15.08.2011, 16:22 Uhr

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«Motorolaner in der Familie der Googler»

Google hat in den vergangenen Jahren zwar ständig Unternehmen zugekauft, es handelte sich allerdings meist um Start-ups, die neue Software-Entwicklungen oder -Dienstleistungen anboten. Motorola dagegen ist ein Hardware-Hersteller; das US-Unternehmen ist einer der ersten Hersteller von Handys gewesen. Im Handymarkt ist Google bislang vor allem mit seinem System Android aktiv, das auf den Smartphones vieler Hersteller läuft. Zudem vertreibt der Internetriese auch eine kleine Zahl eigener Geräte.

Motorola hatte sein Mobilfunk-Geschäft zu Beginn des Jahres aufgespalten. Es trennte dabei die Handy- von der Infrastruktur-Sparte, die mittlerweile von Nokia Siemens Networks übernommen wurde.

Motorola Mobility setzte bereits vor der Übernahme auf Android. Die beiden Unternehmen passten daher hervorragend zusammen, erklärte Google-Chef Larry Page. Er freue sich darauf, die «Motorolaner in der Familie der Googler willkommen zu heißen». Motorola-Mobility-Chef Sanjay Jha betonte den kräftigen Wertzuwachs für die Aktionäre. Zusammen könnten beide Unternehmen «hervorragende mobile Lösungen» anbieten, erklärte er. (AFP)

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