Hintergrund

Die 25-Franken-Smartphones kommen

Die Macher des freien Browsers Firefox wollen mit ultragünstigen Smartphones den Markt aufrollen.

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Sie mausern sich zunehmend vom Experiment zum realen Produkt: Smartphones mit dem alternativen Betriebssystem Firefox OS. Das System stammt von Mozilla, derselben gemeinnützigen Stiftung, die auch den Firefox-Webbrowser entwickelt. Auf der gestern zu Ende gegangenen MWC, der weltgrössten Handymesse, gab sich Mozilla viel Mühe, sich als neuen Konkurrenten im Spiel der Grossen zu positionieren. Dazu gehörten neben einem imposanten Messestand eine Reihe neuer, marktreifer Geräte. Für den Marketing-Effekt sorgte man mit einem Prototyp, der künftig für rund 25 Franken über den Ladentisch gehen soll.

Auf dem Schweizer Markt für Smartphones machen für gewöhnlich die Flaggschiffe der grössten Hersteller das Rennen unter sich aus. Es sind hochpreisige, gut ausgestattete Geräte von Fabrikanten wie Apple, Samsung, HTC, Sony. Im Weltmarkt zählen jedoch andere Werte. Angeführt wird die Rangliste der meisten Mobilverträge von Staaten wie China oder Indien, deren Preisniveau deutlich unter dem westlicher Märkte liegt. Und bereits auf den Rängen vier und fünf kommen Länder wie Indonesien und Brasilien zu liegen, deren Wachstumsraten laufend mehr Kaufkraft freisetzen. Hier sind bislang andere Marken gefragt, die in Mitteleuropa keine Rolle spielen, etwa Alcatel, das in den spanischsprachigen Ländern eine Führungsrolle einnimmt. Mit Herstellern wie diesen wollen die Firefox-Macher den Smartphone-Markt aufrollen. Mozilla hat mit Alcatel bereits 2013 erste Modelle auf den Markt gebracht. An der MWC-Messe diese Woche standen nun weitere Billig-Smartphones im Rampenlicht, etwa das Open II und das Open C von ZTE.

Massgeschneidert für die neuen Märkte

Eines ist den Geräten gemeinsam: Die Hardware zielt klar auf Nutzer, die auch mit weniger Leistung zufrieden sind. Das kompakte Open II zum Beispiel mit seinem 3,5-Zoll-Display bringt einen Prozessor mit, der auf dem Niveau des vor drei Jahren erschienenen Samsung Galaxy S2 liegt. Bei Speicher, Displayauflösung und Kamera steht das Gerät weit hinter der aktuellen Generation.

Während der Hersteller noch keine konkreten Preise bekannt gab, ist klar, dass Mozilla und seine Partner auf das Verkaufsargument «preiswert» setzen. So sagte Mozilla-Cheftechniker Brendan Eich, man wolle die 50-Dollar-Marke unterschreiten. Mit anderen Herstellern sind sogar 25 Dollar als Endziel anvisiert. Auf diesem Preisniveau können Android- und iOS-Geräte aktuell nicht mithalten. Mit dem Billigmodell hofft man auf einen erfolgreichen Start in Lateinamerika und Osteuropa.

Komfortfreie Zone

Derzeit gibt es keine Pläne für Firefox-Geräte in der Schweiz. Das verwundert nicht: Wer bereits Erfahrung mit aktuellen iOS- und Android-Telefonen hat – Firefox bietet noch keine Modelle, die zum Umstieg einladen. Auch wer sich mit der geringeren Leistung abfindet; ein noch schmales App-Angebot, eine fummelige Bedienung und andere Kinderkrankheiten plagen die Geräte.

Doch die Modelle haben Potenzial, was auch an der Philosophie von Mozilla liegt, das auf gemeinnützige Standards setzt. Dazu gehört ein App-Modell, das nah am offenen Internet liegt. Es macht es Entwicklern besonders leicht, simple Apps zu veröffentlichen. Und letztlich bieten die Telefone denjenigen Nutzern eine Alternative, die es partout ablehnen, bei einem der bekannten Anbieter ihre Daten zu parken.

Erstellt: 28.02.2014, 14:43 Uhr

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