Die Wunschliste für iOS

Am Montag stellt Apple in San Francisco die neusten Versionen der Betriebssysteme iOS und OS X vor. Wir zeigen, welche neuen Funktionen die Systeme bieten sollten.

Neues Design und neue Funktionen: iOS.

Neues Design und neue Funktionen: iOS. Bild: Reuters

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Am Montag eröffnet der Elektronikkonzern Apple seine jährliche Entwicklerkonferenz WWDC und wird dabei, so viel steht fest, die kommenden Versionen der Betriebssysteme für Macs und iPhones sowie iPads vorstellen. Diese werden voraussichtlich im Spätsommer verfügbar werden.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass beide Betriebssysteme gleichzeitig präsentiert werden. Das allein lässt vermuten, dass die beiden näher als je zuvor zusammenrücken werden – spannend wird vor allem sein, wie weit Apple dabei geht. Eine vollständige Verschmelzung zu einem System nach dem Vorbild von Windows 8 ist indes unwahrscheinlich.

Striktere Trennung als Konkurrenz

Apple trennt die Kategorien der klassischen Personalcomputer, die mit Maus und Tastatur gesteuert werden (OS X), und jene der touchgesteuerten Tablets und Smartphones (iOS) deutlicher und strikter, als die meisten anderen Hersteller dies inzwischen tun. Einen Laptop mit Touchscreen und Tastatur dürfte es von Apple weiterhin nicht geben – zumindest wäre dies eine grosse Überraschung und bedürfte einer massiven Anpassung von OS X.

Doch auch ohne hybride Hardware und ohne forciertes Einheitssystem – ein besseres Zusammenspiel zwischen iPhone, iPad und Mac ist jenen, die in der Apple-Welt zu Hause sind und arbeiten, sicherlich sehr willkommen. Denn auch wenn man sich dort insgesamt wohlfühlt – bei genauerer Betrachtung fallen einem doch ein paar Dinge mit Verbesserungspotenzial auf. Es folgt eine persönlich gefärbte Wunschliste:

Gleiche Funktionen für gleiche Produkte: Apple bietet diverse Apps sowohl auf dem Mac wie auf dem iPhone/iPad an. Während die einen auf beiden Plattformen ziemlich genau dasselbe tun (Kalender, Kontakte, Notizen), unterscheiden sich andere mehr oder minder stark, etwa Pages, Numbers, iPhoto oder iTunes. Das gehört aufgeräumt: Was gleich heisst, soll bitte fortan auch dasselbe tun, also denselben Funktionsumfang bieten.

Drahtlosen Austausch vereinfachen: Einfacher sollte auch der drahtlose Austausch von Dateien zwischen Mac und iPad werden – bitte so einfach, wie es zwischen zwei Macs bereits funktioniert (via Airdrop).

Cloud braucht Dropbox-Funktion: Der Clouddienst iCloud bietet, nett ausgedrückt, ebenfalls Spielraum für Verbesserungen. Er sollte insgesamt zuverlässiger und dringend um eine Dropbox-artige Funktion erweitert werden (auch wenn Steve Jobs noch vor zwei Jahren, bei seinem letzten Auftritt an einer Apple-Keynote, genau das Gegenteil beschworen hat).

Gemeinsam an einem Dokument arbeiten: Ausserdem fehlt jede Möglichkeit zum gemeinsamen Arbeiten im Team an einem Dokument. Apple hält für meinen Geschmack zu stark an einer «Mein Gerät, meine Dateien»-Philosophie fest – das ist nicht mehr zeitgemäss.

iMessage und Face Time: Der Kurznachrichten-Service «Nachrichten» (ehemals iMessage) wäre noch praktischer, wenn er mit dem Videochat Face Time vereinigt würde – und dürfte ebenfalls an Zuverlässigkeit zulegen. Und wenn man schon dabei ist: Attraktiv wäre es zudem, den Service auf weitere Plattformen auszudehnen (Android/Windows 8).

Was OS X von iOS übernehmen sollte

Kartendienst: Diverse, nützliche Apple-Dienste sind exklusiv iOS vorbehalten – das ist schade und teils nicht nachvollziehbar. Auffallend ist etwa, dass Apples Karten nicht via Webbrowser am Mac zugänglich sind. Deren Qualität und Informationsreichtum würden vom Nutzer-Feedback am Mac bestimmt gewinnen – was weiterhin nötig wäre.

Siri und Newsstand: Ausserdem fehlt iBooks am Mac, ebenso Newsstand (Zeitungskiosk). Und Siri. Angenommen, Siri würde deutlich verbessert und für Entwickler geöffnet, sodass die Sprachsteuerung mit allen möglichen Apps zusammenspielen würde, dann wäre mir Siri auch auf dem Mac sehr willkommen. In der heutigen Form hingegen vermisst niemand Siri am Mac. Oder braucht es fleissig am iPhone.

iTunes entrümpeln: Der Moloch namens iTunes müsste, ginge es nach dem Autor dieser Zeilen, auf dem Mac nach dem Vorbild von iPhone/iPad in mehrere separate, überschaubare und flinke Apps aufgebrochen werden: Musik-Player und -Shop, Video-Player und -Shop, Podcasts, iBooks und -Shop, Mac-App-Store (gibt es bereits) und so weiter. Vielleicht bringt ja das sagenumwobene iRadio, ein Musik-Streaming-Service à la Spotify & Co., den Apple angeblich demnächst lanciert, diese Änderung mit sich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Apple iTunes weiter mit Funktionen überlädt.

Navigation entschlacken: Die Navigation zu Apps und Dokumenten auf dem Mac müsste ausserdem radikal vereinfacht werden. Dock, Launchpad & Co. können von mir aus über Bord geworfen werden (was Apple leider nicht machen wird). Zum Glück öffnet man ja seine Apps am einfachsten via Spotlight, mit der Tastenkombination «Apfel+Leerschlag» plus den ersten Buchstaben der gewünschten App oder des gesuchten Dokuments.

Wo die iPhone- und iPad-Software zulegen sollte

Wer die Google-App auf dem iPhone nutzt, bekommt seit kurzem eine Vorstellung davon, was der Suchmaschinengigant aus all den Daten, die sich zu einem bestimmten Anwender so anhäufen, alles rausholen kann. Blendet man für einen Moment die unheimliche Seite dieser Sammlerei aus, dann stellt man fest, dass Google einem im Gegenzug nützliche, auf die eigene Person zugeschnittene Dienste bietet (Wegrouten, Wetterinfos, Flugtermine etc.). Und die braucht man nicht einmal mehr aktiv abzurufen, sie werden antizipiert und zuvorkommend serviert. Das nennt sich Google Now und steht selbstverständlich allen Android-Nutzern in einer ausgereifteren Form zu Verfügung als iPhone-Nutzern.

Wenn es je etwas gegeben hat, wovon man sich als iPhone-Nutzer wünschen würde, dass Apple es von Android übernimmt, dann die zuvorkommende Art von Google Now. Doch hierbei wird, ähnlich wie bei den Karten, deutlich, dass Apple nicht über dieselbe Datengrundlage verfügt wie die Konkurrenz. Oder personenbezogene Daten zumindest nicht so aktiv sammelt und ausschlachtet – was ja durchaus auch etwas für sich hat.

Mehr Infos auf Sperrbildschirm

Mehr Platz für Infos: Wenden wir uns also realistischeren Wünschen zu. Der Sperrbildschirm (das, was man als Erstes sieht, wenn man das iPhone aus dem Ruhezustand mit schwarzem Bildschirm weckt) verrät heute gerade einmal, wie spät es ist und welche Nachrichten reingekommen sind. Hier hätte es durchaus Platz für mehr, etwa Wetterinfos und dergleichen. Das Benachrichtigungssystem von iOS wird oft kritisiert, alles in allem kann man jedoch gut damit leben. Etwas fingerfreundlicher (sprich: grössere Icons) dürfte es sein.

Mehrere Profile auf einem Gerät: Das iPad wird, anders als iPhones, oftmals von mehreren Personen genutzt, etwa von Eltern und Kindern. Deshalb wäre ein Multi-User-System wünschenswert, bei dem jeder und jede seine Mails, seine Nachrichten und seine Apps sieht und nutzen kann. Oder zumindest eine viel einfachere Art, auf einen eingeschränkteren Kids-Modus umzuschalten.

Mehr Vielfalt bei Grundfunktionen: Alternative Tastaturen von Drittanbietern wären interessant. Mit speziellen Eingabemöglichkeiten oder besonders grossen Tasten. Ebenso alternative Standard-Apps für Mail, Web und dergleichen. Was andere längst zulassen, ist bisher bei Apple unmöglich. Zumindest hat Tim Cook vor kurzem angedeutet, er wolle iOS etwas öffnen, auch bei den Grundfunktionen. Man darf gespannt sein, was er und sein Team am Montag diesbezüglich ankündigen.

Auch die Optionen zum reibungslosen Teilen von Inhalten, vor allem Fotos, sollten über Facebook und Twitter hinausgehen, also flexibler durch weitere Apps und Dienste erweitert werden können. Und die Art, wie man zwischen Apps wechselt, und jene, wie man Apps ganz schliesst, könnte ebenfalls eleganter gelöst werden als heute.

Mehr als ein neuer Anstrich

Viel zu reden im Vorfeld gibt das optische Redesign der Apple-Software. Jony Ive, der bisher das unbestritten hochkarätige Design der Hardware geprägt hat, ist mittlerweile auch für die Optik der Software zuständig. Am Montag wird die Welt erstmals sehen, wie er sich ansprechend gestaltete, funktionale Software vorstellt.

Design ist eine nette Zugabe: Dabei ist weniger interessant, ob die App-Icons nun weniger glänzen, flacher daherkommen als bisher oder weiterhin auf dem guten, alten Raster angeordnet sind. Erfreulich wäre es auch, wenn gewisse übertriebene optische Anlehnungen an reale Objekte (etwa das Büchergestell im Zeitungskiosk oder der Leder-Look der Freunde-App oder der Agenda-Look der Kontakte-App am Mac) verschwinden würden.

Doch es geht um viel mehr als nur einen neuen Anstrich. Wirklich spannend ist, wie Ive die Bedienungsabläufe vereinfacht. Oder wie er es schafft, dass Apps auf dem Homescreen die wichtigsten Infos anzeigen, ohne dass man sie öffnen muss (was beispielsweise die aktiven Kacheln von Windows Phone 8 gut erfüllen). Gutes Design, und dass weiss Ive zum Glück besser als die meisten seiner Berufskollegen, bedient mehr als nur das Auge. Es sorgt für bessere Funktionalität – und eine einfachere Bedienung.

Erstellt: 07.06.2013, 11:40 Uhr

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