Die beste Kamera, die ich mir gerade noch knapp leisten kann

Sonys neue A7 III will es allen recht machen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sie einen Monat lang ausprobiert.

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Für gewöhnlich geht das im Leben eines Produkttesters so: Man bestellt ein Testgerät, schreibt den Testbericht dazu, und dann schickt man es wieder zurück.

Hin und wieder kommt es vor, dass ein Gerät so gut ist, dass man es unbedingt haben möchte und es sich vielleicht sogar kauft. Das war bei mir unter anderem beim Surface Pro 3, der Apple Watch oder 2013 mit der ersten Sony A7 der Fall.

Teure Versuchung

Letzten Sommer erging es mir ähnlich. Ich konnte mit der Sony A9 eine 6000-fränkige Profi-Kamera während einer Woche testen. Ich war begeistert. Die A9 war rasend schnell, absolut zuverlässig, bequem zu bedienen, völlig geräuschlos, und die Bildqualität war sensationell. Ich schrieb damals, es wäre die perfekte Allrounder-Kamera, wenn sie nur nicht so unglaublich teuer wäre.

Trotzdem habe ich in der Folge mein Budget mehrfach überschlagen und versucht, einen Kauf zu rechtfertigen. Aber ich konnte mich beherrschen. Es wäre einfach zu unsinnig – und vor allem viel zu teuer – gewesen.

Schwach geworden

Doch die A9 ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und das ist auch der Grund, weshalb ich etwas gemacht habe, was man – gerade als Produkttester – nie machen sollte. Ich habe mir, ohne sie selber ausprobiert zu haben oder auch nur einen Testbericht gelesen zu haben, die Ende Februar angekündigte Sony A7 III (2400 Franken) gekauft.

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Eigentlich erst für April angekündigt, war sie schon Mitte März im Schaufenster des lokalen Fotohändlers. Anhand der Beschreibung wusste ich, dass sie das nahezu selbe Design wie die viel teurere A9 hat und auch bei den Funktionen nur minimale Abstriche macht, die nur absolute Profis bemerken werden. Ohne die Kamera im Laden ausprobiert zu haben, kaufte ich sie blind. Was konnte da schon schiefgehen?

Ohne zu zögern

Seit über einem Monat habe ich nun die Kamera und verwende sie für meine Arbeit, Familienfotos oder einfach nur zum Spass. Würde ich die Kamera wieder kaufen? Ohne zu zögern. Ja, sie ist verglichen mit einem Smartphone oder einer Einsteigerkamera teuer. Aber was man für das Geld bekommt, ist so gut, dass ich beim Fotografieren immer wieder schmunzeln muss. Vor ein paar Jahren war diese Technologie absoluten Profis vorbehalten, vor einem Jahr war sie noch mehrere Tausend Franken zu teuer, und jetzt halte ich sie in Händen.

Die Bildqualität der Kamera ist bei jeder Lichtsituation sehr gut. Aber das war sie auch schon bei meiner ersten A7 von 2013 (Die wird inzwischen für unter 1000 Franken immer noch verkauft). Der grosse Unterschied findet sich bei Tempo, Zuverlässigkeit und Bedienung.

Mit der neuen Kamera gelingen mir Aufnahmen, die mit meiner alten Sony nie (oder nur mit viel Planung und Glück) möglich gewesen wären. Der Autofocus stellt so schnell und präzise scharf, dass auch Schnappschüsse gelingen. Dank dem Augen-Autofocus ist es schon fast absurd, wie einfach es ist, Porträtfotos zu schiessen. Selbst bei weit geöffneter Blende gelingen damit scharfe Action-Fotos.

Dass die Kamera per Option geräuschlos fotografieren kann, ist sehr angenehm und für manche Situationen und Fotos sogar entscheidend. Mit dem Akku meiner alten A7 war ich immer zufrieden. Trotzdem hatte ich mehrere. Bei der neuen A7 III habe ich den Akku noch nie in einem Tag leer bekommen. Irgendwann kaufe ich vielleicht einen zweiten. Aber aktuell habe ich es damit überhaupt nicht eilig.

Apropos Akku: Die Kamera kann man nun wahlweise per Micro-USB (alter Standard) oder USB-C (neuer Standard) laden. Mindestens eins von beiden Kabeln findet man in fast jedem Haushalt oder Supermarkt.

Schlaue Automatik

Videos waren bei mir nie hoch auf der Liste. Aber erste Versuche mit der Kamera waren so vielversprechend, dass ich mich dabei ertappt habe, wie ich immer öfter damit experimentiere.

Nicht zu unterschätzen ist schliesslich der Automatik-Modus. Meine alte A7 konnte ich nur nach reichlich manuellen Einstellungen und ein paar Erklärungen jemand anderem geben. Die neue A7 III kann ich nun einfach meinem Göttibub in die Hand drücken und sagen: «Oben noch schnell auf Grün drehen!» Fertig.

Batman lässt grüssen

Also nur eitel Freude, Sonnenschein? Eigentlich schon. Aber Raum für Verbesserung gibt es natürlich immer: Für meine Verhältnisse ist die Kamera nun schon ziemlich gross und schwer. Wer von einer Spiegelreflex kommt, dürfte sie aber immer noch klein und leicht finden.

Wenig begeistert bin ich, wie auch schon bei der viel teureren A9, vom Design. Die Kamera sieht aus wie etwas aus dem Arsenal von Batman und lädt nicht dazu ein, in die Hand genommen zu werden. Fuji, Olympus und natürlich Leica haben da viel elegantere Kameras.

Preis und Objektive

Dann ist da schliesslich noch der Preis. So preiswert die Kamera auch ist, ist der Preis für Anfänger und Gelegenheitsfotografen prohibitiv hoch. Aber ambitionierten Hobbyfotografen werde ich künftig ohne zu zögern die A7 III empfehlen.

Noch ein Wort zu Objektiven: In den Anfangszeiten von Sonys A7-Reihe gab es nur wenig Original-Objektive. Inzwischen gibt es für praktisch jedes Bedürfnis mehrere von Sony selbst und mehreren anderen Herstellern. Natürlich kann man auch weiterhin per Adapter (teilweise sogar mit Autofocus) Objektive für andere Kamerasysteme nutzen. Besonders praktisch: Dank dem Vollformatsensor (35mm) funktionieren per Adapter montierte Objektive aus der Analog-Zeit genau so, wie sie die Ingenieure damals geplant haben.

Fazit: Sony bewirbt die A7 III als «basic». Tatsächlich muss man schon sehr spezifische Bedürfnisse haben, um sich noch eine der teureren Kameras im Sony-Sortiment zu kaufen. Nein, billig ist sie nicht. Und mit einem guten Objektiv wird sie noch teurer. Aber ambitionierte Amateure und die meisten Profis dürften mit dieser Kamera in den nächsten Jahren nicht so schnell an Grenzen stossen.

Haben Sie Fragen zur Sony A7 III? Rafael Zeier beantwortet sie gerne in den Kommentaren oder auf Twitter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2018, 15:09 Uhr

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