Die grossen Profiteure von Apples Bildungs-Offensive

Der Techkonzern hat neue Geräte und Programme für Schulen vorgestellt. Mehr noch als Schüler und Lehrer dürften sich andere darüber freuen. Eine Einschätzung.

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Apple hat gestern an einer eigens dafür einberufenen Veranstaltung vor eingeladenen Lehrern und Journalisten ein neues iPad und neue Apps und Dienste für den Schulalltag vorgestellt.

So sehr die Manager und die Bildungsspezialisten auf der Bühne schwärmten, wird es Apple damit kaum gelingen, den notorisch klammen Bildungssektor auf den Kopf zu stellen.

Der inzwischen pensionierte Technologie- und vor allem Apple-Experte Walt Mossberg fasste das so zusammen:

Selbst mit den Rabatten, die Bildungseinrichtungen bekommen, werden sich nicht alle Schulen die neuen Apple-Tablets leisten wollen oder können. Zumal Stifte und Tastaturen noch extra kosten. Und die Konkurrenz – namentlich Google und Microsoft – ebenfalls gute Angebote hat.

Ein Computer für alle

Die grossen Profiteure von Apples-Bildungsoffensive sind dann auch nicht die Schulen, sondern wir Privatanwender. Im Bestreben darum, ein kostengünstiges Tablet für Schulen zu machen, hat Apple einen alltagstauglichen und bezahlbaren Computer für alle geschaffen.

Man muss nun schon sehr hohe Ansprüche haben, um sich für ein teureres iPad Pro zu entscheiden. Oder anders gesagt, wem all diese Abkürzungen und Features nichts sagen, der kann getrost das neue billigere iPad kaufen:

Dass der Bildschirm nicht ganz so toll ist wie beim iPad Pro oder dass die Kamera nicht in 4K-Auflösung filmen kann, dürfte im Alltag niemanden stören.

Als gutes Beispiel vorangegangen

Doch auch in Sachen Software profitieren alle iPad-Nutzer von Apples Bildungsoffensive. Nun da das bestverkaufte iPad ebenfalls per Stift bedient werden kann, werden noch mehr Entwickler ihre Apps dafür optimieren.

Apple ist bereits als gutes Beispiel vorangegangen und hat die iWorks-Apps für den Stift optimiert. Andere Apps werden zweifellos diesem Beispiel folgen.

Benutzerprofile und mehr Gratisspeicher

Auf zwei weitere Neuerungen, die Apple speziell für Schulen vorgestellt hat, warten Privatanwender allerdings weiterhin. Die Möglichkeit, verschiedene Benutzerkonten einzurichten, ist aktuell Schulen vorbehalten.

Dabei wäre das auch im Familienalltag äusserst praktisch, wenn jedes Familienmitglied per Fingerabdruck erkannt würde und seine eigenen Apps und Dienste nutzen könnte.

Neu hat Apple auch den Gratis-Cloud-Speicher für Schüler auf Schul-iPads erhöht. Bis anhin gab es mickrige 5 GB. Nun sind es sehr bequeme 200 GB. Bei Privatanwendern ist die Gratisgrenze aber weiterhin bei 5 GB pro Apple-Konto.

Aber nun, da Benutzerkonten und mehr Gratisspeicher Realität geworden sind, dürfte es hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis diese Neuerungen in der einen oder anderen Form einem breiteren Publikum angeboten werden.

Offensive am unteren Ende

Und so gesehen ist Apples Bildungsoffensive eben in erster Linie eine Offensive am unteren Ende des eigenen Preisspektrums, was als Gegenbewegung zu neuen Angeboten im Hochpreisbereich mit futuristischen Funktionen sehr zu begrüssen ist.

Apple nennt das iPad gerne «unsere Vision für die Zukunft des Computers». Damit das iPad tatsächlich der Computer der Zukunft wird, sind preisgünstige Modelle essenziell. Das gestern vorgestellte iPad ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Und ganz unter uns: Für immer mehr Menschen (den Autor eingeschlossen) ist das iPad längst nicht mehr der Computer der Zukunft. Sondern der Computer der Gegenwart.

Erstellt: 28.03.2018, 11:46 Uhr

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