Die richtige App zum richtigen Zeitpunkt

Das Telefon ist schon smart. Die Benutzeroberfläche ist es noch nicht. Das ändert sich langsam.

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Als Erstes drückt man den Power-Knopf, dann gibt man sein Passwort ein, falls vorhanden, und schliesslich sucht und öffnet man irgendeine App. Diese Prozedur wiederholen wir fast jedes Mal, wenn wir ein Smartphone in die Hand nehmen – ob wir ein Foto machen, ein SMS schreiben, eine Website öffnen oder jemanden anrufen wollen. An diesem Ablauf hat sich in den letzten sieben Jahren kaum etwas geändert.

Entsprechend haben wir unsere Smartphones eingerichtet. Der Homescreen, das Pendant zum Desktop auf dem Computer, ist voller App-Symbole. Mit der Zeit merkt man sich unbewusst, welche App wo ist. Manche Nutzer schaffen Übersicht mit Ordnern, andere sortieren ihre Apps gar nach Farbe. Vom Prinzip her funktionieren diese Homescreens wie Fernsehfernbedienungen und nutzen die Möglichkeiten der interaktiven Fläche kaum. Sie sind eine Ansammlung von Knöpfen, die einen zu dem führen, was man sucht.

Mehr als Knöpfe

Am konsequentesten setzt Apple auf diese Bedienungsform. Google und Microsoft haben sie ein wenig weiterentwickelt. Für Android-Smartphones gibt es sogenannte Widgets, kleine Progrämmchen, die direkt auf dem Homescreen laufen. So sieht man etwa auf einen Blick das Wetter oder seine nächsten Termine und muss nicht extra eine App öffnen. Wenn man einen Song im Radio nicht kennt, muss man nicht erst die Apps von Shazam oder Soundhound öffnen, sondern drückt auf das entsprechende Widget.

Bei Windows Phone gibt es das in abgeschwächter Form. Auf dem Homescreen mit seinen vielen Kacheln befinden sich einzelne, die mehr sind als reine Klickflächen. Die Kachel für die Bildergalerie zeigt etwa kleine Vorschaubilder, und auf der Kontakte-App sieht man die Porträts der Personen aus der Adressliste. Wenn man wissen möchte, was in der Welt passiert, muss man nicht erst die News-App öffnen. Die entsprechende Kachel zeigt bereits die wichtigsten Schlagzeilen. Die Kacheln bei Windows Phone und die interaktiven Widgets bei Android weisen einen möglichen Weg in die Zukunft. So könnten die Smartphone-Homescreens wirklich smart werden.

Die Oberfläche der Zukunft

Einzelne Entwickler experimentieren schon heute mit neuen Benutzerober­flächen. Da man bei Androidgeräten die Oberfläche verändern kann, gibt es im Store zahlreiche Alternativen zu den offiziellen Oberflächen der Hersteller. Nebst solchen, die Kosmetik oder Entschlackung bieten, gibt es solche, die den Homescreen neu erfinden wollen.

Eine neue Oberfläche heisst Aviate. Das Start-up dahinter wurde im Januar laut Branchenkennern für 80 Millionen Dollar von Yahoo gekauft. Eine andere ist der Z Launcher. Diese Benutzeroberfläche wurde von einer alten Bekannten im Handygeschäft entwickelt: Nokia. Zwei Monate nachdem die Handysparte des einstigen Weltmarktführers an Microsoft verkauft war, präsentierten die Finnen ihre Vision für die Smart­phone-Oberfläche der Zukunft.

Die Versprechen beider sind kühn: «Die Benutzeroberfläche wird intelligent!» – «Vereinfachen Sie Ihr Smartphone!» – «Je mehr Sie es nutzen, desto besser wird es!» – «Nie mehr Apps suchen!» – «Die richtige App zur richtigen Zeit!» Tatsächlich klappt das schon jetzt überraschend gut, wenn auch nicht immer zuverlässig. Im Idealfall zeigen aber beide Apps, die gerade sinnvoll sind. Dazu lernen die Dienste von Gewohn­heiten und Sensordaten, die das Telefon automatisch erfasst.

Wenn etwa der Kopfhörer eingesteckt wird, wird der Nutzer Musik hören wollen. Also zeigt die Oberfläche Musik-Apps. Wenn die Bewegungssensoren melden, dass der Nutzer zu Fuss unterwegs ist, steigt die Chance, dass er eine Karten- oder Fahrplan-App sehen will. Auch merkt sich der Homescreen, dass sein Nutzer morgens gern die News liest und am Abend das Fernsehprogramm.

Im Moment sind das aber noch Nischenangebote für experimentierfreudige Nutzer. Bis sich daran etwas ändert, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zu sehr haben wir uns an die aktuelle Bedienung gewöhnt – auch wenn sie nicht sonderlich smart ist.

Erstellt: 11.08.2014, 07:14 Uhr

Video

Das Werbevideo zum Z Launcher.

Video

Das Werbe-Video zu Aviate.

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Apps – so weit das Auge reicht: Die Oberflächen aktueller Smartphones unterscheiden sich kaum. Foto: Brent Lewin (Bloomberg)

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