Diesen Facebook-Hinweis sollten Sie auf keinen Fall ignorieren

Millionen Android-Nutzer übermitteln ihren Standort fortlaufend an Facebook. Jetzt gibt es eine Möglichkeit, den Zugriff einzuschränken.

Bislang erfasst Facebook die GPS-Daten permanent im Hintergrund und erstellt daraus einen detaillierten Standortverlauf.

Bislang erfasst Facebook die GPS-Daten permanent im Hintergrund und erstellt daraus einen detaillierten Standortverlauf. Bild: Dado Ruvic/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Facebooks Erinnerungen nerven: Jahrestage, uralte Beiträge, längst vergessene Fotos. Der Hinweis, den Millionen Menschen bald in ihrer Facebook-Timeline sehen werden, ist dagegen wichtig. Das Unternehmen benachrichtigt Android-Nutzer über eine neue Möglichkeit, den Zugriff auf den Standortverlauf zu regeln. Wenn Sie die Einblendung sehen, sollten Sie sich unbedingt zwei Minuten Zeit nehmen, um sich damit zu beschäftigen.

Wer ein Android-Smartphone besitzt und die Facebook-App nutzt, hat bislang nur zwei Möglichkeiten: Positionserkennung an oder aus. Die Ortungsdienste lassen sich in den Systemeinstellungen des Geräts regeln. Wenn Sie einer App erlauben, Ihren Standort zu erfassen, kann das Programm permanent darauf zugreifen, unabhängig davon, ob Sie die App gerade verwenden oder nicht.

So nutzen Sie die neue Einstellungsmöglichkeit

Facebook gibt Nutzern nun eine dritte Möglichkeit: Sie können ihren Aufenthaltsort freigeben – aber nur in der Zeit, in der sie die App geöffnet haben. Bislang erfasst Facebook die GPS-Daten permanent im Hintergrund und erstellt daraus einen detaillierten Standortverlauf. Diese Informationen verwendet Facebook auch, um es Werbekunden zu ermöglichen, Anzeigen auf bestimmte Zielgruppen masszuschneidern und noch genauer zu personalisieren.

Um die neue Einstellung selbst zu überprüfen, tippen Sie in der Facebook-App auf das Menü in der rechten oberen Ecke. Dort wählen Sie «Einstellung und Privatsphäre» und öffnen «Privatsphäre auf einen Blick». Im ersten Punkt «Privatsphäre» finden Sie die Option «Deine Standorteinstellungen verwalten». Hier können Sie die Ortungsdienste entweder komplett deaktivieren oder einschalten. Zusätzlich soll es jetzt die Möglichkeit geben, Facebook zu verbieten, ihr Gerät im Hintergrund zu tracken. Auf einem Android-Smartphone der SZ-Redaktion war diese Option am Donnerstagmorgen aber noch nicht freigeschaltet.

Der Standortverlauf lässt Rückschlüsse auf das Privatleben zu

Wenn Sie ein Apple-Gerät mit iOS-Betriebssystem besitzen, finden Sie die Möglichkeit schon länger direkt in den Systemeinstellungen. In den Ortungsdiensten («Einstellungen > Datenschutz > Ortungsdienste») haben Sie die Wahl zwischen drei Optionen: niemals, beim Verwenden oder immer. Wenn Sie einer App eingeschränkten Zugriff erteilen, färbt Apple die Statusleiste blau und blendet eine Meldung ein, sobald das Programm den Standort erfasst.

Positionsdaten sind sensible Informationen, die Rückschlüsse auf Freunde, Beziehungen, Gewohnheiten und Interessen zulassen. Ohne triftigen Grund sollten Sie diese Informationen mit keinem Unternehmen teilen. Facebook bietet etwa an, Sie automatisch zu informieren, wenn Freunde in der Nähe sind. Ob Sie dafür einen Teil Ihrer Privatsphäre aufgeben wollen, sollten Sie sich gut überlegen.

Vergangene Woche enthüllte CNBC, dass Facebook seine App nutzt, um bestimmte Personen gezielt zu überwachen. Wenn das Unternehmen Nutzer als gefährlich einstuft, etwa weil diese in der Vergangenheit Facebook-Mitarbeiter bedroht haben, landen sie auf einer Beobachtungsliste. Ehemaligen Angestellten zufolge soll die Liste mehrere hundert Personen umfassen.

Auch andere Unternehmen tun alles, um Zugriff auf Ihren Standort zu erhalten. Im vergangenen August wurde bekannt, dass Google Nutzer auch dann verfolgt, wenn sie explizit widersprechen. Kurz darauf änderte Google die Beschreibung der entsprechenden Einstellungen, um Missverständnisse zu vermeiden. Noch dreister gehen viele Smartphone-Apps vor: Ende 2018 zeigte eine grosse Recherche der New York Times, wie Dutzende Unternehmen Nutzer teils illegal überwachen und die Daten an Dritte verkaufen.

Deshalb sollten Sie Ihre Einstellungen nicht nur für Facebook, sondern für alle Apps überprüfen. Unter iOS öffnen Sie dafür die Ortungsdienste und entziehen allen Programmen den Zugriff, die nicht zwingend wissen müssen, wo sie sich aufhalten. Android-Nutzer tippen in den Einstellungen auf «Sicherheit & Standort» und überprüfen unter «Standort» die «Berechtigungen auf App-Ebene». Im Android-Hilfebereich erklärt Google, wie Sie die die Option finden und was der Unterschied zwischen dem ungefähren und dem genauen Standortzugriff ist. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.02.2019, 20:22 Uhr

Artikel zum Thema

Wer ein Smartphone benutzt, füttert ein Monster

Essay Google und Facebook wissen alles über uns – und bedienen sich schamlos an unseren höchstpersönlichen Daten, warnt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Mehr...

Facebook droht Milliarden-Busse in den USA

Der Skandal um die Weitergabe von persönlichen Daten an Cambridge Analytica könnte Facebook teuer zu stehen kommen. Mehr...

Glücklich ohne Social Media

Eine neue Studie belegt: Wer sein Facebook-Konto deaktiviert, fühlt sich besser. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nationalfeiertag: Ein Teilnehmer des St. Patrick's Festival posiert mit einer Polizistin in Dublin, Irland. (17. März 2019)
(Bild: Charles McQuillan/Getty Images) Mehr...