Ein Kopfhörer für Geniesser

Der Sennheiser Momentum 3 ist ein Drahtlos-Over-Ear-Kopfhörer, der nicht nur zum Musikhören, sondern auch als Statussymbol taugt.

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Kopfhörer haben sich in den letzten Jahren vom eher drögen Gebrauchsgegenstand zum edlen Statussymbol gemausert. Das liegt an der technischen Entwicklung: Bluetooth ist ein wirkungsvolles Mittel gegen Kabelsalat und erlaubt es, die Kopfhörer nicht nur mit Telefon und Tablet, sondern auch mit smarten Uhren oder TV-Boxen zu koppeln. Und die Geräuschunterdrückung hat so grosse Fortschritte gemacht, dass man sich selbst in der lärmigen S-Bahn oder im geschäftigen Grossraumbüro akustisch abkoppeln kann.

Eine Umfrage des deutschen Branchenverbandes von 2019 zeigt, dass Kopfhörer nicht mehr nur als Audiozubehör wahrgenommen werden: 47 Prozent der Nutzer wollen die Umwelt ausblenden. 42 Prozent signalisieren damit den Leuten in der Umgebung, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen. Und für 21 Prozent sind sie sogar ein modisches Accessoire.

Diese Trends spielen den Herstellern in die Hände. Bose und Sony wetteifern schon länger darum, wer die bessere Geräuschunterdrückung hat. Und auch der deutsche Audio-Equipment-Hersteller Sennheiser will sich nicht lumpen lassen: Sein neuester Kopfhörer ist ein Over-Ear-Kopfhörer, der in Sachen Design die Konkurrenz abhängt. Die das Ohr ganz umschliessenden Polster und das Kissen am Bügel sind aus Leder, die Schiene aus mattem Stahl. Keine Frage: Wer den Momentum 3 trägt, gibt sich als anspruchsvoller Musikkonsument zu erkennen – selbst wenn die Musik nicht von einer teuren Stereoanlage, sondern ab Handy und Streamingdienst kommt.

Klangstark und geräuscharm

Doch beim Momentum 3 stimmt nicht nur die Optik, sondern auch die beiden anderen entscheidenden Kopfhörerkriterien: erstens natürlich der Klang. Er wirkt beim ersten Aufsetzen zurückhaltend und unaufdringlich. Hört man länger zu, dann überzeugt die nuancierte und ausgewogene Darstellung. Bei meinem Sony WH-1000XM2 wirkt das Stereobild noch etwas plastischer – so bilde ich es mir zumindest ein.

Auch an der Geräuschunterdrückung gibt es nichts zu mäkeln. Sie reduziert selbst Stimmen in unmittelbarer Nähe auf erträgliches, wenig ablenkendes Niveau. In der Smart-Control-App des Herstellers (für Android und iPhone) lassen sich drei Stufen einstellen: «Maximal» für starke Reduktion. Sie wirkt bei manchen Nutzern (auch bei mir) auf Dauer etwas unangenehm, weil der Antischall ein Druckgefühl auf den Ohren erzeugt. Die zweite Stufe namens «Anti-Wind» ist moderater und soll vor allem die durch Bewegung verursachten Nebengeräusche dämpfen. Die geringste Stufe heisst «Anti-Druck». Sie ist selbst für sensible Leute wie mich auch auf Dauer erträglich – und fürs Büro absolut ausreichend.

Im direkten Vergleich schlägt sich der Sony-Kopfhörer bei der Geräuschunterdrückung ein Quäntchen besser. In der Disziplin sind die Japaner ungeschlagen.

Der Kopfhörer unterstützt neben den Bluetooth-Codecs aptX und SBC auch aptX Low Latency: Dieser Standard verhindert beim Videoschauen oder Game-Spielen, dass der per Funk übertragene Ton dem Bild hinterherhinkt.

Etwas schwer – trotzdem bequem

Das zweite wichtige Kriterium bei einem Kopfhörer ist der Tragekomfort. Beim Momentum 3 drückt nichts – noch nicht einmal bei uns Brillenträgern: Selbst da, wo die Polster auf den Brillenbügeln aufliegen, stört nichts. Lediglich das Gewicht von 305 Gramm bewegt sich für manche Träger am oberen Ende.

Schliesslich überzeugt auch die Bedienung. Nimmt man den Momentum 3 aus dem Beutel und klappt die eingefalteten Bügel aus, überrascht der Kopfhörer damit, dass er sich gleich automatisch einschaltet – ganz ohne dass man einen Knopf drücken müsste. Analog schaltet sich der Kopfhörer beim Zusammenklappen auch wieder aus. Nicht nur das: Wenn man den Kopfhörer abnimmt, stoppt automatisch die Wiedergabe. Beim Aufsetzen läuft die Musik weiter: sehr komfortabel.

Tasten statt Touch

Gesteuert wird der Kopfhörer durch Knöpfe und Tasten an der rechten Ohrmuschel: Ein Knopf schaltet die Geräuschunterdrückung ein oder aus und aktiviert das «Transparent Hearing»: Es leitet die Aussengeräusche in den Kopfhörer, sodass man im Zug beispielsweise die Durchsagen versteht. (Man kann es auch verwenden, wenn man mit einem Bürokollegen spricht – allerdings findet dieser es wahrscheinlich doch höflicher, wenn man den Kopfhörer für die Unterhaltung absetzt.)

Die automatische Start-/Stopp-Funktion im Werbevideo.

Ferner gibt zwei Tasten für lauter und leiser, einen Start-/Pause-Knopf und eine Taste für den Telefonassistenten, mit dem man auch das Bluetooth-Pairing initiiert. Die Alternative zu den Knöpfen ist die Touchbedienung, wie man sie beispielsweise beim Sony WH-1000XM2 vorfindet. Welche Steuerungsmethode man vorzieht, ist Geschmackssache. Die Knöpfe muss man unter Umständen erst ertasten, dafür reagieren Sie in aller Regel zuverlässiger.

Fazit: Ein rundum gelungenes Produkt. Lediglich die Batterielaufzeit wird von manchen Testern negativ bewertet. Sennheiser gibt sie mit 17 Stunden an. Andere grosse Kopfhörer bringen es auf 20 oder 30 Stunden. Das Aufladen erfolgt zeitgemäss via USB-C; ein Adapter für USB-A gehört zum Lieferumfang. Manche mögen auch kritisieren, dass es den Kopfhörer nur in Schwarz und Weiss gibt – und dass er mit rund 460 Franken nochmals etwas teurer ist als die Topmodelle anderer Hersteller.

Erstellt: 18.09.2019, 10:34 Uhr

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