Test

Eine Woche mit dem neuen iPhone 5S

Ein Gerät, zwei Erfahrungen: Die Digital-Redaktoren von Tagesanzeiger.ch/Newsnet haben das neue Telefon eine Woche lang ausprobiert. Der eine hatte schon immer ein iPhone, der andere noch nie.

Die Testgeräte der Digital-Redaktoren nach einer Woche: Links das 5S von Matthias Schüssler, rechts dasjenige von Rafael Zeier.

Die Testgeräte der Digital-Redaktoren nach einer Woche: Links das 5S von Matthias Schüssler, rechts dasjenige von Rafael Zeier. Bild: zei

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Matthias Schüssler vertraut seit 2008 auf das iPhone. Das 5S ist sein inzwischen viertes iPhone.

Der Wechsel aufs iPhone 5S gelingt nicht ohne Panne. Beim Neustart nach der ersten Konfigurationsrunde bleibt der Fortschrittsbalken stehen. Er bewegt sich auch nach stundenlangem Warten um keinen einzigen Pixel mehr. Es hilft, das iPhone ans MacBook anzuschliessen und dort eine Wiederherstellung auszulösen. Im zweiten Anlauf klappt es dann. Via iCloud wird der Stand des alten Telefons eins zu eins aufs neue übertragen. Damit nichts vergessen geht, muss man eigentlich nur daran denken, als Erstes auf dem alten Telefon ein Back-up zu initialisieren.

Nachdem es im zweiten Anlauf geklappt hat, ist jede App an ihrem Platz. Es verbleibt eine einzige Aufgabe: bei den diversen Apps mit Log-in (Twitter, Facebook, Google+, Instacast etc.) den Benutzernamen und das Passwort neu zu hinterlegen. Sperenzchen früherer Updates, wie ein durcheinandergewirbelter Homescreen, bleiben aus. Dieser (im Idealfall reibungslose) Umstieg macht die Entscheidung für ein neues Gerät leichter. Im Gegensatz dazu habe ich die Anschaffung eines neuen Windows-PC fast ein Jahr vor mir hergeschoben, weil mich die Vorstellung abschreckte, in stundenlanger Arbeit Programme neu zu installieren, Daten zu übernehmen und die Konfiguration zu perfektionieren.

Bei der Verwendung fühlt sich das iPhone 5S kaum anders an als sein Vorgänger. Vom schnelleren 64-Bit-Prozessor habe ich subjektiv nichts wahrgenommen. Die Apps, die ihn ausreizen, müssen wohl erst noch geschrieben werden. Aber ich bin beeindruckt, welche Grafikpower eine App wie Frax entfaltet. Ich erinnere mich, als ich den ersten Windows-Anwendungen begegnete, die Fraktale darstellten. Sie bauten ein Bild in minutenlanger Rechenarbeit auf – und Frax zeigt die hochkomplexen geometrischen Objekte augenblicklich inklusive 3-D-Effekts, Beleuchtung und hochkomplexer Textur.

Meine grösste Hoffnung ins iPhone 5S wurde halb erfüllt. Mit dem iPhone 5 kam ich batteriemässig nämlich kaum mehr über den Tag. Daran bin ich natürlich selbst schuld, weil ich diverse Apps auf meinem Telefon habe, die Hintergrundaktivitäten entfalten – beispielsweise die Moves-App, die ich seit April begeistert nutze. Der Akku des iPhone 5S soll länger durchhalten, was ich durchaus bestätigen kann, wenn ich einen ganzen Tag lang unterwegs bin.

Der Fingerabdrucksensor bringt für mich einen kleinen Sicherheitsgewinn. Ich hatte das alte Telefon so eingestellt, dass die Entsperrung nach einer Viertelstunde angefordert wird. Das gäbe einem gewieften Dieb ein kleines «window of opportunity», um an die Daten zu gelangen. Mit dem Touch-ID-Sensor muss es bei jedem Wecken aus dem Ruhezustand entsperrt werden, was diese Gelegenheit vereitelt – insbesondere in Kombination mit einer automatischen Sperre, die nach kurzer Zeit einsetzt. Die Entsperrung des Telefons per Finger über den Sensor ist unkompliziert, wenn sie denn gelingt. Für meinen Geschmack ist die Fehlerquote allerdings noch zu hoch. Ich muss (geschätzt) jedes vierte bis fünfte Mal zwei oder mehr Anläufe nehmen, damit die Entsperrung klappt.

Was die neue Funktion des Slow-Motion-Videos angeht, habe ich in der vergangenen Woche fleissig, aber erfolglos nach einer günstigen Gelegenheit Ausschau gehalten – diese Funktion harrt somit noch der Erkundung.

Als Fazit sind für mich die neuen Funktionen des iPhone 5S nicht gewichtig genug, als dass sich ein Umstieg vom iPhone 5 aufdrängen würde. In der siebten Generation ist Apples Smartphone ein reifes Produkt – und das ist auch gut so. So wertig, wie das Telefon mit seinem Spezialglas und dem Aluminium wirkt, hat es eine längere Nutzungsdauer als bloss bis zum nächsten Release verdient.


Rafael Zeier wechselte von Symbian- auf Android-Handys. Ein iPhone hatte er noch nie länger im Einsatz. iOS kennt er hauptsächlich von seinen iPads.

Als Erstes fällt auf, wie klein das iPhone und vor allem sein Bildschirm ist. Beim täglichen Gebrauch gewöhnt man sich zwar schnell an den kleineren Screen. Aber beim Lesen macht der Bildschirm keine Freude. Mehr als ein paar Artikel kann ich darauf nicht lesen. Für eine stündige Zugfahrt eindeutig zu wenig. Ein klarer Punkt für mein 5-Zoll-Smartphone, an das ich mich nach anfänglicher Mühe inzwischen bestens gewöhnt habe.

Das zweite Problem ist Apples Protektionismus. Die Tastatur des iPhone ist nicht schlecht. Trotzdem sollte man sie austauschen können, wenn man will. Auch nach einer Woche fleissigen Tippens wünschte ich mir alternative Tastaturen wie Swiftkey oder Swype. Auch fehlt mir die Möglichkeit, Links oder Bilder aus der jeweiligen App via Whatsapp zu teilen oder Artikel elegant* in meinem Pocket-Archiv zu speichern. Hier hat der offene Ansatz von Android klar Vorteile.

Dafür muss man als Android-Nutzer neidlos anerkennen, dass das Apple-Ökosystem einen sehr runden Eindruck hinterlässt. Die verschiedenen Geräte (Apple-TV, Airplay-Lautsprecher, iPads) verstehen sich fast blind. Zahlreichen Webseiten merkt man an, dass sie fürs iPhone optimiert wurden. Alles Kleinigkeiten, die einem erst auffallen, wenn man längere Zeit mit dem iPhone unterwegs ist.

Was sofort auffällt, ist der Fingerabdrucksensor: Der funktioniert sehr zuverlässig und einfach – ein kleines Plus an Sicherheit und ein grosses Plus an Komfort. Nach ein, zwei Versuchen benutzt man ihn schon ganz intuitiv und ärgert sich, wenn man beim iPad weiterhin eine Zahlenkombination eintippen muss. Wer sich mit dem Konzept nicht anfreunden kann, kann den Sensor auch deaktivieren.

Das Beste am neuen iPhone ist aber die Kamera. Nicht die Hardware – die ist wenig spektakulär –, sondern die Software. Sie macht die Kamera rasend schnell und äusserst benutzerfreundlich. Keine unnötigen Menüs, keine überflüssigen Knöpfe, einfach das, was zählt. Ich hatte noch mit keiner Handykamera so viel Spass. Davon können sich andere Anbieter noch eine Scheibe abschneiden. Kaum vorzustellen, wie gut die beste Handykamera (Lumia 1020) mit solcher Software wäre.

Trotzdem werde ich nun auf mein Xperia Z zurückwechseln. Aber jedes Mal, wenn die Kamera nicht ganz das machen wird, was ich will, oder eine Webseite ruckeln wird, werde ich das iPhone ein bisschen vermissen.

* Die Variante mit dem Bookmarklet kenne ich. Für mich ist sie aber nur eine mühsame Notlösung.

Erstellt: 05.11.2013, 12:01 Uhr

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