Eine halbe Systemkamera

Sony macht aus Handys Fotokameras. Das klappt – mit Einschränkungen.

Mit der QX1 lassen sich auch 50-mm-Objektive nutzen.

Mit der QX1 lassen sich auch 50-mm-Objektive nutzen.

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Als Sony vor rund einem Jahr die erste Anklipskamera fürs Smartphone vorstellte, war die Verwunderung gross. Wie soll das funktionieren? In der Theorie funktionierte es so: Die schwarzen Zylinder, die aussahen wie Fotoobjektive, waren vollwertige Fotokameras mit Bildsensor, Objektiv, Akku und Speicherkarteneinschub – allerdings ohne die üblichen Knöpfe und ohne Bildschirm. Gesteuert und bedient wurden die neuartigen Kameras über eine WLAN-Verbindung mit dem Handy. Mit einer Klemme konnte man die Kameras gar am Handy befestigen. So wurde aus einem Smartphone eine (wenn auch abenteuerliche) Kompaktkamera mit Zoomobjektiv und gutem Foto­sensor.

In der Praxis jedoch waren die QX genannten Kameras eine Enttäuschung. Die Bildqualität war zwar deutlich besser als bei einer Handykamera, aber die WLAN-Verbindung war langsam und unzuverlässig, und die dazugehörige App hinterliess einen unfertigen Eindruck. So machte Fotografieren keinen Spass.

So teuer wie eine ganze System­kamera

Rund ein Jahr später hat Sony neue Modelle und vor allem neue Software vorgestellt. Von der neuen Software profitieren auch die älteren Modelle. Damit klappt die Verbindung nun deutlich schneller und zuverlässiger. Auch ist es neu möglich, Blende, Verschlusszeit und weitere Parameter manuell einzustellen. Am einfachsten lassen sich die Kameras mit Android-Handys verbinden. Dank des NFC-Chips muss man Handy und Kamera nur berühren – und die Verbindung wird hergestellt. In den neuesten iPhones steckt zwar auch ein NFC-Chip. Apple erlaubt aber nicht, dass er zum einfachen Verbinden mit anderen Geräten genutzt wird.

Waren die letztjährigen Modelle (ab 190 Franken) schon ziemlich abenteuerlich, ist bei den zwei neuen ein noch deutlich abenteuerlicheres dabei. Die QX1 (ab 330 Franken, Ende Oktober) entspricht nicht einer Kompaktkamera, sondern einer spiegellosen System­kamera. In diesem schwarzen Zylinder steckt ein Sensor der APS-C-Grösse, wie ihn auch Spiegelreflexkameras verwenden, ein Ausklappblitz und die Möglichkeit, Objektive zu wechseln. Diese muss man extra kaufen. In einem Paket zusammen mit einem Zoomobjektiv kostet die QX1 dann rund 500 Franken. Für gleich viel Geld findet man schon System­kameras, die nicht auf ein Handy angewiesen sind.

Für Experimentierfreudige

Das ist dann auch das Hauptproblem aller QX-Kameras. Als Zweit- und Experimentierkameras machen sie zwar eine gute Figur, als Erst- oder Hauptkameras sind sie dann aber doch zu wenig schnell und einfach zu bedienen. Dank der neuen Software gelingen jetzt zwar auch spontane Schnappschüsse, aber nur, wenn man die Kamera rechtzeitig mit dem Handy verbunden hat. Eine normale Digitalkamera mit WLAN-Funktion ist für die meisten Nutzer nach wie vor die bessere Lösung.

Wer aber im Umgang mit Smartphones geübt ist und gern experimentiert, könnte an den neuartigen Kameras Freude bekommen. Hat man sich einmal an die Einschränkungen und Nachteile dieser neuen Kamerakategorie gewöhnt, macht es tatsächlich Spass, damit zu fotografieren. Man sollte sie vor dem Kauf aber unbedingt in einem Fachgeschäft ausprobieren. Auch wenn die QX-Kameras nun funktionieren wie beworben, bleiben sie ein Nischenprodukt.

Erstellt: 05.10.2014, 18:22 Uhr

Die QX1 (ab 330 Franken, Ende Oktober) entspricht einer spiegellosen System­kamera.

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