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Erster Eindruck vom iPad mini

Der Elektronikgigant Apple hat in San José ein handlicheres iPad vorgestellt. Digital-Redaktor Roger Zedi konnte das Tablet vor Ort kurz ausprobieren.

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Der sonst als Wegbereiter voranschreitende Konzern reagiert mit dem iPad mini (ab 2. November in der Schweiz erhältlich) auf die wachsende Konkurrenz und füllt eine Lücke im Angebot. Für Apple steht einiges auf dem Spiel, immerhin machen die Tablet-Computer rund ein Viertel des Apple-Umsatzes aus, noch wichtiger für den Hersteller ist nur das iPhone.

Gehäuse aus Aluminium

Der erste Eindruck beim Test in San José: Das iPad mini ist dünn wie ein Bleistift (7,2 mm), leicht wie ein Papierblock (309 Gramm) und kann mit einer Hand gehalten werden. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 7,9 Zoll (20 cm) und ein Seitenverhältnis von 4:3. Das Gehäuse des iPad mini ist aus Aluminium gefertigt und der Bildschirm ist deutlich grösser als bei vergleichbaren Tablets von Google oder Amazon. Als Chip kommt der A5 zum Einsatz, die Kameras verfügen über fünf Megapixel auf der Rückseite und 720p auf der Vorderseite, die Batterie hält gemäss Apple zehn Stunden lang.

Auch ohne Retina-Display gestochen scharf

Für einen Retina-Bildschirm hat es hingegen leider nicht ganz gereicht. Der erste Eindruck, den wir vor Ort vom iPad-mini-Screen bekommen haben, ist dennoch gestochen scharf – Texte kann man sehr gut lesen. Um es in einer Hand zu halten, ist allerdings eine ausgewachsene Hand nötig, die Hardware ist wie gewohnt präzise verarbeitet. Es gibt auch für das kleine iPad die praktischen Smartcovers.

Auch das klassische iPad wird neu aufgelegt

Auch das klassische 9,7-Zoll-iPad wird nach nur sechs Monaten neu aufgelegt, die vierte Generation ist mit einem A6-Chip ausgestattet, der die doppelte Rechen- und Grafikleistung bringt. Die Preise dieser iPads bleiben dieselben. Alle neuen Apple-Tablets sind wie das iPhone 5 mit dem neuen Lightning-Stecker ausgerüstet.

Während Apple seit 2010 den globalen Markt der 10-Zoll-Tablets klar dominiert (geschätzte 70 Prozent Marktanteil) und bisher über 100 Millionen davon verkauft hat, haben sich im 7-Zoll-Markt die Geräte von Amazon, Google und in bescheidenerem Ausmass Samsung etabliert (zwar gibt keiner der Hersteller detaillierte Zahlen heraus). Und der Markt mit den 7-Zöllern wächst derzeit am schnellsten und soll bereits rund einen Drittel aller Tablets in den Vereinigten Staaten ausmachen.

Apple nimmt bewusst in Kauf, dass das neue Modell die Verkäufe des grossen Modells etwas konkurrieren dürften, doch damit kann der Hersteller gut leben, schliesslich verkauft man auch etwas weniger Mac Books wegen dem iPad. Und immer noch besser, man torpediert sich selbst, als dass es die Konkurrenz tut.

Das neue, kleinere und günstigere iPad ist auch strategisch wichtig für den Bildungsmarkt. Apple hat auch eine neue Version der kostenlosen Mac-Software iBook Author vorgestellt, mit der jedermann relativ einfach E-Books fürs iPad produzieren und publizieren kann – nicht zuletzt Lehrer sollen davon profitieren.

Mehr Leute sollen es sich leisten können

Die Mini-Tablets sind handlicher und punkten angesichts der angespannten Wirtschaftslage im Heimmarkt USA vor allem beim Preis, Amazons bringt den Kindle Fire HD für 159 Dollar (mit Werbeeinblendungen) unter die Leute, Googles Nexus 7 ist ab 249 Dollar zu haben, das günstigste iPad war bisher mit 399 Dollar (älteres Modell) deutlich teurer. Nun verlangt Apple für das kleinere iPad mit 16 GB Speicher und WiFi 329 Dollar, in der Schweiz wird es ab dem 2. November für 379 Franken erhältlich sein.

Gerechtfertigt wird der Preis mit dem im Vergleich zur direkten Konkurrenz grösseren Bildschirm, dem breiteren Angebot an speziell angepassten Apps (derzeit gibt es 275'000 iPad-Apps) und der hochwertigen Verarbeitung, etwa der Verzicht auf Kunststoff zugunsten eines Aluminiumgehäuses. Die Rechnung dürfte aufgehen.

Neue Macs

Ebenfalls präsentiert hat Apple ein dünneres, leichteres 13-Zoll-MacBook-Pro mit einem Retina-Bildschirm und ohne optischem Laufwerk sowie einen aktualisierten Mac mini. Besonders gut aufgenommen wurde der ultradünne iMac, der ebenfalls kein optisches Laufwerk mehr enthält, er ist als 21- oder 27-Zoll-Modell zu haben und als Laufwerk gibt es die neue Option «Fusion Drive», das Festplatte und Flashdrive kombiniert. Ausserdem verbraucht er gemäss Hersteller nur noch halb so viel Strom.

Cook löst sich von Jobs

Steve Jobs hatte 2010 noch erklärt, dass 10 Zoll Bildschirmdiagonale das Minimum für ein Tablet seien, darunter könnten die Apps nicht voll zur Geltung kommen und die Benutzer bräuchten Schleifpapier, um sich die Finger passend spitzig zu schleifen.

Das war vor bald drei Jahren, Jobs kann kein Veto mehr einlegen. Andere Topmanager, darunter Eddy Cue, hatten schon 2011 für ein kleineres iPad plädiert. Das neue iPad ist das erste ganz neue Gerät, dass Tim Cook der Welt präsentiert, und ein Stück weit tritt er damit auch aus dem Schatten seines Vorgängers.

Doch selbst wenn Jobs noch unter uns weilte, es wäre nicht das erste mal, dass Apple ein Produkt lanciert, dessen Sinn Jobs kurz zuvor öffentlich in Frage gestellt hatte. 2003 sagte er in einem Interview mit dem «Wall Street Journal»: «Wir haben uns den Formfaktor der Tablets angeschaut und wir denken, sie werden scheitern. Die Leute wollen eine physische Tastatur.» Im selben Jahr verkündete Jobs, dass «niemand Filme auf einem winzigen Bildschirm sehen wolle». Zur New York Times sage er 2008, dass «die Leute nicht mehr lesen», weshalb E-Book-Reader irrelevant seien. Mittlerweile gibt es das iPad ohne physische Tastatur, jeder iPod spielt Filme ab und man bietet nebst dem Multimedia-Shop iTunes und dem App Store als drittes einen Laden für E-Books an, den iBook-Store.

Erstellt: 23.10.2012, 21:37 Uhr

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iPad mit 9,7-Zoll-Bildschirm

 
30.9%

iPad mini mit 7,9-Zoll-Bildschirm

 
33.0%

Weder noch

 
36.0%

1132 Stimmen


Kampf um die Plätze: Roger Zedi konnte das iPad Mini nur kurz filmen.

Bildschirmdiagonale von 20 Zentimetern: Apple-Marketing-Chef Philip Schiller stellt das neue iPad mini vor.

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