Hintergrund

Facebook kupfert bei Whatsapp ab

Die neue Version des Facebook Messengers setzt wie Whatsapp auf Mobilnummern, um mehr Nutzer zu erreichen. Die Absicht dahinter ist klar.

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Facebook spendiert seinem Messenger eine Rundumerneuerung. Ein neues Interface macht die Bedienung übersichtlicher, die Oberfläche reagiert schneller. Beim Design entfernt sich der Messenger vom bisherigen Facebook-Look, optisch erinnert die App mit ihrer schlichten, eleganten Aufmachung an iOS 7 .

Zentral ist, dass der Messenger neu nach der Mobilnummer des Nutzers fragt, ganz im Stil der Kurznachrichten-App Whatsapp. Diese populäre SMS-Alternative erlaubt es, kostenlose Kurznachrichten per Smartphone zu verschicken. Die neue Facebook-App kopiert diese Funktion rundweg: Wer dem Messenger die eigene Nummer freigibt, kann künftig anderen Messenger-Nutzern Nachrichten schicken, auch wenn diese keine Facebook-Freunde sind. Das ist von jeher der Kern von Whatsapp.

Den Platzhirsch einholen

Damit wildert das soziale Netzwerk in neuen Gebieten. Facebook zeigt, dass es Whatsapp als Konkurrent wahrnimmt. Diese Einschätzung teilen Analysten. Facebook kommt zunehmend unter Druck durch Whatsapp, das selbst schon 300 Millionen aktive Nutzer ausweist. Eine Studie belegt, dass bei den Schweizer Jugendlichen Whatsapp Facebook auf dem Smartphone den Rang abläuft: Für 60 Prozent ist die Kurznachrichten-App aus Kalifornien die beliebteste Anwendung auf dem Smartphone, Facebook liegt abgeschlagen bei 13 Prozent. Weil sich Whatsapp unter den 15- bis 24-Jährigen als wichtigster Kommunikationskanal etabliert hat, greifen sogar erste Schulen auf die App zurück, um Jugendliche zu erreichen.

Kampf um die mobilen Nutzer

Offenbar will Facebook dem erfolgsverwöhnten Whatsapp künftig das Feld nicht mehr kampflos überlassen. Aus Sicht von Facebook kommt die Attacke zum richtigen Zeitpunkt, da das vormals kostenlose Whatsapp seine Nutzer künftig zur Kasse bitten will. Zwar lediglich mit einem Franken pro Jahr, dennoch hat Facebook damit ein Wechselargument auf seiner Seite. Der Schritt passt zu einem aktuellen Trend, so hat auch Google mit seiner neusten Version der eigenen Kurznachrichten-App Hangouts ähnliche Schritte unternommen. Seit vergangener Woche ist noch klarer, dass auch Hangouts ein Stück vom SMS-Kuchen erobern will. Die App führt ähnlich wie Apples iMessage neu SMS und App-Nachrichten zusammen. Der Wettbewerb im mobilen Messaging spitzt sich also zu. Ob und wie Platzhirsch Whatsapp auf die neue Konkurrenz reagiert, ist noch unklar. Zwar ebben Spekulationen darüber nicht ab, ob sich Whatsapp im Gegenzug selber zum sozialen Netzwerk mausern will, Belege für solche Pläne fehlen aber.

Nutzern des Facebook Messengers wird die Anmeldung mit Nummer beim Öffnen der aktualisierten App angeboten. Sie ist freiwillig, der Dienst lässt sich wie bis anhin ohne Mobilnummer verwenden. Gleichzeitig fügt der Dienst den Privatsphäre-Einstellungen eine neue Option hinzu: «Wer kann mich über meine Telefonnummer finden?»

Der neue Facebook Messenger ist ab sofort für iOS und Android verfügbar. Wann eine Version für Windows Phone nachgereicht wird, gab Facebook bisher nicht bekannt.

Erstellt: 15.11.2013, 13:20 Uhr

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