Firefox fordert Apple und Google heraus

Die Mozilla-Stiftung entwickelt ein Betriebssystem für Smartphones, das in Schwellenländern den Weg ebnen soll für günstige Telefone. Doch der Markt ist umkämpft.

Mozillas grosse Stärke sind gut gerüstete Entwickler, welche die Web-Technologien aus dem Effeff beherrschen. Foto: PD

Mozillas grosse Stärke sind gut gerüstete Entwickler, welche die Web-Technologien aus dem Effeff beherrschen. Foto: PD

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Die Mozilla-Stiftung hat mit Firefox vor zehn Jahren den Internet Explorer das Fürchten gelehrt – und frischen Wind in die Browser-Landschaft gebracht. Nun tritt die Stiftung an, dieses Kunststück zu wiederholen – und zwar im umkämpften Markt für Smartphones. In diesem Herbst debütiert Firefox OS, das neue Betriebssystem für Smartphones. Eines der ersten Telefone mit Firefox OS ist das One Touch Fire von Alcatel. Es weist einen Touchscreen, eine Kamera und einen Gigahertz-Prozessor sowie Lagesensoren auf und kommt dieser Tage in Mexiko, Peru und Uruguay auf den Markt. In Brasilien lancierte LG ein Modell namens Fireweb.

Auch in Spanien ist Firefox OS eine Konkurrenz für die Feature Phones, also die einfachen Telefone ohne Software-Erweiterbarkeit. Der Mobilfunkanbieter Telefónica bietet das ZTE Open für 69 Euro an, inklusive 39 Euro Gesprächsguthaben. Günstig, aber nicht sehr leistungsfähig: Diese Geräte dürften es hierzulande schwer haben, ist sich Telecomexperte Ralf Beyeler sicher, denn «Schweizer mögen High-End-Geräte». Ausserdem existierten bislang nur wenige Apps für Firefox OS.

Für die nächste Milliarde

Marc Bächinger ist Web-Entwickler in Zürich und seit Jahren in der Mozilla-Stiftung engagiert. Er betont, Firefox OS habe nicht das Ziel, das iPhone oder das Galaxy S4 zu konkurrenzieren. «Mozilla ist der Überzeugung, dass die nächste Milliarde von Menschen über mobile Geräte ins Internet gehen wird. Der Internetzugang über den PC, wie wir ihn kennen, ist für sie nicht erschwinglich.» Firefox OS soll also den Schwellenländern den Einstieg ins Smartphone-Zeitalter ermöglichen und wurde darum auf günstige, schwachbrüstige Hardware zugeschnitten.

«Es ist interessant, zu sehen, welche Verbündeten Mozilla hat», sagt Bächinger. Es sind vor allem die Telecomunternehmen. Nebst der spanischen Telefónica, der Deutschen Telekom und der US-amerikanischen Sprint wollen 14 weitere Telcos Firefox-OS-Geräte anbieten. Sie versprechen sich zusätzliche Einnahmen. Firefox OS enthält eine Bezahlschnittstelle, mit der Einkäufe am Telefon über die Telefonrechnung abgewickelt werden können. Statt Apple und Google werden die Telecomunternehmen an den Umsätzen beteiligt.

Firefox OS ist wie Android quelloffen. Doch das System lässt den Geräteherstellern mehr Freiheiten als die von Google streng kontrollierte Software. Einen proprietären, von Firefox kontrollierten Store gibt es nicht. Denn, wie die Stiftung Mozilla in ihrem Blog betont, die Offenheit ist ein grosses Ziel: «Unser öffentlicher Auftrag zeigt, dass wir weiter ins Web als offenes und neutrales Spielfeld für alle investieren müssen.»

Firefox OS setzt voll und ganz auf den HTML5-Standard. Er ist zentral für Web-Anwendungen, die vom PC über die Spielkonsole bis zum Smartphone auf allen möglichen Plattformen laufen. Per HTML5 lässt sich eine mobile Website mit wenig Aufwand in eine App verwandeln: «Es braucht nur eine Manifestdatei, die dem Betriebssystem sagt, welche Dateien auf dem Gerät bereitgehalten werden. Dann stehen die Informationen auch ohne Internetverbindung zur Verfügung», erläutert Marc Bächinger. Das Gerät lässt sich auch benutzen, wenn kein Datenplan vorhanden ist, aber beispielsweise öffentliche WLAN-Netze zur Verfügung stehen.

Das Rennen ist eröffnet

Mit Firefox OS ist das Rennen um den dritten Platz – hinter Android und iOS – voll entbrannt. Der Kampf wird zunehmend in den Schwellenländern und im Einsteigersegment ausgetragen. Microsoft orientiert sich an diesem Segment, nachdem das Nokia Lumia 520 mit seinem Preis von 140 Franken Windows Phone gehörig Schub verliehen hat. Auch Samsung und Intel entwickeln mit Tizen ein Betriebssystem, das relativ bescheidene Hardware-Ansprüche hat. Anfang 2014 sollen erste Mobiltelefone auf den Markt kommen, die mit der Linux-Variante Ubuntu Mobile laufen.

Ebenfalls für Anfang 2014 wird ein günstiges Mobiltelefon von Jolla erwartet. Das finnische Unternehmen entwickelt das Betriebssystem Meego weiter, das ursprünglich von Nokia und Intel stammt. «Beim Rennen um den dritten Platz hat Mozilla einen Vorteil, weil die Stiftung aufs Web setzt – und Millionen von Web-Entwicklern diese Technologien aus dem Effeff kennen», ist Mozilla-Sympathisant Bächinger überzeugt. Aber selbst wenn Firefox OS scheitern sollte, hätte Mozilla eines erreicht: Firefox OS zeigt, wie viel sich mit HTML5 auch auf günstiger Hardware erreichen lässt. «Die anderen Anbieter können sich bezüglich dieser offenen Standards nun nicht mehr lumpen lassen.»

Erstellt: 11.11.2013, 15:56 Uhr

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