Test

Googles Tempobolzen im Test

Das neue Nexus-Smartphone überzeugt mit einem sehr guten Bildschirm, flotter Leistung und der neusten Android-Version. In wesentlichen Punkten muss der Nutzer aber Abstriche in Kauf nehmen.

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Das Nexus 4 ist der neuste Spross in Googles Smartphone-Familie. Nachdem zuletzt Samsung für den Suchmaschinenkonzern Computerhandys herstellte, ist nun LG an der Reihe. Tagesanzeiger.ch/Newsnet konnte das Nexus 4 eine Woche lang testen. Der Vorteil eines Google-Smartphones: Es befindet sich immer die neuste Android-Version an Bord, in diesem Fall Version 4.2 (Jelly Bean), die einige neue Funktionen bietet.

Das LG-Handy reiht sich mit seinem 4,7-Zoll-Display (HD LCD) in die Reihe der Grossmodelle und liegt nur knapp unter dem Galaxy S3 (4,8 Zoll). Der Bildschirm mit einer Auflösung von 1280 mal 768 Pixeln ist ein Highlight. Mit der Pixeldichte von 320 Punkten pro Zoll spielt er in der Liga der Retina-Auflösung des iPhone 5 (326 PPI).

Im Test liefert das Display beim Spielen und Surfen ein sehr klares, scharfes Bild mit natürlichen Farben und einem guten Kontrast. Zudem fühlt sich die Touchscreen-Oberfläche weich und geschmeidig an, das Tastatur-Feedback ist sehr gut. Allerdings hat man den Eindruck, dass das Display einen Tick mehr spiegelt als bei anderen Smartphones.

Alles aus einem Stück

Das Smartphone mit dem Unibody-Gehäuse (134 mal 69 mal 9 Millimeter) ist solide verarbeitet, die Rückseite ist glatt und bietet eine Besonderheit: Unter der Glasschicht befinden sich – fast wie bei einer Discokugel – kleine Glitzerteile, die je nach Lichteinfall leuchten.

Dank griffigem Material an den Seiten liegt das Smartphone sicher in der Hand. Vorder- und Rückseite bestehen aus Gorillaglas. Die Android-Bedienelemente sind im Displaybereich angebracht, und nicht am unteren Gehäuserand. Das verwirrt zu Beginn, weil man instinktiv in diesem Bereich drückt. An der rechten Seite befindet sich der Einschaltbutton, links sind die Lautstärkeregler angebracht.

Flotter Prozessor

Der Gerätespeicher des 139 Gramm leichten Smartphones beträgt 8 (netto hier nur 4 bis 5 Gigabyte) oder 16 Gigabyte und ist nicht erweiterbar. Beim Arbeitsspeicher ist man mit 2 Gigabyte gut dabei. NFC ist eingebaut, auf LTE muss man verzichten. Das ist angesichts der Verbreitung in der Schweiz allerdings verkraftbar.

Durch das Unibody-Gehäuse lässt sich der Akku nicht auswechseln. Angetrieben wird das Smartphone vom Quad-Core-Prozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz. Dieser sorgt in der Tat für Tempo: Das Nexus 4 ist im Zusammenspiel mit Android 4.2 in allen Belangen – ob beim Surfen, App-Start etc. – sehr flott.

Bei intensivem Gebrauch (Games, Surfen, Ortungsdienste) kommt man mit dem Akku des Nexus 4 jedoch nicht durch den Tag. Das ist auch bei anderen Smartphones der Fall und ohnehin schwierig einzuschätzen, da auch immer eine Rolle spielt, welche Akku-Fresser-Funktionen aktiviert sind. Aber nach einer Woche bleibt der Eindruck haften, dass das Nexus 4 schneller schlappmacht.

Mit einigen Deaktivierungen holt man etwas an Leistung heraus. Zudem bessert Google bei der Akkuleistung mit dem Update Android 4.2.1 nach, das man auch gleich auf dem Nexus 4 herunterladen kann. So werden etwa Probleme mit der GPS-Ortung behoben, die viel Akkuleistung abziehen konnte. Nach dem Update hatten wir wirklich den Eindruck, dass die Batterie länger hält.

Durchschnittliche Kamera

Die 8-Megapixel-Kamera liefert im Test eher durchschnittliche Ergebnisse und ist sicher nicht das Prunkstück des Nexus 4. Natürlich sind auch Full-HD-Videos möglich. Neu ist das Feature Photo Sphere, hier erstellt man auf einfache Weise aus mehreren Fotos 360-Grad-Panoramafotos, indem man einfach immer den nächsten Punkt anvisiert. Das Ergebnis überzeugt nicht immer, es gibt Verzerrungen und unsaubere Übergänge.

Das kann Jelly Bean

Wie gewohnt liefert Google auf seinen Geräten eine unbearbeitete Version der Software aus, hier hat also kein Hersteller seine eigene Oberfläche aufgesetzt. Ein weiterer Pluspunkt dieses Purismus: Google-Geräte werden bei einem Software-Update zuerst beliefert. Je nach Hersteller muss man als Smartphone-Besitzer Geduld haben, bis die angepasste Android-Version für das Update bereit ist. Auf dem Startscreen befindet sich bereits ein Ordner mit Google-Diensten wie Gmail oder Google Maps. Der Standard-Browser ist Chrome.

Android 4.2 läuft auf dem Nexus 4 sehr schnell und flüssig – kein Ruckeln beim Scrolling oder anderen Effekten. Mit der neusten Version von Google Now erhält man alle möglichen Informationen aus der aktuellen Umgebung.

Neu ist schliesslich das Gesture Typing: Anstatt jeden Buchstaben einzeln anzutippen, wischt man nur noch über die Tastatur, um Wörter einzugeben. Das klappt nach ein wenig Übung ganz ordentlich, ist aber keine Funktion, die unverzichtbar wäre. Die Möglichkeit, ab Android 4.2 mehrfache Accounts auf einem Gerät anlegen zu können, gilt offenbar vorerst nur für Tablets. Hinzu kommen neben vielen weiteren Verbesserungen auch die bereits erwähnten Kamerafunktionen.

Fazit

Google und LG liefern mit dem Nexus 4 ein starkes Smartphone ab. Das grosse Display bietet eine hohe Auflösung und liefert ein glasklares Bild mit natürlichen Farben. Das Smartphone läuft in allen Belangen sehr flott und bietet zudem die neuste Android-Version.

Auch das Design ist schick. Als Minuspunkte sind der nicht erweiterbare Speicher (unbedingt 16-GB-Variante wählen), der nicht auswechselbare Akku und die Fotoqualität zu erwähnen. Des Weiteren muss man auf LTE verzichten. Im Lieferumfang fehlt zudem ein Headset, was heute eigentlich fast schon zur Standardausstattung zählt.

Das Nexus 4 wurde uns von Digitec.ch zur Verfügung gestellt. Der Fachhändler bietet das Smartphone seit Mitte Dezember an (Preis ohne Abo: 499 Franken).

Erstellt: 30.12.2012, 17:52 Uhr

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