Handys können Tinnitus auslösen

Wissenschafter sehen einen Zusammenhang zwischen häufigem Handytelefonieren und Ohrgeräuschen: Wer mehr als vier Jahre regelmässig mit dem Mobile telefoniert, verdoppelt sein Tinnitus-Risiko.

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Laut der Schweizerischen Tinnitus-Liga leiden etwa vier Prozent aller Erwachsenen an einem Tinnitus. Darunter versteht man die konstante oder immer wiederkehrende subjektive Wahrnehmung eines Pfeifens, Rauschens oder Klingelns – Geräusche, die von aussen nicht wahrnehmbar sind.

Tinnitus kann laut dem Gesundheitsportal «Medizinarium» viele Ursachen haben: Hörbeeinträchtigungen, Lärmschäden, Morbus Menière (Drehschwindel) und andere organische Erkrankungen wie beispielsweise Probleme mit der Halswirbelsäule oder im Zahn-Kiefer-Bereich. Und – das ist eine neue Erkenntnis – offenbar auch häufiges Telefonieren mit Handys.

Zusammenhang schon länger vermutet

Wissenschafter der Universität Wien haben nämlich herausgefunden, dass diejenigen, die über einen Zeitraum von über vier Jahren regelmässig mit mobilen Geräten telefonieren, ihr Tinnitus-Risiko verdoppeln. Die Studie wurde im Fachmagazin «Occupational an Environmental Medicine» publiziert.

Laut Studienleiter Hans-Peter Hutter haben Menschen, die ihr Handy häufig gebrauchen, eine 37 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an einem Tinnitus zu erkranken. Dauerten die Gespräche jeweils länger als 10 Minuten, stieg die Erkrankungsrate sogar um 71 Prozent.

Ein Zusammenhang zwischen den unangenehmen Ohrgeräuschen und der Nutzung von mobilen Telefonen wurde schon länger vermutet. Denn die Zahl der Tinnitusfälle nimmt seit der massenhaften Verbreitung von Mobiltelefonen in den letzten 15 Jahren in den Industrienationen zu.

Was die Mediziner empfehlen

Andere Ursachen als Handygespräche können laut Hutter ausgeschlossen werden: «Wir gingen hier sehr sorgfältig vor, damit alle üblichen Ursachen für eine etwaige Entwicklung von Tinnitus ausgeschlossen werden konnten, wie zum Beispiel Lärmereignisse etwa durch zu lautes Musikhören», wird der Experte in der österreichischen Zeitung «Der Standard» zitiert.

Die Mediziner fordern nach der Fall-Kontroll-Studie mit 200 Probanden, dass die Handynutzung in Zukunft als ein potentieller Risikofaktor für die Erkrankung berücksichtigt werden sollte. Sie raten Tinnituspatienten, weniger oder gar nicht mit Handys zu telefonieren. (rek)

Erstellt: 20.07.2010, 15:33 Uhr

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