Hintergrund

Hausdurchsuchung nach Handy-Diebstahl

Ist die Ortungsfunktion aktiviert, kann die Polizei bei Smartphone-Dieben ermitteln. Das zeigen Fälle in den Kantonen Aargau und Zürich.

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Kommt das Smartphone abhanden, kann der Besitzer den Standort am Computer dank zuvor aktivierter Software ermitteln. Auf dem iPhone gibt es hierfür zum Beispiel die Applikation «Mein iPhone suchen». Möglich macht es die GPS-Technologie.

Diese Funktion half der Kantonspolizei im Kanton Aargau auch, den Dieb eines Mobiltelefons zu orten. Die Spur führte in eine Asylunterkunft in Strengelbach, heisst es in der Medienmitteilung vom 15. August. «Wie es bei heutigen Smartphones möglich ist, konnte die Bestohlene den Standort des Gerätes orten», so die Polizei. Sie erstattete Anzeige und die Polizisten rückten in die Unterkunft aus, wo sie den Dieb stellten.

Dies ist kein Einzelfall, wie Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigen: Auch die Kantonspolizei Zürich profitiert von der Suchfunktion, die via GPS den Standort des Gerätes ortet: «Wir haben dank der Ortung schon Diebstähle unter anderem von Smartphones aufgeklärt», sagt Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Auch Notebooks habe man auf diese Weise schon geortet.

Mit Laptop oder Kartenausschnitt auf dem Polizeiposten

Die Opfer bringen manchmal sogar Hardware mit, wenn sie auf den Polizeiposten kommen, um Anzeige zu erstatten: «Es kommt durchaus vor, dass sie gleich mit dem Laptop in der Hand oder mit Kartenausschnitten oder Bildschirmfotos der Ortungsprogramme auf dem Polizeiposten erscheinen, um uns auf den Standort des Smartphones aufmerksam zu machen», sagt Besson. Bei der Anzeige eines Diebstahls nehme man die Ermittlungen unverzüglich auf. «Sind die GPS-Angaben sehr konkret und wir sehen beispielsweise auf der Karte, wie sich der Dieb fortbewegt, handeln wir sofort. In Absprache mit dem Staatsanwalt sind dann auch Hausdurchsuchungen möglich.»

Die Ermittlungsarbeit werde natürlich erschwert, wenn der Punkt auf ein Mehrfamilienhaus zeige. «Aber auch in diesen Fällen treffen wir Abklärungen, auf die wir aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht näher eingehen können.»

Nicht auf eigene Faust handeln, sondern Anzeige erstatten

Bei Diebstählen solle man auf keinen Fall selber etwas unternehmen und versuchen, den mutmasslichen Dieb zu stellen, sagt Besson. Man wisse nie, mit wem man es zu tun habe. Er warnt auch davor, den Diebstahl auf sozialen Netzwerken publik zu machen. «Das kann unter Umständen ein rechtliches Nachspiel haben, wenn durch den Aufruf eine falsche Person ins Fadenkreuz gerät.»

Besson empfiehlt den Betroffenen, den Diebstahl in jedem Fall anzuzeigen. Erst dann kann die Polizei auch aktiv werden. Wichtig sei, dass man der Polizei die Seriennummer des Geräts (IMEI-Nummer) nennen könne, die man auf dem Verkaufsbeleg oder der Verpackung findet. So sei es möglich, das Smartphone bei späteren Festnahmen eines mutmasslichen Täters einer Straftat zuzuordnen.

Skeptischer sieht man die Ortungsfunktion bei der Stadtpolizei Zürich. An sich eine gute Idee, sagt Mediensprecher Adrian Feubli, die aber in der polizeilichen Arbeit nur selten weiterhelfe. «Denn zeigt die Positionsanzeige beispielsweise auf eine Wohnüberbauung, ist die Zahl der möglichen Tatverdächtigen zu gross», sagt Feubli. Man könne in solchen Fällen nicht die ganze Überbauung durchsuchen. «Wenn sich nach der Diebstahlanzeige jedoch Hinweise ergeben, dass mit dem Telefon weitere Delikte begangen werden, also zum Beispiel damit Pornografie ins Internet hochgeladen wird, dann stehen uns mehr Ermittlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei einem einfachen Diebstahl hingegen sind die Möglichkeiten beschränkt.»

Daten aus der Ferne löschen: «Betroffenen vielfach wichtiger»

Auch Feubli rät wie sein Kollege von der Kantonspolizei Zürich Betroffenen, nach Diebstählen nicht selber Nachforschungen anzustellen und den Diebstahl in jedem Fall anzuzeigen. Der Bestohlene habe indessen auch die Möglichkeit, mit dem Ortungsprogramm die gespeicherten Daten auf dem Telefon aus der Ferne zu löschen. «Dann kann das Telefon zwar nicht mehr geortet werden, dafür hat die Täterschaft keinen Zugriff auf persönliche, sensible Daten des Opfers. Das ist den Bestohlenen vielfach wichtiger», sagt Feubli.

Erstellt: 16.08.2012, 11:44 Uhr

Tipps gegen den Verlust-Frust

Vorsicht mit der Notizzettel-Funktion: Speichern Sie keine Passwörter oder sonstige sensible Informationen im Notizzettel des Smartphones.

SIM-Karte sperren: Notieren Sie sich für den Verlustfall folgende Angaben, um die SIM-Karte zu sperren: Notfall-Hotline des Providers, eigene Handynummer, SIM-Kartennummer (befindet sich auf der Karte) und IMEI-Code.

Immer ausloggen: Loggen Sie sich bei Apps oder Websites immer aus. Bei der Facebook-App fürs iPhone beispielsweise bleiben Sie nach dem erstmaligen Anmelden eingeloggt.

IMEI-Nummer notieren: Diese 15-stellige Seriennummer ist für jedes Handy einzigartig. Sollte das Gerät gefunden werden, kann es zugeordnet werden. Die Nummer finden Sie beim iPhone beispielsweise über Einstellungen und Info. Sie können über die Tastatur bei jedem Gerät auch die Kombination «*#06#» eintippen, um sich den Code anzeigen zu lassen.

Code-Sperre aktivieren: Mit dem Code schützen Sie das Smartphone. Zusätzlich Timeout einstellen, so dass der Bildschirm zum Beispiel nach einer Minute automatisch gesperrt wird. So verhindern Sie auch, dass jemand unbemerkt Software installieren kann.

Löschfunktion aktivieren: Aktivieren Sie das sogenannte Wiping der Dateien - bei zehnmaliger falscher Eingabe des Passwortes werden dann die Daten gelöscht.

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Die Kantonspolizei Zürich will wegen Personalmangels mehr moderne Technik einsetzen. So haben alle Polizistinnen und Polizisten an der Front ein Smartphone erhalten. Ausserdem ist ein virtueller Schalter geplant, über den die Bevölkerung Anzeigen einreichen kann. Über die neuen Smartphones können die Mitarbeitenden mit wichtigen Informationen versorgt werden, etwa mit Fahndungsbildern oder Infos zu Einsatzorten, sagte Thomas Würgler, Kommandant der Kantonspolizei Zürich und Präsident der kantonalen Polizeikommandanten-Konferenz, in einem Vorabdruck des «Beobachters» vom Mittwoch.

Die Einsatzkräfte haben über die neuen Geräte auch Zugriff auf das Autokennzeichenregister. Ausserdem ersetzt eine der Applikationen das Pager-System, mit dem die Polizistinnen und Polizisten bislang zu Einsätzen aufgeboten wurden. Derzeit werden weitere Applikationen entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Kantonspolizei zugeschnitten sind, wie es in dem Interview weiter heisst.

Noch in diesem Jahr sollen Tablets und Laptops eingeführt werden, damit die Polizisten ihre Rapporte direkt eingeben können. Bislang müssen sie diese draussen von Hand schreiben und danach im Büro abtippen.

Gemeinsam mit der Kantonspolizei Bern arbeiten die Zürcher an einem «virtuellen Polizeischalter». Damit kann die Bevölkerung Anzeigen via Internet einreichen, die dann direkt weiterverarbeitet werden. Dieses Vorhaben ist Teil des schweizweiten Projekts zur Harmonisierung der Polizeiinformatik. (SDA)

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