Hereinspaziert ins Kloster Disentis

Mit Roche-Präsident Chris­toph Franz oder Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz durch die Bruderschaft. App Hora Benedicti machts möglich.

Benedikt von Nursia (480–547). Fresko aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Wikipedia

Benedikt von Nursia (480–547). Fresko aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Wikipedia

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Ab sofort kann jeder, der will, täglich am Leben der Benediktinermönche teilnehmen – über die neue App Hora Benedicti. Sie bringt die tagesaktuellen Kapitel der Benediktsregel auf das Smartphone. Die Regel enthält die Weisungen des Einsiedlers und Ordensgründers Benedikt von Nursia (480–547), wie sie seit 1500 Jahren in allen Benediktinerklöstern Tag für Tag gelesen und ausgelegt werden. Die Ordensgemeinschaften folgen dabei einem Leseplan mit 73 Abschnitten. Das Kloster Disentis lanciert die App aus Anlass seines 1400-Jahr-Jubiläums und gewährt Aussenstehenden damit einen Blick ins Innenleben der benediktinischen Gemeinschaften.

Das Kloster lässt die täglichen Abschnitte durch bekannte Persönlichkeiten und Meinungsführer aus Wirtschaft, Politik und Kultur kommentieren. Zu den Kommentatoren gehören etwa Roche-Verwaltungsratspräsident Chris­toph Franz, Raiffeisen-CEO , Schriftsteller Iso Camartin oder CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Mit von der Partie sind auch der oberste Benediktiner Abt Notker Wolf und natürlich Mönche des Klosters Disentis.

Inspirationsquelle für alle

Für Bruno Hensler, Rektor der Klosterschule Disentis, ist die Benediktsregel mit ihrer ungeheuren Wirkungsgeschichte nicht nur im klösterlich-monastischen Bereich anwendbar, sondern genauso in der alltäglichen und profanen Welt. Obwohl 1500 Jahre alt, sei die Regel topaktuell. Geht es nach dem Kloster Disentis, soll die Regel zur Inspirationsquelle für alle werden, die für sich und andere Verantwortung übernehmen – ob im Privaten oder im Beruf. Die Abschnitte der Regel mit den Kommentaren gäben Anregungen für das Handeln und Reflektieren der eigenen Entscheidungen. Die App ist werbefrei und kostet vier Franken. Sie verzichtet auf die Weitergabe von Nutzerdaten und ebenso auf Töne.

Letzte Woche wurde in allen Benediktinerklöstern beispielsweise Kapitel 23 der Regel vorgelesen. Dabei geht es um das «Vorgehen bei Verfehlungen». Das Kapitel handelt vom Umgang mit Mönchen, die durch Ungehorsam, Hochmut oder Murren gegen die Regel und die Vorgesetzten aufbegehren. Auf der App legt Vigeli Monn, Abt des Klosters Disentis, den Abschnitt aus: Gehorsam sei für einen Mönch das schwierigste unter den Gelübden. Schliesslich habe dieser das Menschliche nicht einfach vor der Klosterpforte abgelegt. Monn lobt Benedikts Pädagogik für aufbegehrende Mönche, die in vier Stufen der Zurechtweisung verläuft: Mahnung unter vier Augen, offizielle Zurechtweisung, Ausschluss bis hin zur körperlichen Strafe. Für Monn ist das «keine völlig falsche Pädagogik». Schliesslich gehe es ihr nicht um Macht. Sondern sie diene vielmehr der Liebe und dem Heil der Brüder.

www.kloster-disentis.ch/app-ios-store (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2014, 06:49 Uhr

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