Meilenstein auf dem Weg zur Apple-Brille

Wer weiss schon, was Augmented Reality ist? Der iPhone-Konzern wird das in den nächsten Monaten ändern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Apple hat ein Talent, Technologie massentauglich zu machen. Ein Nebeneffekt dieses Talents ist es, dass Apple damit auch – wenigstens in der öffentlichen Wahrnehmung – zum Erfinder dieser Technologien wird. Stichwort: Smartphone, Multitouch, Tablet, Live-Fotos, Fingerabdrucksensor, Smartwatch usw. Besser als jede Liste bringt das jedoch dieser Cartoon von 2012 auf den Punkt.

Aktuell lässt sich dasselbe Phänomen auch wieder beobachten. An der eigenen Entwicklerkonferenz im Juni hat Apple ARKit vorgestellt. Dabei handelt es sich um Erleichterungen für Entwickler, die Augmented Reality in ihren Apps nutzen wollen.

Kurze Erklärung: Augmented Reality (AR) ist die Schwester von Virtual Reality (VR). Während man bei VR mit einer abgeschlossenen Brille in völlig digitale Welten abtaucht, verbindet AR die reale mit der digitalen Welt. Daher kommt auch der Name «Aufgewertete Realität». Google Glass, «Pokémon Go» oder Microsofts Hololens sind erste Wegbereiter dieser Technologie.

Noch nicht massentauglich

Massentauglich ist AR aber aus mancherlei Gründen noch nicht. Es fehlt an preiswerter und alltagstauglicher Hardware. Die Google-Brille gibt es nicht mehr, und Microsofts Brille kostet 3000 Franken. Ebenfalls fehlt es an alltagstauglichen Anwendungen und Apps. Microsoft zeigt zwar gerne Business-Anwendungen für die Hologram-Brille, doch für Privatpersonen ist das alles eine Nummer zu gross.

Dass es auch einfacher geht, hat «Pokémon Go» gezeigt. Die App nutzte Handykameras und -bildschirme, um Pokémon in der realen Welt zu platzieren.

Ikea und Lego sind dabei

Genau da setzt nun auch Apple mit ARKit an. Eine Reihe von Schnittstellen erlaubt es Entwicklern, einfach AR-Apps für iPhones und iPads zu entwickeln. Ikea, Lego und das Team hinter «Pokémon Go» seien schon dran, versprach Apple Anfang Juni.

Doch nun können alle Entwickler die Funktionen nutzen, und wenn man sich im Netz umsieht, tauchen täglich neue Apps und Experimente auf, die zeigen, wie viel Potenzial in dieser neuen Technologie steckt und dass sie gar nicht so abstrakt ist, wie man vielleicht denken könnte.

Eine schöne Sammlung gibt es hier auf Twitter. Wir haben die spannendsten Beispiele zusammengetragen:

Die Beispiele reichen von nützlichen Tools über lehrreiche Animationen bis hin zu Spielen.

Beeindruckender als die einzelnen Experimente und Ideen der Entwickler ist aber die Qualität, die allen gemeinsam ist. Zur Erinnerung: Anders als Google (Projekt Tango) oder Microsoft (Hololens) nutzt Apple keine spezielle Hardware, sondern nur iPhones und iPads.

Da ruckelt nichts

Erste eigene Versuche mit ARKit decken sich mit diesen Experimenten. Auch wenn man an der offiziellen Vorführung an der Entwicklerkonferenz das Tablet schüttelte oder drehte, blieben die AR-Objekte an Ort und Stelle stehen. Ich sah kein Zittern oder Ruckeln.

Dass Apple nun auf Millionen von bereits verkauften Geräten AR ermöglicht, macht ARKit für Entwickler so interessant. Darum darf es auch nicht überraschen, wenn es in ein paar Jahren heisst, Apple habe Augmented Reality erfunden oder wenigstens alltagstauglich gemacht.

Erfinder neuer Technologien mögen sich darüber ärgern, dass ihnen Apple die Show stiehlt. Doch als Nutzerinnen und Nutzer kann es uns herzlich egal sein. Hauptsache, Technologie wird einfacher zu bedienen und bietet nützliche neue Möglichkeiten.

Augmented Reality mag noch einen langen Weg vor sich haben. Doch ARKit schickt sich an, ein Meilenstein zu werden. Die nächsten werden dann spezielle Kameras und schliesslich Brillen sein. Doch da muss man sich noch ein paar Jahre gedulden, bis die Technologie klein genug ist, um sie in tragbare Brillen zu stecken.

Erstellt: 06.07.2017, 16:53 Uhr

Artikel zum Thema

Sechs Highlights des Apple-Events

Gestern hat Apple neue Software und neue Geräte vorgestellt. Das muss man darüber wissen. Mehr...

Das neue iPad Pro 10,5 im Alltagstest

Grösserer Bildschirm, mehr Leistung: Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat das neue Apple-Tablet eine Woche lang ausprobiert. Mehr...

Apple veröffentlicht Vorab-Version von iOS 11 – das müssen Sie wissen

Wer nicht bis im Herbst warten mag, kann das nächste iOS ab jetzt auf dem iPhone oder iPad ausprobieren. Ganz risikofrei ist das aber nicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Diese Farben geben den guten Ton an

Never Mind the Markets Das griechische Zinswunder

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...