Neue iPhones, und sonst?

Heute stellt Apple neue Geräte vor. Wichtiger als das neuste Smartphone dürfte das Drumherum werden.

Bekommt heute einen Nachfolger: Das iPhone XS.

Bekommt heute einen Nachfolger: Das iPhone XS. Bild: Reuters

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Das iPhone ist nach wie vor das wichtigste Gerät von und für Apple. Rund eine Milliarde iPhones sind weltweit im Einsatz, und nicht zuletzt hat das berühmteste Smartphone Apple unglaublich reich gemacht.

Doch seit Smartphones ein Leistungsplateau erreicht haben (zum Artikel), zeichnet sich ab, dass Kunden ihre Geräte länger behalten und nicht alle zwei Jahre ein neues wollen. Diesem Trend kann sich auch Apple nicht entgegenstemmen. Doch sie werden es heute Abend versuchen.

Wie sie das anstellen, wird mit Spannung erwartet. Während andere Hersteller es mit faltbaren Handys (noch immer nicht auf dem Markt) und 5G (kaum Antennen) versuchen, wird es Apple heute voraussichtlich ruhiger angehen lassen. 5G bekommen iPhones wohl erst nächstes Jahr und biegbare Bildschirme vermutlich noch später – wenn überhaupt.

Für uns Kunden ist das zu verschmerzen, ja sogar vernünftig, da beide Technologien offensichtlich noch in den Kinderschuhen stecken. Doch für die Marketingabteilung ist das ein Graus. Sie wird sich seit über einem Jahr den Kopf darüber zerbrechen, wie und mit welchen Funktionen sie ein Handy an die Frau und den Mann bringen will, das praktisch gleich aussieht wie die zwei Vorgängermodelle und ohne die schlagzeilenträchtigsten Neuerungen des Jahres auskommt.

Die Kamera solls richten

Erste Gerüchte und Baupläne lassen vermuten, dass es Apple vor allem mit der Kamera versuchen wird. Die Nachfolger des iPhone XS und XS Max sollen demnach drei Kameras bekommen. Der Nachfolger des XR zwei. Also jede Modellreihe eine Kamera mehr.

Doch einfach nur mehr Kameras einzubauen, kann nicht die Lösung sein. Das haben andere Hersteller schliesslich schon länger. Setzt Apple wirklich auf die Kamera, werden sie auf der Software-Seite ansetzen müssen.

Gelingt es dem Konzern, die drei Kameras so zu einer deutlich besseren und vor allem intuitiven Kamera zu verbinden, dürfte das nicht nur der Marketing-Abteilung gefallen. Denn aktuell leiden viele der besten Kamerahandys darunter, dass sie zwar unglaublich viel können, aber dadurch auch immer komplizierter geworden sind.

Zwei Sicherheitspatzer

Spannender als die neuen iPhones wird aber das Drumherum. Da ist zum einen die Sicherheitslage. Da hat Apple die letzten Jahre laut für die hohen und löblichen Sicherheits- und Privatsphären-Standards geworben.

Doch gleich zwei Ereignisse der letzten Monate haben dem guten Ruf einen heftigen Lackschaden beschert: Erst musste Apple zugeben, dass ein Teil der Siri-Konversationen von Mitarbeitern einer externen Firma abgehört und ausgewertet wird. Apple hat die Praxis inzwischen vorübergehend eingestellt und will sie künftig mit eigenen Mitarbeitern wiederaufnehmen und Nutzerinnen und Nutzern die Wahl lassen, ob sie an dem Programm mitmachen wollen.

Beim zweiten Fall geht es um eine Sicherheitslücke bei iPhones, die Googles Sicherheits-Team kürzlich publik gemacht hat. Mit einer speziell präparierten Website war es möglich, in iPhones einzudringen. Apple hat die Sicherheitslücke längst geschlossen, dennoch hat der Konzern vergangenen Freitag Google in einem Statement scharf kritisiert, dass die Sicherheitsprofis die Sicherheitslücke, ein halbes Jahr nachdem sie geschlossen wurde, öffentlich gemacht haben.

Unabhängig davon, ob die Google-Forscher überdramatisiert haben (Apples Interpretation) oder nicht, wirkt das Statement unnötig dünnhäutig und dürfte das angeschlagene Sicherheits-Image kaum reparieren.

Doch da trifft es sich gut, dass Tim Cook und Co. heute die Weltöffentlichkeit bei sich zu Besuch haben. Es gibt keine bessere Gelegenheit, um das in den letzten Monaten unnötig verspielte Vertrauen wieder zurückzugewinnen, mit Ankündigungen und Versprechen rund um Sicherheit und Privatsphäre.

Viele neue Gadgets

Sollte sich Apple nicht zu den Sicherheitspatzern äussern wollen, kann der Konzern immer noch mit neuen Geräten die Diskussion in eine andere Richtung lenken. Nebst neuen iPhones erwartet die Gerüchteküche neue Apple Watches, vielleicht neue Kopfhörer, eine neue Apple-TV-Box und vielleicht sogar kleine Anhänger/Knöpfe, die man an Gegenstände anbringen kann, um sie danach leichter wiederzufinden.

Bereits letztes Jahr gelang es Apple, mit einer rundum neuen Apple Watch von den wenig spektakulären Verbesserungen für das iPhone abzulenken. Da die Uhr für Apple auch eine immer zentralere Rolle spielt, darf man gespannt sein, welchen Stellenwert die Smartwatch an der heutigen Präsentation bekommt. Firmenintern ist die Uhr ein Technologietreiber. Doch gegen aussen ist Apple immer noch ziemlich zurückhaltend, was die Uhr angeht. Ob sich das heute ändert?

Weniger wahrscheinlich sind neue iPads oder Mac-Computer. Die dürfte sich der Konzern, wie im Vorjahr, für eine zweite Veranstaltung aufsparen. Dafür wäre es höchste Zeit, dass Apple Startdatum und Preise der neuen TV- und Gaming-Abos verrät.

Im März hat Apple die neuen Abo-Dienste bereits vorgestellt, aber viele Details im Unklaren gelassen. Gerade ein grosses Apple-Sammel-Abo mit Video, Audio, Spielen, Speicher usw. hätte das Potenzial, der verzettelten Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen.

Los geht die Veranstaltung heute um 19 Uhr. Wir berichten live mit einem Ticker. Falls Sie sich fürs Drumherum interessieren oder eine Frage haben, erreichen Sie unseren Experten auf Twitter und Telegram:

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Erstellt: 10.09.2019, 07:39 Uhr

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