Nie mehr einen Wein vergessen

Weingeniesser verlieren manchmal selbst im eigenen Keller den Überblick. Diese Apps schaffen Abhilfe.

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Eine Flasche, ein Glas und einen Korkenzieher. Mehr braucht es nicht, um einen Wein zu geniessen. Aber natürlich gibt es noch unzählige weitere Utensilien, die den Genuss zusätzlich zu fördern versprechen. Spezielle Karaffen, Thermometer, Einschenkhilfen und natürlich Ratgeber ohne Ende. Und das sind nur die Utensilien der analogen Weinwelt.

Denn genauso wie in jedem anderen Lebensbereich gibt es auch beim Wein eine digitale Gegenwelt. Zahlreiche Apps versprechen den Weingenuss zu steigern. Manche können das auch tatsächlich.

Natürlich ist es nicht möglich, einen Rioja oder einen Ripasso mit einer App zu verbessern. Aber das Drumherum, das gerade beim Wein eine grosse Rolle spielt, lässt sich mit digitaler Hilfe durchaus optimieren und übersichtlicher gestalten. Ist doch für viele Menschen der Weinkauf, ob im Fachgeschäft, im Restaurant oder im Supermarkt, immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Kein Wunder, orientieren sich viele Konsumenten bei der erschlagenden Auswahl an Sorten statt am Wein lieber am Preis.

Doch das muss nicht sein. Mit einem Weintagebuch, in das man getrunkene Weine notiert, bekommt man schnell einen Überblick über die eigenen Erfahrungen. Mit der Digitalisierung und der Verbreitung von Smartphones ist diese Methode nur noch einfacher geworden.

Fotos gegen das Vergessen

In Restaurants lässt sich häufig beobachten, wie Gäste die Etikette einer Wein­flasche fotografieren, um sich später an den Wein zu erinnern. Eigentlich eine schlaue Methode. Wenn man dann aber den gesuchten Wein irgendwo in den Ferienfotos suchen muss, wird es schnell unübersichtlich.

Hier helfen Weinscanner-Apps wie ­Vivino (kostenlos für iOS und Android). Möchte man sich an einen Wein erinnern, macht man mit der App ein Foto der Etikette. Die restliche Arbeit übernimmt die Software. Sie analysiert das Bild und sucht in einer Datenbank nach dem entsprechenden Wein. So bekommt man automatisch ein übersichtliches Weintagebuch.

Doch diese Apps können noch mehr. Ist ein Wein gefunden, werden automatisch Bewertungen von anderen Nutzern und zusätzliche Infos eingeblendet. So kann man nachlesen, aus welchen ­Trauben der Wein gemacht wurde, wie er anderen Nutzern geschmeckt hat und wo man ihn kaufen kann. Wer will, kann eigene Bewertungen und Notizen ein­geben oder Infos neu entdeckter Weine an Freunde verschicken.

Im Test klappte das Scannen sehr zuverlässig. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen oder vom Smartphone-Blitz überblendete Etiketten konnte Vivino – eine halbwegs gute Internetverbindung vorausgesetzt – die Flasche schnell und problemlos identifizieren. Für den Fall, dass man einmal keine Internetverbindung hat, wird das Foto zwischengespeichert, sodass der «Wein» nicht verloren geht und später gesucht werden kann. Und gibt es doch einmal einen Wein, der nicht erkannt wird, kann man ihn selbst in die Datenbank eintragen.

Nebst den Weinscannern findet man in den App Stores, wie in Buchhandlungen auch, zahlreiche Ratgeber und Jahrgangstabellen. Ob solche Apps hilfreich sind, ist Geschmackssache. Nicht jeder Ratgeber passt schliesslich zu jedem Gaumen.

Mit dem Tablet in den Keller

Spannender ist da eine andere Gruppe von Apps. Mit Vinocellar (10 Franken für iOS) und ähnlichen Programmen kann man nicht nur ein Weintagebuch mit Notizen erstellen, man kann vor allem seinen Weinkeller mit dem Tablet oder Smartphone verwalten. So muss man nicht mehr erst in den Keller, um zu sehen, dass der eigene Lieblingswein ausgegangen ist.

Dazu ist allerdings einiges an Handarbeit und Disziplin nötig. Automatisch merkt ein Tablet noch nicht, ob eine Flasche weggetrunken wurde. Man kann einen regnerischen Sonntag aber wirklich unsinniger verbringen, als mit dem Tablet die eigenen Weine und ­Erfahrungen zu katalogisieren.

Wer seinen Weinkeller schon in einer Excel-Tabelle erfasst hat, kann diese in die App importieren. Nebst dem intuitiven Vinocellar gibt es auch zahlreiche Alternativen. Der zuvor erwähnte Weinscanner Vivino etwa bietet gegen einen Aufpreis (5 Franken für iOS und Android) ebenfalls Hilfe bei der Weinkellerverwaltung an.

Erstellt: 14.10.2013, 10:42 Uhr

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Sich zur virtuellen Bierrunde treffen

«Einfach gelobt sei der Wein, doppelt gelobt das Bier», soll der walisische Dichter John Owen gesagt haben. Wie auch immer die Präferenzen liegen – auch die Freunde des Gerstensafts können ihre Vorlieben mittlerweile in einer Onlinegemeinschaft ausleben.

Um der Untappd-Community beizutreten, besorgt man sich die App für iOS, Android, Blackberry und Windows Phone unter https://untappd.com/. Sie ist in den erfrischenden Farben Gelb und Weiss gehalten und empfiehlt einem gleich beim Start, sozial und sozial verträglich zu trinken. Über eine Verbindung zu Facebook und Twitter findet die App die Biertrinker aus diesen Freundeskreisen und zeigt in der «Activity»-Liste, welches Gebräu sie jüngst zu sich genommen haben.

Um seine eigenen Aktivitäten zu dokumentieren, tätigt man nach dem Genuss ein sogenanntes Check-in: Der Konsum wird offiziell festgehalten und mit einer Note zwischen 0,5 und 5 Sternen bewertet. Selbstverständlich darf man, wenn man will, ein Foto zum Check-in hinzu­fügen.

Über das Symbol mit den zwei klirrenden Bierflaschen verwaltet man seinen eigenen Trinkverlauf und erhält anhand seiner Bewertungen Vorschläge, was einem denn munden könnte. Mir legt die Untappd-App nahe, es doch einmal mit einem Appenzeller Vollmondbier zu probieren.

Die mit einer Windrose gekennzeichnete Rubrik hilft einem bei Bildungsreisen in Sachen Bier: Sie verweist auf die lokalen Erzeugnisse, auf Bars in der Nähe und auch auf die Brauereien im Umkreis. Und es gibt eine globale Bierrangliste. In Führung liegen im Moment das Samuel Adams Octoberfest der Boston Beer Company und ein Ale namens Pumking. Kürbisbiere gehören zu den klassischen saisonalen Biersorten in Amerika und werden rechtzeitig zu ­Halloween gebraut.

Fazit: Wer Bier nicht nur trinkt, sondern geniesst und statt der üblichen Stange neue Geschmackserlebnisse gezielt sucht, ist bei Untappd gut aufge­hoben. Die Nutzerführung der App ist ­allerdings sehr verbesserungswürdig. (schü)

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