Patient Facebook

Persönliche Infos, die an Firmen weitergeben werden und fremde Mailadressen, die einfach ausspioniert werden können: Für Facebook ist Datenschutz Nebensache. Immerhin: Nicht alle Gegenmassnahmen sind nutzlos.

Genialer Tüftler, aber völlig desinteressiert, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Genialer Tüftler, aber völlig desinteressiert, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Bild: AFP

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Facebook, das weltgrösste soziale Netzwerk, kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Jüngster Vorfall: Viele Facebook-Anwendungen spionieren Nutzerdaten aus und werden an Werbe- oder Datensammelfirmen weitergeleitet. Ein entsprechender Bericht des «Wall Street Journal» wurde mittlerweile vom Unternehmen bestätigt.

Fast gleichzeitig berichtete die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung», dass Facebook E-Mail-Kontakte von Menschen herausfinden könne, die beim Portal gar nicht angemeldet sind. Wer bei der Anmeldung bei Facebook irgendeine ihm bekannte E-Mail-Adresse eines Nicht-Mitglieds angebe, bekomme zahlreiche E-Mail-Adressen aus dessen Bekanntenkreis.

Die Handynummer muss geschützt werden

Ein Facebook-Sprecher hat inzwischen sofortige Gegenmassnahmen angekündigt. Nach Ansicht von Facebook-Programmierer Mike Vernal sind die Medienberichte über das Leck zudem «überzogen». «Die Entwickler haben die Weitergabe der Daten nicht beabsichtigt», schrieb er laut der Nachrichtenagentur AFP auf der Internetseite des Unternehmens. Schuld daran seien vielmehr falsche Einstellungen in Internet-Browsern.

Bereits vorgängig stellte das Netzwerk als Antwort auf die immer wieder aufflammende Diskussion um Datenschutz und Sicherheit verschärfte Identitätskontrollen in Aussicht. Die wichtigste Neuerung: Ein Passwort, das man nur ein Mal zum Anmelden brauchen kann und danach nutzlos wird.

Rik Ferguson, Senior Security Advisor bei Trend Micro, begrüsst die Einführung dieser Massnahme. Wolle sich beispielsweise ein Nutzer von einem weniger sicheren Computer – etwa in einem Café oder am Flughafen – bei seinem Facebook-Konto anmelden, so habe er nun eine Alternative zu seinem Standard-Kennwort. «Er kann bei Facebook über sein Handy ein solches Kennwort anfordern, und der Dienst sendet dann über eine SMS ein Passwort, das er ein Mal innerhalb der nächsten 20 Minuten nach Erhalt nutzen kann.»

Noch besser: Fernsteuerung fürs Abmelden

Laut Facebook wird der Dienst in den nächsten Wochen verfügbar. Voraussetzung für die Nutzung ist allerdings die Registrierung der Handy-Nummer im eigenen Konto. Und hier liegt für Ferguson der Hund begraben: «Die Mobilnummer sollte auf jeden Fall über eine Zugangs-PIN geschützt sein.» Andernfalls sei es für Unberechtigte einfach, über diese Nummer einen Text zu verschicken, der den sofortigen Zugriff auf das Facebook-Konto ermögliche.

Vorbehaltlos begrüsst Ferguson aber die Möglichkeit, zu sehen, welche Computer an welchem Ort im eigenen Facebook-Konto angemeldet sind. Habe zum Beispiel ein Nutzer vergessen, den Computer am Flughafen aus dem eigenen Konto abzumelden, so könne er dies nun aus der Ferne nachholen und so verhindern, dass jemand unautorisiert auf sein Konto zugreife. (rek)

Erstellt: 19.10.2010, 21:33 Uhr

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