Rechtsklick und lebendige Fotos: Der erste Eindruck vom iPhone 6S

Heute kommt das neue Apple-Smartphone in den Handel. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat es ausprobiert.

Von aussen sieht man nichts: Die Neuerungen verbergen sich im Inneren des neuen iPhone.

Von aussen sieht man nichts: Die Neuerungen verbergen sich im Inneren des neuen iPhone. Bild: Keystone

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Nach ein, zwei Tagen kann man noch nichts Abschliessendes zu einem neuen Telefon sagen. Wirklich fertig ist ein neues Smartphone mit neuen Funktionen in der Regel nach einem halben Jahr. Dann nämlich, wenn die Entwickler ihre Apps angepasst haben, der Hersteller kleine oder grössere Korrekturen an der Software vorgenommen hat und man sich selbst an die Änderungen gewöhnt hat. Das war beim letzten iPhone so, und das wird beim neuen nicht anders sein.

Optisch merkt man kaum einen Unterschied zum Vorjahresmodell (ausser freilich bei der neuen Farbvariante Roségold). Das neue iPhone passt auch in die Hülle des alten. Einzig beim Gewicht merkt man, dass die neuen Telefone zugenommen haben. Ich persönlich mag es, wenn Smartphones etwas schwerer sind und damit wertiger wirken. Aber da gehen – auch bei uns auf der Redaktion – die Meinungen auseinander.

Auf den zweiten Blick

Auch die restlichen Neuerungen fallen nicht sofort auf. Dass bei den technischen Innereien vom Prozessor über die Kamera bis zum Fingerabdruckleser alles etwas besser geworden ist, ist man inzwischen gewohnt. Um den Unterschied wirklich zu merken, muss man schon ein fleissiger Gamer oder wie ich ein freudiger Fotograf sein.

Auch die zwei von Apple am lautesten angepriesenen Neuerungen fallen auf den ersten Blick nicht auf. Das trifft vor allem auf 3-D-Touch (bei der Apple Watch hiess das noch Force-Touch) zu. Der Touchscreen kann neu unterscheiden, wie fest man drückt. Wenn man App-Symbole wie üblich antippt, geht die App auf. Wenn man aber fester drückt, taucht ein Untermenü mit Abkürzungen auf, wie man es am Computer vom Rechtsklick kennt.

Ersatz für Zurück-Taste

In manchen Apps, etwa Instagram oder Safari, kann man mit festem Druck auch eine Vorschau aufrufen. Das kann praktisch sein, wenn man nicht weiss, ob man einen Artikel auf einem Newsportal auch wirklich lesen will. Erst drückt man fest drauf, dann erscheint eine Vorschau. Und wenn der Artikel spannend scheint, drückt man einfach noch fester, und der Artikel geht auf.

Gerade weil das iPhone keine einheitliche Zurück-Taste hat, kann diese Funktion einem ein bisschen helfen. Da 3-D-Touch aber noch ganz neu ist, wird es lange nicht von allen Apps unterstützt. Sprich, man drückt häufig ins Leere. Und ein wildes Vibrieren meldet, dass hier nichts zu holen ist. Das ist genauso demotivierend wie auf der Apple Watch. Kommt hinzu, dass man auch nicht sieht, wo fester drücken was bringt. Anders als bei der Apple-Smartwatch ist 3-D-Touch auf dem Handy aber nur eine Abkürzung. Wers nicht will, muss es auch nicht verwenden und merkt vielleicht nicht mal, dass es da ist.

Wie bei Harry Potter

Auch die zweite Neuerung bemerkt man – ausser man hat vorab schon Werbung dafür gesehen – wohl erst, wenn man die Fotogalerie öffnet. Mit jedem Foto, das man mit der neuen Kamera schiesst, zeichnet das iPhone vorher und nachher ein kurzes Filmchen auf. Wenn man dann in der Galerie durch seine Fotos wischt, bewegen sich die plötzlich wie die Wandbilder bei Harry Potter. Wenn man fest drauf drückt, spielt das iPhone das ganze Filmchen ab. Ganz so revolutionär wie von Apple angepriesen ist das freilich nicht. Da gab es bei anderen Herstellern schon ähnliche Versuche. Erinnert sich noch jemand an HTC Zoe von 2013?

Auf den Demo-Fotos von Apple sahen die lebendigen Fotos trotzdem toll aus. Die ersten eigenen Versuche können da nicht mithalten. Selbst Babyfotos – was kann man da schon falsch machen? – wirken, wenn man fest drauf drückt und das Video abgespielt wird, ruckelig und irgendwie unecht.

Munteres Durchwischen

Einzig beim Durchwischen durch die Fotos machen die kleinen Animationen einen guten Eindruck. Da kann es durchaus vorkommen, dass man lieber zwischen Fotos hin und her wischt, als eins zu öffnen. Die Filmchen zeigen einem aber auch, was für Schnappschüsse man verpasst hat: Ach, hätte ich doch nur einen Bruchteil einer Sekunde früher oder später auf den Auslöser gedrückt!

Aber auch an dieser Funktion wird Apple in den nächsten Wochen und Monaten noch schrauben. So ist bereits ein Update angekündigt, das die Kurzfilmchen kürzt, wenn jemand das Handy nach dem Foto gleich wieder in die Tasche steckt. Denn davon will nun wirklich niemand ein Video.

Was alle weiteren Eigenschaften des neuen iPhone angeht, gilt weiterhin, was für das Vorgängermodell schon galt: ein tolles Sorglos-Smartphone zu einem stolzen Preis (Das iPhone 6 im Test / Sieben Sachen, die 2014 richtig gut waren).

Noch ein Tipp zum Schluss: Gerade gestern kam eine Redaktionskollegin auf mich zu und meinte, sie sei ja sehr zufrieden mit ihrem iPhone 6, aber überlege sich, jetzt ein neues zu kaufen und das alte zu verkaufen. Denn bei ihrem aktuellen Gerät seien die 16 GB Speicherplatz ständig voll. Auch beim neusten iPhone verkauft Apple weiterhin eine 16-GB-Variante. Für ein Unternehmen, das sich rühmt, Kundenzufriedenheit über alles zu setzen, ist das knausrig. Das ist, als würde Porsche einen etwas günstigeren 911er mit extra kleinem Tank verkaufen.

Wer schon so ein teures Premium-Smartphone kauft, will das auch nutzen können. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber in ein, zwei Jahren, wenn man doch noch Freude am Fotografieren oder an 4K-Videos bekommen hat. Die 16-GB-Variante macht nur für Cloud-Profis und Wenignutzer Sinn. Letztere brauchen aber genauso wenig ein aktuelles iPhone wie ein Gelegenheitsautofahrer einen Porsche.

Erstellt: 09.10.2015, 07:37 Uhr

Die neuen Funktionen kurz vorgeführt.

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