Sechs Highlights des Apple-Events

Gestern hat Apple neue Software und neue Geräte vorgestellt. Das muss man darüber wissen.

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Neue iPads und neue Software:

Apple sparte sich die grösste Neuerung bis fast zum Schluss auf. Die ersten hundert Minuten der Präsentation ging es um den Mac, die Uhr und das iPhone. iPads waren keine zu sehen. Hat Apple das Tablet etwa vergessen? Von wegen! Zum einen gibt es ab nächster Woche neue Varianten des iPad Pro. Das grosse 12,9-Zoll Modell (ab 899 Franken) bekommt einen besseren Bildschirm und schnellere Innereien. Das Design bleibt aber unverändert. Das kleinere iPad Pro (ab 749 Franken) dagegen wurde komplett umgebaut. Der Bildschirm misst nun 10,5 Zoll und der Rand drum herum ist weniger geworden. Das Gerät ist minimal grösser und der Bildschirm ist deutlich grösser als beim Vorgänger. Auch hier kommt der nochmal verbesserte Bildschirm zum Einsatz. Einen Home-Knopf haben übrigens beide Tablets weiterhin. Insgesamt sind das alles nützliche und willkommene aber nicht bahnbrechende Verbesserungen.

Die wichtigere und grössere Änderung betrifft die Software. Mit iOS 11 wird das iPad vollends zum PC-Ersatz. Zum einen bekommt das Tablet eine App Namens Files/Dateien. Damit kann man alle auf dem Tablet oder in den Clouds (Ja, auch die von Google, Dropbox, Microsoft usw. werden unterstützt) gespeicherten Dateien verwalten – genauso wie beim Mac oder Windows-PC. Wie man es von Computern mit einer Maus kennt, kann man nun Dateien, Textpassagen oder Fotos einfach per «Drag & Drop» von einer App in die andere ziehen. Auch die Multitasking-Möglichkeiten wurden nochmals verbessert. So kann man nun noch leichter zwischen Apps wechseln und zwei Apps parallel auf dem Tablet-Bildschirm nutzen. Wer gerne den Apple-Stift nutzt, kann diesen in noch mehr Apps verwenden, da Apple die Funktion tiefer in der Software verankert hat. Erste Versuche mit iOS 11 auf dem neuen Tablet waren äusserst vielversprechend. Das entsprechende Update dürfte erfahrungsgemäss im September folgen. Doch schon jetzt kann man festhalten: Mit iOS 11 ist das iPad erwachsen geworden.

HomePod:

Mit dem iPod hat Apple den mp3-Spieler salonfähig gemacht. Nun versucht der Konzern, dasselbe für Musik im eigenen Zuhause zu wiederholen (Ein erster Versuch mit einem iPod-Lautsprecher-Dock wurde 2007 nach gerade mal anderthalb Jahren wieder eingestellt). Der an der WWDC vorgestellte Lautsprecher heisst HomePod und ist in etwa so gross wie ein Handball. Das Ziel sei es gewesen, den Komfort von Sonos-Multiroom-Lautsprechern mit der Nützlichkeit von Amazons smarten Alexa-Lautsprechern zu verbinden, erklärte Apples Marketing-Chef auf der Bühne. Das Ergebnis dieser Fusion ist ein eleganter und unauffälliger Lautsprecher. Apples Fokus auf Klangqualität dürfte eine kluge Entscheidung sein. Den HomePod in erster Linie als Lautsprecher und nur nebenher als Siri-Box zu verkaufen, dürfte sich auszahlen - ist doch der Markt für ersteres deutlich grösser. Zudem muss sich die grosse Mehrheit immer noch mit Sprachassistenten in der Stube anfreunden. Wann der Lautsprecher in die Schweiz kommt, ist noch unklar. Im Dezember soll er erst mal nur in den USA, Grossbritannien und Australien verkauft werden. Mit einem Preis von 349 Dollar pro Lautsprecher müssen Klang und Komfort auf jeden Fall stimmen.

iOS 11:

Das neue iOS bietet natürlich nicht nur zahlreiche Verbesserungen fürs iPad. Im neuen Betriebssystem stecken zahlreiche Verbesserungen und Neuheiten. Besonders auffällig ist die Möglichkeit, per Apple Pay und iMessage künftig Geld an Freunde zu schicken. Damit macht Apple den Banken nun auch in diesem Bereich Konkurrenz. Bei der Kamera-App ist es nun möglich, ein Foto zu retten, das man vermeintlich verpasst hat. Da die App, wenn sie geöffnet ist, konstant fotografiert, kann man nun in der Zeit zurück und den Moment festhalten, den man gerne erwischt aber knapp verpasst hat. Die Funktion ist sicher auch praktisch, wenn man bei einem Familienfoto den Moment erwischen möchte, an dem alle lachen und keiner blinzelt. Sehr alltagstauglich ist auch das neue Kontrollzentrum. Wenn man auf dem iPhone von unten nach oben wischt, erscheinen zahlreiche Einstellungen wie Flugmodus, Taschenlampe oder Bildschirmhelligkeit. Wischt man zur Seite erscheinen zwei zweitere solcher Kontrollpanele: eins für Musik und eins fürs vernetzte Zuhause mit WLAN-Glühbirnen und anderen Gadgets. Mit iOS 11 werden diese Einstellungen besser gebündelt und übersichtlicher. Neu gibt es auch einen Auto-Modus. Damit erkennt das iPhone automatisch, wenn man Auto fährt und deaktiviert alle Benachrichtigungen, die den Blick von der Strasse lenken könnten. Im Rahmen von iOS 11 wird schliesslich auch der Appstore komplett umgebaut. Ob einem das neue Design gefällt, ist freilich Geschmackssache. Ob der Store auch übersichtlicher wird, wird sich zeigen, wenn iOS 11 voraussichtlich im September als Gratis-Update bereit steht.

Neue Zifferblätter für die Apple Watch:

Nach dem grossen Update auf watchOS 3 im letzten Jahr, geht es heuer bei der Uhr wieder langsamer weiter. Apple zeigte verschiedene neue Zifferblätter. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Solche die schön aussehen und solche die mehr können. Zu den ersteren gehören etwa ein kaleidoskop-ähnliches Design und Zifferblätter mit den Figuren aus dem Pixar-Film «Toy Story». Innovativer ist dagegen das Siri-Zifferblatt. Damit versucht Apple automatisch die Informationen und Apps anzuzeigen, die im jeweiligen Moment am nützlichsten sind. Vom Prinzip funktioniert dieses Kachel-lastige und etwas technisch anmutende Zifferblatt wie Google Now. Auch dieser Dienst nutzt künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, um als unaufdringlicher Assistent immer die richtigen Infos anzuzeigen, ohne dass man selbst aktiv werden muss. Wie gut Apples Siri-Zifferblatt funktioniert, wird sich zeigen. Fest steht aber schon jetzt, dass genau solche Entwicklungen auf Smartwatches dringend nötig sind. Aktuell muss man die Uhr immer noch viel zu oft berühren, um selbst einfachste Aktionen auszuführen. Ohne es auf der Bühne anzukündigen, hat Apple auch ein paar neue Armbänder für die Uhr ins Sortiment genommen. Ein gelbes Lederarmband und die anderen Neuheiten findet man bereits im Apple-Onlineshop.

Maschinelles Lernen und Augmented Reality:

Wenn es aktuell zwei Trend-Themen gibt, die sich kein Techkonzern entgehen lassen kann, dann sind es die zwei: Maschinelles Lernen und Augmented Reality. Beim maschinellen Lernen geht es um künstliche Intelligenz. Dass Apple da nicht tatenlos zusehen will, wie die Konkurrenten ein Projekt nach dem anderen lancieren, wurde schon an der letztjährigen WWDC klar. Nun hat Apple mit Core ML eine Reihe von Schnittstellen vorgestellt, die es Entwicklern erleichtern sollen Funktionen wie Gesichts-, Text- oder Objekterkennung zu nutzen. Damit dürften entsprechende Funktionen schnell in zahlreichen Apps zum Einsatz kommen. Die zweite Neuerung ist im Bereich der Augmented Reality angesiedelt. Dank Pokémon Go ist das Prinzip inzwischen einem breiteren Publikum bekannt. Dank ARKit, wie Apple die entsprechenden Schnittstellen nennt, können Entwickler nun einfacher entsprechende Apps programmieren, bei denen digitale Objekte auf das Kamerabild gelegt werden. Ikea und Lego würden bereits damit arbeiten und selbst Pokémon Go sähe damit noch besser aus, verspricht Apple. Eine erste Demonstration im Anschluss an die Präsentation stimmte zuversichtlich. Nur mit der relativ einfachen Kamera eines iPads gelang es digitale Lampen und Tassen auf einen realen Tisch zu stellen, ohne dass diese gezittert oder geruckelt hätten. Selbst der Schattenwurf war äusserst realistisch. Google verfolgt mit Projekt Tango ein ähnliches Ziel. Allerdings kommen dort deutlich mehr Sensoren und Kameras zum Einsatz. Dass Apple die Qualität ohne spezielle Hardware hinbekommen hat, lässt aufhorchen. Aber natürlich wird erst ein Vergleich unter Alltagsbedingungen zeigen, wie gut Apples Ansatz ist.

Neue Macs:

Vor zwei Monaten hat Apple eingestanden, dass es mit dem Mac Pro, dem Tonnen-förmigen Computer für Profianwender ein etwas unglückliches Design gewählt habe und nun an einem ganz neuen Gerät arbeite, das sich leichter mit neuen Bestandteilen ausrüsten lasse. Diese Ankündigung war als Versuch zu verstehen, verärgerte Profi-Anwender bei der Stange zu halten. Klagten doch einige von ihnen, dass Apple ihre Bedürfnisse vernachlässigen würde. Um Nutzerinnen und Nutzer, die immer die neusten technischen Innereien wollen und brauchen, glücklich zu machen, hat Apple an der WWDC, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet auf Einladung besuchte, nun schnellere Prozessoren für alle Laptops und neue iMac-Modelle angekündigt. Selbst das bereits auf dem Abstellgleis vermutete Macbook Air bekommt ein Update. Besonders auffällig jedoch: der neue iMac Pro. Von der Form erinnert der Computer an den aktuellen iMac. Doch die dunkelgraue Farbe und die Hochleistungs-Chips im Inneren unterscheiden sich deutlich von den anderen iMacs. Es sei der leistungsfähigste Computer, den Apple je gebaut habe, versprach ein Apple-Manager. Die günstigste Variante kostet rund 5000 Dollar und soll im Dezember auf den Markt kommen. Der eine oder andere Profi-Anwender dürfte aber dennoch lieber auf den neuen Mac Pro warten, obwohl es da kein konkretes Datum gibt.

Das unbeachtete Detail:

Wenn man nicht genau hingehört und noch genauer hingeschaut hat, hätte man diese Neuheit glatt verpasst. An sich klingt die Ankündigung unspektakulär: Die Apple Watch kann neu Daten mit Geräten in Fitnessstudios austauschen. Wenn man zum Beispiel aufs Velo sitzt, berührt man es schnell mit der Uhr und schon sind die zwei verbunden. Möglich wird das dank NFC. Android-Handys können das schon längst. Man berührt einen Kopfhörer mit dem Handy und schon sind sie verbunden. So einfach und praktisch ist dieser Near Field Communication genannte Funkstandard, der unter anderem auch in Kreditkarten zum Einsatz kommt. Bei Apple ist das nicht ganz so einfach. Der iPhone-Konzern nutze NFC ausschliesslich für Apple Pay, erklärte die verantwortliche Managerin vor einem Jahr im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». NFC für andere Zwecke zu nutzen, würde den Komfort bei Apple Pay mindern, so ihre Erklärung. Anscheinend hat Apple nun die Meinung geändert oder eine andere Lösung gefunden. Tatsächlich findet sich auch auf der Liste der Neuerungen von iOS 11 der Punkt «NFC Reader Mode» (NFC Lese-Modus). Was das genau bedeutet, ist aktuell noch unklar und werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Sollte Apple NFC tatsächlich öffnen, wäre das nicht nur eine grosse Überraschung, es wäre auch kundenfreundlich. Ganz nebenher würden sich Banken freuen, die mit ihrer Bezahl-App auch gerne NFC nutzen würden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.06.2017, 10:41 Uhr

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