Smartwatches: Diversifikation ist das Zauberwort

An der wichtigsten Uhrenmesse zeigte sich, worauf die Smartwatch-Firmen setzen.

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«Macht es Ihnen keine Sorge, dass in billigen Smartwatches dieselbe Technologie steckt wie in Ihrer Hochpreis-Uhr und mit Android Wear auch dieselbe Software darauf läuft?» Die Frage eines Journalisten an der Pressekonferenz von TAG Heuer brachte deren Chef Jean-Claude Biver nicht in Verlegenheit.

Man müsse sich nur die Geschichte der Schweizer Uhrmacher anschauen. Die hätten reichlich Erfahrung mit Diversifikation. Tatsächlich steckt in Armbanduhren häufig identische Technologie, und wenn es Unterschiede gibt, muss man schon ein Profi sein, um diese zu erkennen.

Trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Marken. Armbanduhr ist eben nicht gleich Armbanduhr.

Nylon-Armbänder

Bei Smartwatches lässt sich bereits dieselbe Entwicklung beobachten. Ging es in den ersten Jahren - so richtig startete es im September 2013 mit der ersten Galaxy Gear von Samsung - noch in erster Linie um Funktionen, Prozessoren und Bildschirme, hat sich das spätestens seit dem Markteintritt von Apple vor etwas weniger als einem Jahr verschoben.

Der iPhone-Konzern zeigte gleich zum Start mit zahlreichen Modellvarianten und noch mehr Armband-Optionen, dass das Unternehmen ebenfalls auf Diversifikation setzt. Für jeden Geschmack soll es eine Apple Watch geben.

Seither hat Apple weitere Modellvarianten und Armbänder vorgestellt. Darunter auch eine Zusammenarbeit mit dem Luxuskonzern Hermès. Diesen Montag kamen weitere Armbänder dazu, etwa solche aus Nylon. Wenn Apple von einer Frühlingskollektion spricht, klingt das tatsächlich mehr nach Mode- oder Uhrenfirma als nach Techkonzern.

Die vielen Kinderkrankheiten

Dass nicht nur Apple dieses Spiel beherrscht, konnte man an der Basel World mehrfach beobachten. TAG Heuer zeigte ebenfalls zwei neue Armbänder für seine Smartwatch, Samsung präsentierte eine diamanten-besetzte Luxusvariante seiner Uhr, und Fossil lancierte eine ganze Reihe neuer Smartwatches.

Auch wenn die smarte Uhr noch in den Kinderschuhen steckt und mit vielen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat (schwacher Akku, Abhängigkeit vom Smartphone, fehlende oder schlechte Apps, ruckelige und unfertige Software), findet bereits eine breite Diversifikation statt.

Idealerweise, möchte man meinen, würde dieser Schritt erst stattfinden, wenn die Smartwatch ein bewährtes und etabliertes Produkt ist. Doch das ist sie noch nicht. Jean-Claude Biver selbst sagte es treffend: «Wir sind noch im Steinzeitalter, was smarte Uhren angeht.»

16 Jahre Warten auf den Nachfolger

Kein Wunder, musste man in den Basler Messehallen genau hinschauen, wenn man smarte Uhren sehen wollte. An den kleineren Ständen, fernab der Prunk-Pavillons der Traditionsfirmen, gab es aber dann doch einiges zu sehen: billige Fitnesstracker, extra robuste Android-Uhren für Surfer oder Uhrenarmbänder mit NFC-Bezahlchips.

Von einer Smartwatch-Müdigkeit kann also bisher noch keine Rede sein. Da es bei Uhren um mehr als nur technische Innereien geht, darf man sich nicht wundern, dass es auch bei den smarten Uhren gemächlicher zu- und hergeht. Undenkbar für die Techbranche, hat sich etwa Rolex 16Jahre Zeit gelassen für den Nachfolger der Daytona-Uhr.


Samsung / De Grisogno
Schwarze und weisse Diamanten für die smarte Uhr
Samsung hat reichlich Erfahrungen mit Smartwatches gesammelt - vorwiegend schlechte. Als eines der ersten Unternehmen wagte sich Samsung aus der Deckung und experimentierte im Rampenlicht. Die erste wirklich gute Uhr hat der Konzern im letzten Herbst mit der Gear S2 vorgestellt. Ihre Trümpfe: Sie sieht aus wie eine Uhr, die Bedienung über die Lünette ist gelungen, und die eigene Software ist mindestens so intuitiv wie Apples WatchOS und zudem eine ganze Spur einfacher als Googles Android Wear. Ähnlich wie bei Apple gibt es auch bei Samsung verschiedene Varianten der Uhr und austauschbare Armbänder. An der Basel World hat Samsung zusammen mit dem Genfer Juwelier De Grisogno eine mit schwarzen und weissen Diamanten besetzte Luxusvariante vorgestellt. Der Preis: rund 15 000 Franken.


Fossil
Eine Smartwatch für fast jeden Geschmack
100 Wearables will der auf Modeuhren spezialisierte Fossil-Konzern dieses Jahr auf den Markt bringen. In Basel hat das Unternehmen einen Teil davon vorgestellt. Nebst smarten Armbändern mit Schrittzählern gibt es analoge Uhren mit smarten Funktionen und ausgewachsene Smartwatches mit Googles Android Wear zu sehen. Für die Marke Michael Kors hat Fossil mit der Access ebenfalls eine Uhr mit Google-Betriebssystem vorgestellt. Für Frauen gibt es eine goldene und für Männer eine schwarze Ausführung. Damit hat Fossil nun eines der grössten Smartwatch-Sortimente.


Tissot (Swatch-Gruppe)
Bewährtes und ein bisschen Smartes
Auch in diesem Jahr bleibt die Swatch-Gruppe zurückhaltend, was smarte Uhren angeht. Mit der neuen Tissot Smart Touch zeigt der Konzern eine analoge Uhr mit smarten Zusatzfunktionen. Über Bluetooth wird die Tissot mit dem Smartphone verbunden. So kann man etwa per Handy die Zeitzone wechseln. Die Zeiger der Uhr helfen beim Navigieren und weisen den Weg. Die Uhr könne auch Wanderungen aufzeichnen. Mit einem speziellen Schlüsselanhänger kann man über die Uhr die verlegten Schlüssel wiederfinden. Dank Solarzellen bleibt einem das mühsame tägliche Laden erspart, wie man es von anderen Smartwatches kennt.


TAG Heuer
Leder, Metall und ein Versprechen für 2017
Schon bei der Präsentation seiner Smartwatch im letzten Jahr hat TAG-Heuer-Chef Jean-Claude Biver versprochen, dass ein Nachfolger in zwei Jahren kommen soll. An diesem Versprechen will er festhalten. Das Unternehmen hat auch gar keinen Grund, jetzt schon einen Nachfolger vorzustellen - kommt es doch mit der Produktion der aktuellen Uhr kaum nach. Er habe die Nachfrage unterschätzt, gestand Biver ein. Am 15. April erwartet er die nächste Lieferung, die zum Teil bereits in der Schweiz gefertigt wird. Ganz ohne Neuigkeiten ist aber auch TAG Heuer nicht nach Basel gekommen. So gibt es für die Smartwatch neu auch ein Lederarmband und eines aus Metall.


Apple
Bunte Armbänder für den Frühling
Anders als TAG Heuer lässt sich Apple nicht in die Karten blicken, was einen Nachfolger der Apple Watch angeht. Ist es vielleicht schon im September so weit? Statt eine neue Uhr zu zeigen, hat Apple am Montag den Preis der aktuellen gesenkt. Das günstigste Modell kostete bislang 389 Franken. Neu will Apple dafür 349 Franken. Zusätzlich hat der iPhone-Konzern sein zuvor schon beachtliches Sortiment an Armbändern erweitert. Nebst neuen Bändern aus Metall und Gummi gibt es jetzt auch Nylonarmbänder in poppigen Frühlingsfarben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 14:52 Uhr

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