So wird die iWatch ein Erfolg

Diese acht Klippen muss Apple umschiffen, wenn es der Smartwatch zum Durchbruch verhelfen will.

An der Apple-Präsentation im letzten Oktober trug CEO Tim Cook noch ein Fitnessarmband von Nike.

An der Apple-Präsentation im letzten Oktober trug CEO Tim Cook noch ein Fitnessarmband von Nike. Bild: Reuters

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Am 9. September stellt Apple voraussichtlich die neuen iPhones vor. Ob es dann bereits die iWatch oder ein iBand zu sehen gibt, ist wie immer ein gut gehütetes Geheimnis. Gut möglich, dass sich Apple das für einen etwaigen zweiten Event im Oktober aufhebt, an dem das Unternehmen sonst neue iPads vorstellt.

Doch egal, wann Apple die Katze aus dem Sack lässt, diese acht Klippen müssen die Ingenieure, Programmierer, Designer und Marketingspezialisten meistern, damit die neue Produktkategorie ein Erfolg wird:

1. Guter Akku: Die schwierigste Klippe kommt gleich zuerst. Ohne ausreichend Durchhaltevermögen wird es auch Apple nicht schaffen, einen Erfolg zu landen. 24 Stunden sind das absolute Minimum. Je öfter man eine Uhr auszieht und aufladen muss, desto eher lässt man sie zu Hause liegen. Kommt hinzu, dass eine Uhr in der Ladestation oder ein Armband am Kabel – anders als ein Handy – kaum zu gebrauchen ist und die Sensoren keine Daten sammeln können. Ideal wäre daher eine Akkudauer von fünf oder mehr Tagen.

2. Schönes und bequemes Design: Diese Anforderung sollte die Designabteilung von Apple hinkriegen. Trotzdem wird es nicht einfach. Je nachdem, ob sich Apple für eine Art Uhr mit Bildschirm oder eine Art Fitnessarmband mit oder ohne Minibildschirm entscheidet, sind die Anforderungen andere. Soll das neue Gerät die Armbanduhr ersetzen oder ergänzen? Oder gibt es am Ende gar ein smartes Armband, das man an seiner Armbanduhr befestigen kann? Fest steht, eine tragbare Smartwatch darf nicht klobig und zu futuristisch aussehen. Schlichte Eleganz muss das Ziel sein.

3. Hautverträglichkeit: Schon mehrere Wearables-Firmen sind in dem Bereich gestolpert. Fitbit musste wegen Hautirritationen das neuste Modell seiner Fitnessarmbänder zurückrufen, und LG und Samsung mussten bei ihren Android-Wear-Uhren nachbessern. Auch wenn man mit dem Hinweis auf Hautverträglichkeit kaum Käuferinnen und Käufer gewinnen kann, kann man sie mit einem unverträglichen Armband sehr schnell verlieren. Diese Kategorie ist daher absolute Pflicht und keine Kür.

4. Einfache Bedienung: Das Handgelenk eignet sich schlecht für aufwendige Menüs und viele Funktionen. Wer eine Smartwatch bedient, hat keine Hand mehr frei: Die eine bedient die Uhr, die andere ist zur Untätigkeit verdammt (Eine kluge Uhr, aber eine Hand zu wenig). Das Smartphone dagegen kann man mit einer Hand aus der Tasche holen und bedienen, selbst wenn man sich mit der anderen Hand im Tram festhält. Daher ist es wichtig, dass die Uhr so einfach wie möglich funktioniert. Eine Möglichkeit sind intelligente Menüs ähnlich wie Aviate oder Google Now, die immer schon das anzeigen, was gerade Sinn macht (Die richtige App zum richtigen Zeitpunkt). Am einfachsten zu bedienen sind allerdings die Fitnessarmbänder ohne Bildschirm. Die steuert man über das Smartphone. Einzig für ein paar simple Funktionen, wie Zeitmessung oder Aktivieren des Schlafmodus, haben sie einen Knopf oder hören auf Klopfbefehle (Dieses Armband reagiert auf Klopfzeichen).

5. Präzise, vielseitige und sinnvolle Sensoren: Dass Apple ein grosses Interesse an Gesundheits- und Fitnesssensoren hat, ist längst ein offenes Geheimnis (Viel mehr als nur Schritte zählen). Welche Sensoren Apple in der ersten Version seines Armbandes verbauen könnte, ist reine Spekulation. Konkurrenten wie Samsung haben bereits Geräte mit Pulssensoren auf dem Markt. Technisch wäre allerdings noch viel mehr möglich. Welche Sensoren genau verbaut werden, hängt davon ab, ob Apple den Fitness- oder den Medizinalbereich im Auge hat. Elementar wird auf jeden Fall sein, dass Apple es hinbekommt, aus den gesammelten Daten einen wirklichen Mehrwert zu gewinnen. Das gelingt nur, wenn es die gewonnenen Daten miteinander verknüpft und optisch ansprechend und verständlich aufbereitet. Unnötig zu erwähnen, dass die Daten auch relativ präzis sein sollten. Vergleicht man verschiedene aktuelle Schrittzähler, sind die Abweichungen doch erheblich.

6. Kompatibilität: Eine smarte Uhr oder ein smartes Armband muss sich auf jeden Fall gut mit anderen Geräten wie Smartphones oder Tablets vertragen. An seiner Entwicklerkonferenz Anfang Sommer hat Apple vorgeführt, wie sich Laptop, Tablet und Smartphone ergänzen sollen (Apple nimmt der Konkurrenz die Argumente weg). In die Kette könnte sich auch ein Handgelenkcomputer einfügen. Nebst Hinweisen auf eingegangene Mails oder Anrufe könnte es, ähnlich wie mit Googles Android-Wear-Uhren, möglich werden, mit einem Armband das Smartphone zu entsperren. Denkbar wäre auch, dass man mit dem Armband Programme steuern könnte – ähnlich wie es das Sony-Armband jetzt schon kann.

Die spannendste Frage aber ist, ob die Apple-Uhr auch mit Windows oder Android kompatibel sein wird. Angeblich war Steve Jobs anfangs dagegen, den iPod und iTunes für Windows-Nutzer anzubieten, hat dann aber nachgegeben. Inzwischen lehrt Apple dieses erfolgreiche Beispiel sogar an eigenen Weiterbildungsprogrammen, wie die «New York Times» schreibt. Ob das Auswirkungen auf die Apple-Uhr hat?

7. Guter Preis: Dank seinem Image als Premiumhersteller hat Apple hier mehr Spielraum als die meisten Konkurrenten aus dem Technologiesektor. Trotzdem darf man gespannt sein, für welchen Preispunkt sich der iPhone-Konzern entscheiden wird. Bei Fitnessarmbändern bewegen sich die Preise aktuell um die 100 Franken (Tendenz sinkend). Smarte Uhren mit Bildschirmen dagegen kosten mehr. Die von Sony gibts für rund 150 Franken, die von LG für 210 Franken, und Samsung-Uhren gibt es zwischen 220 und 330 Franken. Ambitioniertere Sportuhren mit Pulssensoren bewegen sich um die 400 Franken. Bei klassischen Armbanduhren reicht das Spektrum von wenigen Franken bis zu mehreren Hunderttausend Franken und weiter. Reichlich Spielraum also für die Marketingprofis von Apple.

8. One More Thing: Apple wäre nicht Apple, wenn die Leute nicht noch ein überraschendes Aha-Feature erwarten würden. Beim iPhone war das, entgegen dem Trend, der Touchscreen ohne Tastatur. Beim iPad war es ebenfalls die einfache Bedienung. Das Tablet war weniger ein flacher Laptop als vielmehr ein grosses iPhone. Beide Male gab es anfangs reichlich Kritik, doch die Konkurrenz zog bald nach. Mit einem Touchscreen wird Apple bei einer Uhr nicht noch mal überraschen können – mit einer weiteren Vereinfachung aber sehr wohl. Einfacher als ein simples Band ohne Touch-Bildschirm, das höchstens noch die Uhrzeit zeigt, ginge es kaum. Doch ob das nicht zu simpel ist?

Selbst wenn es Apple gelingen sollte, alle diese Punkte mit Bravour zu meistern, sollte man nichts überstürzen. Die alte Faustregel «Kauf keine Geräte der ersten Generation!» gilt auch für Apple-Produkte. Sowohl das erste iPhone als auch das erste iPad waren zwar solide Geräte. Doch verglichen mit den Nachfolgern, waren sie doch reichlich rückständig und wurden auch schon bald nicht mehr mit der neusten Software versorgt.

Etwas Zurückhaltung dürfte sich also auch bei den smarten Uhren oder Armbändern lohnen. Wer weiss, vielleicht gelingt ja auch Microsoft noch der grosse Wurf und Apples Uhr sieht plötzlich ganz alt aus. Auf jeden Fall werden die Konkurrenten, zu denen neu auch die Uhrenkonzerne gehören, alles daran setzen, den Apfel-Konzern nicht noch einmal enteilen zu lassen.

Erstellt: 13.08.2014, 08:09 Uhr

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