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Sonys erstes Smartphone nach der Ericsson-Ära

Das Xperia S ist das neue Flaggschiff der Japaner. In unserem Test macht das Android-Smartphone mit seinem HD-Display eine gute Figur, hat aber auch Minuspunkte zu verbuchen.

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Sony und der schwedische Mobilfunkausrüster Ericsson haben im Oktober 2011 einen Schlussstrich unter ihr gemeinsames Unternehmen Sony Ericsson gezogen – die Japaner kauften die Handysparte für umgerechnet 1,26 Milliarden Franken wieder heraus. Nun hat Sony die ersten Android-Smartphones ohne den Partner lanciert. Eines davon ist das Xperia S, das Tagesanzeiger.ch/Newsnet ausführlich getestet hat.

HD-Display das Highlight

Das hochauflösende 4,3-Zoll-HD-Display (1280 x 720 Pixel) ist definitiv das Prunkstück des Smartphones – und technisch gesehen (342 Pixel pro Zoll) sogar noch schärfer als beim iPhone 4S (330 Pixel pro Zoll). Der Nutzer wird mit einem kristallklaren Bild und einer wunderbaren Farbtiefe verwöhnt. Hat man noch HD-Videos zum Abspielen, ist das hochauflösende Vergnügen perfekt.

Die Kamera (12,1 Megapixel), mit der man auch HD-Videos drehen kann, überzeugt ebenso qualitativ, Bilder schiesst man nahezu ohne Verzögerung. Lediglich bei ungünstigen Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse nicht ganz so toll. Der Touchscreen ist aus kratzfestem Mineralglas gefertigt und reagiert gut auf die Eingaben. Die Druckempfindlichkeit der Android-Buttons «Zurück», «Home» und «Menü» könnte aber besser sein. Angetrieben wird das Gadget von einem 1,5-GHz-Dual-Core-Prozessor. Der Speicher geht mit 32 GB in Ordnung, allerdings fehlt ein Micro-SD-Slot. Mit dem Xperia S kann man auch UKW-Radio hören.

Das Sony-Gerät, wie das iPhone 4 und das iPhone 4S mit einer Micro-SIM-Karte bestückt, verfügt über NFC. Damit kann man Kontakte oder Links an ein kompatibles Gerät halten, um diese zu übertragen. Vor allem aber soll man künftig so bezahlen können.

Der erleuchtete Streifen

Äusserlich fällt beim wuchtig geratenen Smartphone der transparente Kunststoffstreifen auf. Darin ist die Radioantenne eingebaut, zudem sind die typischen Android-Symbole «Zurück», «Home» und «Menü» angebracht. Verwirrend ist, dass die Touch-Buttons aber weiter oben platziert sind. Diese sind zwar mit einem kleinen Punkt gekennzeichnet, aber trotzdem passiert es anfangs, dass man auf den Kunststoffstreifen drückt. Der Streifen leuchtet weiss, um den Besitzer auf das Smartphone aufmerksam zu machen. Das wirkt aber meist nur im Dunkeln.

Lautstärketasten zu weit unten

Das eckige Design ist Geschmackssache, uns hat es aber gefallen. Das Gerät ist griffig und flutscht nicht so leicht aus der Hand wie andere Smartphones mit rundlichem Gehäuse. Für kleinere Hände könnte die Bedienung mit einer Hand jedoch zum Problem werden. Die Lautstärketasten an der Gehäuseseite sind allerdings zu weit unten platziert. Am Gehäuse findet man auch einen Auslöserknopf für die Kamera und einen HDMI-Anschluss. Das Smartphone ist sauber verarbeitet, die Kunststoffrückseite macht aber nicht einen besonders robusten Eindruck.

Der Akku hält laut Sony 8,5 Stunden Telefongespräche aus, 25 Stunden Musikwiedergabe oder 17,5 Tage im Stand-by-Modus. Doch wie beim iPhone 4S muss auch der Sony-Vertreter nach intensivem Gebrauch am Abend Energie tanken.

Angenehm gestaltete Benutzeroberfläche

Auf der Softwareseite holt sich das Xperia S mit seiner schön gestalteten Sony-Benutzeroberfläche Pluspunkte. Alles reagiert sehr flott, vorinstallierte Widgets liefern Informationen zum Wetter und blenden die neusten Meldungen aus den Twitter- und Facebook-Profilen ein. Zudem kann man durch Videos blättern und Musik abspielen, ohne die App zu starten.

Seltsam ist, dass es keine eigene Video-App gibt, um die Filme abzuspielen, sondern man den Weg über die App «Galerie» nehmen muss. Vorinstalliert sind die typischen Anwendungen wie Google Mail, Kalender, Maps, Office Suite, Rechner, Youtube etc. Über den Play Store (vormals Android Market) hat man Zugriff auf das komplette Android-Angebot. Mit der Funktion «Fast Capture» ist es möglich, ein Foto im Stand-by-Modus durch Druck auf die Auslösetaste zu schiessen. Beim Scrollen in News-Apps ist ein leichtes Ruckeln erkennbar.

Der Musikplayer bietet Features wie verschiedene Equalizer und zusätzliche Optionen wie Kopfhörer-Surroundsound. Gefällt einem ein Song, kann man mit dem Finger aufs Cover tippen und ihn auf Facebook liken, oder man spielt ihn auf einem Lautsprecher im gleichen WLAN-Netzwerk ab. Die Soundqualität stimmt, über Kopfhörer gibt es einen satten Klang, der Lautsprecher ist weniger stark.

Xperia S läuft nur mit Android 2.3.7

Unverständlich ist, dass auf dem Smartphone nur Android 2.3.7. läuft. Sony verspricht aber für das zweite Quartal ein Update auf 4.0 (Ice Cream Sandwich). Das Xperia S rühmt sich ausserdem, ein «Playstation Certified»-Smarpthone zu sein. Man kann also via die App «PS Pocket» Playstation-Games herunterladen.

So weit zur Theorie: In der Schweiz ist der Service nicht verfügbar. Das soll sich laut Sony in den nächsten Monaten ändern. Seltsam ist zudem, dass uns bei einem früheren Test des Sony Tablet P gelang, auf den Store zuzugreifen. Da es sich beim Angebot vorerst ohnehin nur um Playstation-1-Games handelt, ist das Manko verkraftbar. Trotzdem: Es wird beim Xperia S ein Feature versprochen, das man hierzulande nicht nutzen kann.

Das Xperia S ist in Schwarz oder Weiss erhältlich, der empfohlene Verkaufspreis beträgt 549 Franken. Im Lieferumfang enthalten sind Kopfhörer und der Quick Charger. Mit dem Schnellladegerät lädt man den Akku 10 Minuten und kann 60 Minuten telefonieren. Es ersetzt das alte Ladekabel und dient auch für den Datentransfer via USB.

Erstellt: 23.03.2012, 10:37 Uhr

Datentransfer via USB-Kabel

Via mitgeliefertes USB-Kabel kann man Videos, Bilder oder Musik vom Computer auf das Smartphone schaufeln. Auf dem Windows-PC geschieht dies einfach mit Drag-and-Drop.

Mac-Nutzer mit OS X müssen wieder mal den umständlicheren Weg wählen – das Smartphone wird auf dem Desktop nicht als Laufwerk angezeigt. Nur mit der kostenlosen Software Sony Bridge, die wie iTunes aussieht, kann man die Medien auch über den Apple-Computer auf das Xperia S bringen.

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