Tapete lädt Handy-Akku

Ein neues Verfahren will den Kabelsalat überflüssig machen und Smartphone-Akkus kabellos per Ultraschall aufladen. Und so gehts.

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Drahtloses Laden: Entgegen allen Prophezeiungen hat sich die kabellose Stromversorgung von Smartphones und Tablets bislang nicht durchgesetzt. Zwar ist das Akkusymbol für jeden Gadget-Besitzer seit eh und je ein essenzielles Element der Anzeige – neue Wege, das Problem schwächelnder Batterien zu entschärfen, wären also für Konsumenten interessant. Bisherige drahtlose Ladetechniken wie Qi oder die Produkte der Power Matters Alliance und A4WP versuchen das und funktionieren ähnlich: Das Handy oder Tablet wird auf eine Matte oder Ladestation gelegt, die es ohne Kabelverbindung auflädt, per Induktion.

Diese Methode hat aber ihre Grenzen. Die Geräte sind darum weit davon entfernt, ein Massenphänomen zu sein. Viele Handys der aktuellen Generation, etwa das Nexus 5, das Lumia 930 oder LGs G3, erlauben das Verfahren zwar längst. Andere, wie die aktuellen Samsung-S5-Modelle, lassen sich leicht nachträglich aufrüsten. Als Zubehör für alle diese Telefone sind Ladestationen erhältlich. Nur bislang zeigen sich die Konsumenten zurückhaltend.

Ladegeräte kleben an der Wand

Die US-Firma Ubeam hat nun eine Technologie angekündigt, die dem drahtlosen Laden neuen Auftrieb geben und unter Umständen zum Durchbruch verhelfen könnte. Mit dem auf Ultraschall basierenden Verfahren soll das Laden die Eigenschaften einer WLAN-Verbindung erhalten, also quer durch einen Raum und durch Hindernisse hindurch möglich sein. Bislang funktioniert das kabellose Laden nur über Entfernungen weniger Zentimeter.

Dem Unternehmen schweben millimeterdünne Ladestationen vor, die sich wie eine Tapete an der Wand befestigen lassen. Bislang erst im Prototypenstadium, hofft Ubeam, seine Geräte binnen zweier Jahre am Markt zu lancieren. Firmengründerin Meredith Perry verspricht damit eine Zukunft ohne Batteriesorgen. «Mit einer drahtlosen Stromversorgung überall würden die Akkus schrumpfen, da jedes Telefon ständig geladen werden kann», sagte sie der «New York Times». Die junge Astrobiologin entdeckte das neue Ladeverfahren auf Basis unhörbarer Töne per Zufall im Zuge einer Forschungsarbeit.

Erfolg hängt ab von Autos und Caféketten

Seit den ersten Pioniergeräten mit drahtloser Ladefunktion gelang es noch keinem Hersteller, das Konzept wirklich zu etablieren. Bereits der 2009 lancierte Palm Pre bot kabellose Stromversorgung. Mit dem Floppen des letzten grossen Wurfs unter der Flagge von Palm schaffte es diese Innovation aber auch nicht in den Mainstream.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen machten die ersten Gehäuse, die das drahtlose Laden erlaubten, die Geräte spürbar dicker und damit klobiger. Zum anderen boten die drahtlosen Ladestationen bislang einfach wenig Vorteile: Wer am Arbeitsplatz, im Zug oder im Café Strom benötigt, hat die unhandlichen Geräte im Gegensatz zu einem simplen Kabel kaum dabei.

Langsam kommt in dieser Hinsicht immerhin Bewegung auf: Die Cafékette Starbucks will ihre US-Filialen mit Ladestationen ausrüsten, Autohersteller wie Cadillac, Toyota und andere versprechen, künftig ihre Fahrzeuge mit Ladeflächen auszustatten. Ob sich am Schluss die Marke Qi, Ubeam oder eine andere Technologie durchsetzt: Eine grosse Verbreitung eines Ladestandards wäre die nötige Voraussetzung, damit die Kunden künftig wirklich aufs Kabel verzichten könnten.

Erstellt: 08.08.2014, 11:02 Uhr

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