Warum die Google-Revolution fehlschlug

Erst im Januar stellte Google sein erstes eigenes Handy vor. Nun wird es schon beerdigt. Aber nicht die Hardware, sondern das Vertriebsmodell des Nexus One ist gescheitert.

Gefloppt: Trotz guter Hardware und ambitioniertem Vertriebsweg wird das Google-Handy Nexus One nicht mehr vertrieben.

Gefloppt: Trotz guter Hardware und ambitioniertem Vertriebsweg wird das Google-Handy Nexus One nicht mehr vertrieben.

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Mit einem eigenen Webshop für Smartphones hatte Google vor, den Mobilfunkmarkt zu revolutionieren. Die Idee war, freie Geräte mit Tarifen verschiedener Provider anzubieten und den Smartphone-Markt dem Vertriebsmodell von Computern anzunähern.

Doch die Pläne gingen nicht auf. Die Verkaufszahlen des von HTC gefertigten Nexus One blieben bescheiden und der Webshop konnte nicht über die Anfangsphase mit einem Gerät und einem Provider hinausgebracht werden. Beobachter unken nun, dass das Nexus One ein Flop sei und Google einen Image-Schaden davon trage.

Google hat das Gerät kaum beworben

Bereits zuvor hatten Marktforscher und Analysten dem im Januar als «Superphone» lancierten Gerät aufgrund schwacher Verkaufszahlen keine rosige Zukunft vorausgesagt. Die Zahlen wurden mit denen des iPhone und anderer Android-Geräte verglichen. Doch die unterschiedlichen Strategien und Vertriebsmodelle hinter den Geräten lassen einen direkten Vergleich nicht zu.

So hat Google das Nexus One kaum beworben und das Gerät war lange nur über den Webshop in den USA erhältlich. Das iPhone hingegen hat eine nicht vergleichbare Marketing-Maschinerie hinter sich. Google selbst betonte, dass man die erwarteten Verkaufszahlen erreicht habe. In den ersten drei Monaten seien mehr als 100'000 Geräte verkauft worden, so Google Vice President Andy Rubin gegenüber dem «Wall Street Journal».

«Ruf als Smartphone-Hersteller ruiniert»

So verwundern auch Aussagen des IDC-Analysten John Delaney gegenüber der Agentur pte, dass das Nexus One «als Smartphone einfach kein Quantensprung in puncto Ausstattung und Bedienung» gewesen und daher Googles «Ruf als Smartphone-Hersteller ruiniert» sei. Das dem Nexus One in Punkto Design und Ausstattung sehr ähnliche Desire, das ebenfalls aus HTCs Smartphone-Schmiede stammt, zählt zu den populärsten Android-Geräten auf dem Markt.

Vertriebsmodell gescheitert

Es liegt nicht am Gerät selbst, dass das Experiment Nexus One gescheitert ist. Vielmehr war Google wohl seiner Zeit voraus, das Handy-Vertriebsmodell von den mächtigen Mobilfunkern loszulösen. Der Webshop sollte Exklusivverträge und Sim-Locks aufbrechen. Doch damit scheint sich Google übernommen zu haben, vor allem der schlecht organisierte Kundenservice sorgte für Kritik.

Für das zögerliche Kaufverhalten dürfte wohl auch verantwortlich gewesen sein, dass Kunden das Gerät über den Webshop kaufen sollten und vorher nicht ausprobieren konnten. Google habe laut Rubin nicht die Ressourcen habe, das Nexus One global anbieten und mit Mobilfunkern in anderen Ländern verhandeln zu können. Vielleicht kann das Experiment, Handys von Mobilfunkern zu lösen, in ein paar Jahren erfolgreicher wiederholt werden. (br/ derStandard.at)

Erstellt: 21.07.2010, 06:19 Uhr

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