Wenn das günstige Handy-Abo plötzlich teuer wird

Herr und Frau Schweizer verschleudern angeblich über zwei Milliarden Franken, weil sie das falsche Abo haben. Doch bei Billigangeboten stecken die Nachteile im Kleingedruckten.

Kann der Besitzerin die Laune vermiesen: Handy.

Kann der Besitzerin die Laune vermiesen: Handy. Bild: Keystone

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Liest man nur die Werbung, ist das eigene Handy-Abo meist zu teuer, und ein anderer Anbieter würde einem sogar das Traumhandy schenken. In der Realität ist dann aber nicht einfach alles gratis. Und bei Billigangeboten stecken Nachteile im Kleingedruckten.

Über zwei Milliarden Franken sollen die sonst sparsamen Schweizer mit ihren Handys verschleudern, weil sie das falsche Abo haben. Dies verkündet der Tarif-Vergleichsdienst Comparis und bewirbt so seine werbefinanzierte Dienstleistung. Will man dort das beste Handy-Abo finden, muss man aber genau einem von nur sechs vordefinierten Mustertypen entsprechen. Individuellere Preisvergleiche bieten Konkurrenten wie Dschungelkompass.ch oder Icompare.ch. Dort klickt man sich die eigenen Bedürfnisse mit Bausteinen und Schiebereglern zusammen.

Unvergleichliche Fülle

Wer Vergleichsportale besucht, wird einerseits von der riesigen Fülle von kaum vergleichbaren Handy-Abos beeindruckt und andererseits am Schluss doch ziemlich verwirrt bleiben. Selbst wenn man ein passendes Abo gefunden hat, gilt es noch, das Kleingedruckte zu lesen.

Denn da drohen manchmal Stolpersteine: So bewirbt ein kleiner, auf den ersten Blick sehr günstiger Anbieter zwar «unbeschränktes Telefonieren», schränkt das aber im Kleingedruckten rigoros ein. Denn man darf mit einer Person pro Monat höchstens 10 Stunden lang plaudern.

Bei einigen Discountangeboten wird man schlicht zum Sternen- und Miniziffernsucher. Bei solchen Symbolen drohen meist Zusatzkosten oder Einschränkungen. Die passende Aufschlüsselung lässt sich aber ohne Lupe kaum finden.

Eine Geheimwissenschaft sind teils auch die Kündigungsfristen. Bestenfalls kann man sein Abo alle 30 Tage beenden, schlimmstenfalls verlängert sich dieses nach 24 Monaten automatisch um ein weiteres Jahr.

Benebelt von den Irrungen und Verlockungen im Tarifdschungel verfallen Supersparfüchse vielleicht sogar der Idee, zwecks Abo-Optimierung ein Kind zu zeugen, damit man die nächsten Jahre von dessen Jugendabo profitieren kann.

Teure Geschenke

Viele Konsumenten lassen sich mit «geschenkten Smartphones» zu einem Abo-Anbieter locken. Deshalb kann man bei Dschungelkompass und Icompare das Wunschgerät bereits in den Vergleich einbeziehen. Wer aber richtig rechnen will, muss die Gesamtkosten über die meist zweijährige Laufzeit ausrechnen.

Beim Handypreis sollte man sich ferner nicht auf die Anbieterangaben verlassen, sondern den reellen Preis bei Vergleichern wie Toppreise.ch prüfen. Wer den Taschenrechner zur Hand nimmt, merkt schnell, dass es sich oft nicht lohnt, auf ein teureres Abo umzusteigen, nur damit man ein vergünstigtes Handy erhält.

Ob das neuste Smartphone-Modell den eigenen Bedürfnissen entspricht, ist eine weitere Frage. Vorgängermodelle kosten teils nur die Hälfte, und Geräte mit zwei SIM-Karten bieten die beste Möglichkeit, vom immer günstigsten Tarif im In- und Ausland zu profitieren und dennoch jederzeit erreichbar zu sein.

Man sollte deshalb erst sein Wunsch-Handy und dann ein Abo suchen. Internethändler und Ladenketten verbilligen praktisch alle Smartphone-Modelle, wenn man gleichzeitig ein Abo abschliesst oder verlängert. Man sollte auch immer bei seinem aktuellen Netzanbieter nachfragen, ob er das Wunschgerät im Sortiment hat oder eine Abo-Verlängerung mit einer Gutschrift belohnt.

Wichtige Nebenleistungen

Preisvergleichsportale können zwar das billigste, aber oft nicht das beste Abo berechnen. Es ist beispielsweise nicht ersichtlich, wie gut die Netzabdeckung eines Anbieters mit den persönlichen Bedürfnissen übereinstimmt. Die realen Abokosten hängen ferner auch vom persönlichen Freundeskreis ab, weil meist nur innerhalb eines Anbieters kostenlose Gespräche möglich sind.

Während Wenignutzer meist mit Prepaid-Lösungen am günstigen fahren, müssen Vielnutzer entscheiden, ob sie lieber eine «Alles-inklusive-Pauschale» bezahlen oder sich ihr Angebot aus Bausteinen für Telefonie, SMS und Internet individuell zusammenstellen.

Je nach Nutzertyp kann auch entscheidend sein, zu welchem Preis ein Anbieter Versicherung und Ersatz für das Smartphone bietet. Nicht nur Unerfahrene profitieren ferner bei grösseren Anbietern von einer kostenlosen telefonischen Hotline oder lokalen Shops, die sie bei Konfiguration und Gerätwechsel unterstützen.

Musik und TV inklusive

Immer wichtiger werden in den Abos auch Unterhaltungsangebote. Dabei sind gewisse Dienste kostenlos oder werden bei den Internet-Nutzungslimiten nicht mitgezählt. So arbeitet Orange mit dem Musikdienst Spotify und dem TV-Anbieter Zattoo zusammen. Sunrise bietet Musik via Juke an, und Swisscom-Kunden haben Vorteile bei der Nutzung von Swisscom TV air.

Wer neben dem Smartphone auch ein Tablet besitzt, profitiert bei einzelnen Anbietern von einer vergünstigten zweiten SIM-Karte für den Schiefertafelrechner.

Das richtige Handy-Abo ist aber auch eine Frage von Bequemlichkeit und Gefühl. Ein vertrauter Anbieter, der im Zweifelsfall auch Kulanz zeigt, wiegt Discounttarife auf. Schliesslich könnten auch Schweizer Autofahrer jährlich Dutzende Milliarden einsparen, wenn sie auf ihre gemütliche, prestigeträchtige Karosse verzichten und auf den günstigsten Kleinwagen ohne Sonderausstattung umsteigen würden. (ah/sda)

Erstellt: 01.07.2013, 14:11 Uhr

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Anrufe mit Skype und Co.

Die Kosten der Mobiltelefonie reduzieren sich auch durch Internet-Sprachdienste. Damit lässt sich direkt auf beliebige Handy- und Festnetznummern anrufen, das Gespräch wird aber mittels Internettechnik abgewickelt.

Bei der von Swisscom entwickelten neuen App iO und den seit Jahren bewährten Apps wie Skype, Google Talk, Oovoo, Viber oder Tango sind Gespräche gratis, sofern beide Teilnehmer dieselbe App benutzen. Anrufe zu Fremden kosten, sind aber meist günstiger als herkömmliche Telefonate.

Bei iO kann man für 20 Franken monatlich unbeschränkt auf andere Nummern in der Schweiz anrufen. Beide Apps setzen eine Internetverbindung am Smartphone voraus, entweder über das möglicherweise kostenpflichtige Handy-Netz oder via WLAN. Das Vergleichsportal Dschungelkompass.ch hat erste Preisvergleiche dieser Lösungen publiziert.

Wer zu Hause bereits über einen IP-Telefonanbieter (Liste unter Voip-portal.ch) plaudert, kann diesen meist auch unterwegs auf dem Smartphone mit seiner gewohnten Festnetznummer verwenden. (sda)

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