Hintergrund

Wie Gratis-Games den Spielern das Geld aus der Tasche ziehen

Die «Candy Crush Saga» ist ein Gratisspiel, das gewaltig ins Geld geht.

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Tech-Journalistin Christina Warren hat unlängst gestanden, dass sie mehr als 450 Dollar für das Gratisspiel «Candy Crush Saga» ausgegeben hatte, um bei der vermeintlich kostenlosen App bis Level 471 vorzustossen. Wie ist das möglich?

Bei dem Spiel kämpft man sich Runde um Runde durch einen Haufen bunter Süssigkeiten. Hat man seine fünf Leben verspielt, ohne die geforderte Punktzahl zu erreichen, muss man sich gedulden, bis man es wieder versuchen kann. Es sei denn, man erwirbt neue Leben durch In-App-Käufe. Also, indem man über einen in der App integrierten Store zusätzliche Leben für 1 Franken kauft. Die Kombination von süssen Verlockungen, einem packenden Spielprinzip und Zwangspausen zahlt sich für den Hersteller aus. Im Sommer 2013 war in diversen Blogs zu lesen, wie viel King.com mit den orangen Lutschbonbons und blauen Lollipops umsetzt: 633’000 Dollar – pro Tag.

Demselben Prinzip folgen heute viele Spiele. Sie sind gratis in App Stores erhältlich. Die Finanzierung der teilweise aufwendig produzierten Spiele erfolgt über Premiumgegenstände. Das können Extraleben wie bei «Candy Crush» sein. Oder virtuelle Ausrüstungsobjekte. Häufig sind auch virtuelle Währungen: Im Endless-Runner-Game «Temple Run» braucht man Goldmünzen, bei «Smurfs’ Village» Schlumpfbeeren und bei «Springfield» eine andere Süssigkeit, nämlich Homer Simpsons geliebte Donuts.

Perfide Mechanismen

Das Spiel mit Homer führt vor Augen, wie raffiniert die Mechanismen des sogenannten Free to Play sind: Das versehentlich zerstörte Springfield gilt es wieder aufzubauen. Es dauert Stunden und bisweilen sogar Tage, bis Gebäude wie die Grundschule oder der Kwik-E-Mart vollendet sind. Gleichzeitig animiert das Spiel dazu, sich mit Freunden zu vernetzen, ihr Springfield zu besuchen und sich anzusehen, wie weit ihre Stadt gediehen ist. Ungeduld und Gruppendruck verleiten dazu, echtes Geld in virtuelle Donuts zu investieren. Mit denen lassen sich Bauten sofort errichten und Gebäude erwerben, die sich nicht gratis erspielen lassen.

Blogger Ramin Shokrizade hat die Free-to-Play-Mechanismen in einem Beitrag für gamasutra.com analysiert. Eine relativ harmlose Methode sind die «Boosts», mit denen man sich Vorteile verschafft. Härter ist das «Progress Gate», eine Schranke, die Fortschritte verhindert. Richtiggehend fies ist der Trick des «Reward Removal»: Der Spieler droht hier seine hart erkämpften Errungenschaften zu verlieren, wenn er bei einem besonders schweren Level scheitert und nicht zahlt. Diese Technik wird laut Shokrizade bei «Puzzle and Dragons» meisterhaft angewandt.

Der Free-to-Play-Mechanismus erlaubt es Spielern, die sich nicht verführen lassen, auch teuer produzierte Games total kostenlos zu spielen. Er bewirkt aber auch, dass manche Spieler die Ausgaben für die Extras aus den Augen verlieren und das Ausmass ihrer Verführbarkeit erst auf der Kreditkartenabrechnung sehen. Schlimm ist das bei Titeln, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Letztlich leidet auch die Qualität der Spiele, wenn die Hersteller ihre Apps auf maximalen Profit trimmen – was bei immer mehr Titeln zu beobachten ist. Apple als Betreiberin des Stores läuft Gefahr, dass die In-App-Käufe generell in Verruf geraten: Sie bieten keinen echten Zusatznutzen mehr, sondern dienen nur noch dazu, den wahren Preis zu verschleiern.

Erstellt: 05.03.2014, 10:32 Uhr

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