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Wie das Smartphone zur Filmkamera wird

Die leistungsstarken Smartphones eignen sich auch für kurze und lange Videoaufnahmen. Expertin Judith Steiner sagt, worauf es beim Filmen mit dem Mobiltelefon ankommt.

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Mit jeder neuen Smartphone-Generation steigt die Leistungsfähigkeit der Mini-Computer, deren Kameras immer höheren Video-Ansprüchen genügen. Mit dem Smartphone werden sogar schon Low-Budget-Filme gedreht – allerdings mit reichlich Zubehör.

Wo das Smartphone seine Vorteile hat

Die Vorteile des Geräts liegen auf der Hand: «Das Mobiltelefon hat man immer dabei, mit Apps können Funktionen erweitert werden. Und mit Schnittprogrammen kann der Nutzer unterwegs die Aufnahme bearbeiten», sagt Video-Expertin Judith Steiner. Das sei zwar auf dem kleinen Bildschirm umständlich, aber wenn es eile, reiche das allemal aus. Einen weiteren Vorteil sieht sie darin, dass man sein Video sofort im Internet veröffentlichen kann. Steiner gibt seit April Kurse, in denen die Teilnehmer lernen, wie mit dem Smartphone die besten Videos gelingen.

Nachteile bei Lichtempfindlichkeit

Die Bildauflösung der Smartphones ist inzwischen sehr gut, sie kann durchaus mit günstigen Camcordern mithalten, gute Lichtverhältnisse vorausgesetzt. Gerade bei Dämmerung kommt das Smartphone jedoch schnell an seine Grenzen. Weiter fehlt das Zoomobjektiv und auf Zoombewegungen während des Filmens sollte möglichst verzichtet werden, selbst wenn bei Nahaufnahmen mit Menschen das Smartphone fast an die Nase der gefilmten Person positioniert werden muss.

Ein guter Camcorder hat einen Kopfhörerausgang und eine Buchse für ein externes Mikrofon. Beim Smartphone gibt es nur die Kopfhörerbuchse, die man beim iPhone mit Adapter zur Mikrofonbuchse umfunktionieren kann. «Leider haben viele Handycams auch keine solche Buchse und weisen diesen Vorteil nicht auf», weiss Steiner.

«Ideal ist das Mobiltelefon für Videos, die man gleich auf sozialen Plattformen teilen will, oder sogar für das Live-Streaming, zum Beispiel über Ustream.» Nie sich nur auf ein Smartphone verlassen würde Steiner sich bei einem geplanten Video in der Abenddämmerung oder bei Veranstaltungen in dunklen Räumen.

Das iPhone 4S sei derzeit die beste Wahl fürs Filmen. «Es gibt zwar einige andere Smartphones mit Full-HD-Video-Auflösung und einer 8-Mega-Pixel-Kamera. Das iPhone 4S verfüge aber über eine grössere Blende, Bildstabilisierung, Gesichtserkennung und sogar einen Hybrid-Infrarot-Filter. Letzterer hilft beispielsweise beim Filmen in dunkler Umgebung, damit die Bilder trotzdem ihre natürliche Farbe behalten. Was ausserdem für das Apple-Handy spricht: «Es gibt mehr Videoapps und zusätzliche Hardware fürs Filmen.»

Darauf müssen Sie beim Smartphone-Filmen achten

Stativ benutzen: Judith Steiner empfiehlt, mit einem Stativ zu arbeiten. «Für das iPhone gibt es entsprechende Adapter. Weil Smartphones so leicht sind, verwackeln die Bilder noch mehr als bei anderen Kameras», sagt die Videoexpertin. Ein häufiger Fehler: Die Finger verdecken die Linse oder das Mikrofon.

Quer filmen: «Filmen Sie nie im Hochformat, gewöhnen Sie sich an, quer zu drehen. Video ist ein Längsformat, oder haben sie im Kino mal was anderes gesehen?» Hochformatige Videos können später nicht in Schnittprogrammen zusammengefügt werden.

Mikrofon-Einsatz: Wo der Ton wichtig ist – zum Beispiel bei Interviews – empfiehlt Steiner den Einsatz von externen Mikrofonen. Für das iPhone gibt es entsprechende Hardware, die man direkt über die Kopfhörerbuchse anschliesst. Für Android fehlt derzeit eine solch komfortable Lösung.

Störgeräusche verhindern: «Schalten Sie beim iPhone den Flugmodus ein, da sonst Störgeräusche auf der Aufnahme entstehen können. Diese rühren von den Funkwellen, die das Handy ausstrahlt», sagt Judith Steiner.

Speicherplatz: Beim iPhone 4S kann man nur in HD aufnehmen. Diese hochauflösenden Aufnahmen benötigen viel Platz. Wer oft filmt, sollte Modelle mit grossem Speicher wie 32 GB und mehr kaufen oder nur wenig Musik, Podcasts etc. auf dem Smartphone haben. Achtung – das Apple-Telefon stellt die Filmaufnahmen nach einer Stunde automatisch ab. Bei sehr langen Aufnahmen kann es zu Qualitätsschwankungen kommen. Bild und Ton können asynchron sein, laut Steiner ein typisches Smartphone-Problem. Gewisse Schnittprogramme haben Mühe damit, FCP X kann Bild und Ton synchronisieren und behebt das Problem.

Zooms und Schwenk: Keine Zooms und Schwenks aufnehmen! Diese Kamerabewegungen sind verglichen mit unserem Sehvermögen unnatürlich. Und meistens sehr langatmig (was den Film langweilig macht). Steiner: «Denken Sie in Bildern: Kamera hinstellen, Aufnahmeknopf drücken, zehn Sekunden laufen lassen, stoppen. Kamera neu positionieren, dasselbe nochmals.» Mal nah ran, dann weit weg. Danach werden die Shots zusammengeschnitten. Also: Der Schnitt macht den Film.

5 mal 5 als Idee für einen kurzen Clip: Fünf Bilder nacheinander, die je fünf Sekunden dauern. So kann der Filmer eine Stimmung an einem Ort auf spannende Art wiedergeben.

Auf Lichtverhältnisse achten: Bei Tagaufnahmen darf man nicht im Gegenlicht filmen, die Sonne sollte sich im Rücken des Filmers befinden, das Tageslicht muss auf das Gesicht des Protagonisten fallen.

Videos vom Smartphone auf den Computer bringen: Mit dem iPhone kann man die Aufnahmen zum Beispiel via USB mit iPhoto oder einem anderen Bildprogramm synchronisieren. Bei Android zieht man über USB einfach das Video auf die Festplatte oder kabellos beispielsweise mit Airdroid. Je nach Smartphone und Schnittprogramm müssen manchmal die Videodateien vor dem Schnitt noch konvertiert werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.08.2012, 10:41 Uhr

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Judith Steiner ist Videojournalistin. Sie produziert und moderiert «Joody.TV». In der Internet-Sendung realisiert sie jeden Monat einen Talk mit einem Gast und drei iPhones. Seit April zeigt sie in Kursen, wie man mit Smartphones Videos produziert. Zuvor arbeitete sie als Videojournalistin bei Keystone und als Redaktorin für den «Fenster zum Sonntag»-Talk auf SF 2.

Die beste Hardware

Mit dieser Hardware unterstützt man die Filmaufnahmen:

iPhone

iRig Mic: Externes Mikrofon

Phocus für iPhone: Das Smartphone ist damit schwerer, man kann es auf ein Stativ stellen, mit Objektiven ergänzen und sogar ein Licht oder ein Mikrofon auf der Kamera befestigen.

Android (z.B. Galaxy S2/S3)

Somikon Universal Adapter: Passt zu jedem Smartphone und Stativ.

Zoom h1: Externes Aufnahmegerät. Gute Tonqualität für wenig Geld.


Für iPhone und Android

Dörr Stativ HD 808: Dreibein-Stativ mit integriertem Einbeinstativ, schwenkbarer Kopf für Videoaufnahmen. Max. Höhe 1,88 Meter für Interviews, sehr gutes Preis- Leistungs-Verhältnis.

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