Wir bleiben Sklaven der Steckdose

Der Akku ist zur Achillesferse der mobilen und digitalen Gesellschaft geworden.

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Alles wird immer besser. Prozessoren werden schneller, Drohnen werden absturzsicherer, Bildschirme werden schöner, Speicherplatz wird mehr, und Kameras werden lichtstärker. Schneller, höher, stärker. Nur in einem Bereich kann von Fortschritt keine Rede sein: bei der Ausdauer.

Die Zürcher Testdrohne (Mit der Drohne über die Teppich-Stadt) hält gerade einmal eine Viertelstunde durch, Apples neue Uhr muss jeden Abend an die Steckdose, und Smartphones, egal von welchem Hersteller, müssen im besten Fall nach zwei Tagen, realistischer aber schon nach zwölf oder weniger Stunden wieder aufgeladen werden. Selbst Samsungs neuste Galaxy-Telefone, die ihre Vorgänger in fast allen Belangen übertreffen, ­machen beim Akku Abstriche. Die erstmals fest verbauten Batterien lassen sich zwar schneller und drahtlos aufladen, aber Ausdauerrekorde brechen sie keine.

Der Akku ist zur Achillesferse der mobilen und digitalen Gesellschaft geworden. In Eisenbahnwagen zeugen Steckdosen und haufenweise angeschlossene Lade­kabel von dieser Entwicklung. An Flughäfen und Open-Air-Festivals überbieten sich Sponsoren mit Handy-Ladestationen. Denn ist der Strom aus, ist Schluss mit smart.

Über 200 Jahre alte Technik

Den Strom für unsere mobilen Geräte verdanken wir immer noch einem chemischen Prozess, der vor über 200 Jahren entdeckt wurde. Der wurde zwar seither deutlich verbessert, aber mit der rasanten Entwicklung von Software und Bildschirmen sowie dem stetig steigenden Stromhunger immer kleinerer und dünnerer Geräte kann er nicht mithalten.

Immerhin werden Prozessoren Jahr für Jahr etwas effizienter und schlauer. Verbrauchten sie früher selbst für Bagatellaufgaben Unmengen an Energie, können sie inzwischen je nach Aufgabe Rechenleistung zu oder abschalten. Die Hersteller haben gelernt, mit dem Nadelöhr Akku umzugehen. Zahlreiche Smartphones haben inzwischen Stromsparmodi, die, sobald der Akkustand kritisch wird, alle Funktionen bis auf Telefon und SMS deaktivieren – selbst die Bildschirme werden schwarzweiss. Drohnen kehren um oder machen eine Notlandung, ehe der Strom ausgeht. Manche Smartwatch wird zur normalen Uhr, wenn der Akku auszugehen droht, und zeigt nur noch die Zeit an.

Besser als nichts sind diese Kompromisse alleweil. Aber sie bleiben Kompromisse. Genauso wie die zusätzlichen Akkupacks, mit denen man seine Geräte unterwegs und fernab von Steckdosen nachladen kann.

Ausser eine der immer wieder versprochenen Batterierevolutionen kommt doch noch, wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Die mobile Gesellschaft bleibt ein Sklave der Steckdose.

Erstellt: 14.04.2015, 23:50 Uhr

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