Zwei neue Kameras von Sony und eine von Canon

Die zwei Rivalen haben fast zeitgleich neue Fotoapparate für Hobbyfotografen vorgestellt. Zwei Kameras sind besonders vielversprechend.

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Wir schwärmen hier gern von Vollformatkameras. Doch die sind gross und vor allem teuer. Von den ebenfalls teuren Objektiven ganz zu schweigen.

Die pragmatischere Alternative sind Kameras mit einem kleineren (aber verglichen mit einem Smartphone immer noch grossen) APS-C-Sensor. Die sind in der Regel kleiner, handlicher, günstiger, und die Objektive kosten kein Vermögen. Kurz, ideal für alle, die noch etwas mehr Bildqualität oder Foto-Vergnügen suchen, als es die inzwischen hervorragenden Smartphone-Kameras bieten.

In die Jahre gekommene Kaufempfehlung

Auf Kauftipps angesprochen, empfehle ich gern die X-T100 von Fuji (eher für Fotos), die M50 von Canon (eher für Videos) und immer wieder die inzwischen fünfjährige A6000 von Sony. Alle drei gibt es für unter 500 Franken, und bei guten Aktionen ist im Preis sogar noch ein Objektiv dabei.

Dass die A6000 immer noch gebaut und verkauft wird, zeigt, wie zukunftsweisend die Kamera 2014 schon war. Der Autofocus stellte damals Geschwindigkeitsrekorde auf und ist auch für heutige Verhältnisse immer noch gut genug.

Keine Millionen

Dass die A6000 so zum Verkaufsschlager für Sony wurde, ist keine Überraschung. An einer Präsentation, die diese Zeitung auf Einladung besuchte, berichteten Manager stolz, dass schon über 500’000 Stück verkauft wurden. Das ist in der serbelnden Kamerabranche ein grosser Erfolg. Es zeigt aber auch, wie klein der Kameramarkt ist. Während bei Smartphones von zwei- oder dreistelligen Millionenzahlen die Rede ist, sind eine halbe Million Kameras schon ein grosser Erfolg.

Der Erfolg der A6000 ist auch darauf zurückzuführen, dass Sony nie einen wirklichen Nachfolger lanciert hat. Stattdessen gab es in den letzten Jahren nur teurere Modelle mit mehr Funktionen. Die Hoffnungen auf einen neuen, ähnlich pragmatischen Preis-Leistung-Sieger mit etwas modernerer Technik wurden Jahr für Jahr enttäuscht.

Fast wie Apple

Sony setzte ähnlich wie Apple darauf, ältere Modelle günstiger zu verkaufen, statt neue preisgünstige Kameras vorzustellen. Bei jeder neuen Kamera bestand die Hoffnung, dass sie im Preis fallen und dereinst die A6000 ersetzen würde. Doch das ist bis heute nicht passiert. Der Oldtimer hält sich tapfer und leistet auch immer noch sehr gute Dienste, wie mir Käuferinnen und Käufer immer wieder mitteilen.

Doch nun hat Sony gleich zwei neue Kameras mit 24-Megapixel-APS-C-Sensoren vorgestellt: die teure und technisch hochgerüstete A6600 (siehe Box) und die günstigere A6100. Sony nannte Letztere zwar nicht explizit den Nachfolger der A6000, aber die Zeichen stehen gut, dass es darauf hinauslaufen könnte, sollte die A6000 tatsächlich irgendwann nicht mehr gebaut werden.

Der empfohlene Verkaufspreis von 1000 Franken mag auf den ersten Blick abschrecken. Doch Sony führt auch für die A6000 auf der eigenen Website immer noch den Preis von 850 Franken. Es wird sich zum Verkaufsstart ab Mitte Oktober zeigen, wie weit die Händler den Preis drücken werden.

Schon ausprobiert

Wir hatten die Gelegenheit, die Kamera an der Präsentation kurz auszuprobieren. Besonders gefiel das von Sonys deutlich teureren (ja Profi-)Kameras übernommene Autofokussystem. Die Kamera ist flink und stellt zuverlässig scharf. Wie die teuersten Kameras für mehrere Tausend Franken hat auch die A6100 den sogenannten Augen-Autofocus. Das bedeutet: Die Kamera erkennt Augen und stellt automatisch darauf scharf.

Diese Funktion hat erst Porträtfotografen begeistert, ist aber für Anfänger noch viel praktischer. Man braucht nur den Auslöser halb zu drücken, und schon stellt die Kamera präzise auf das Auge einer Person (oder eines Tieres) scharf. Man braucht dazu keine komplizierten Menüs oder Knöpfe. So gelingen selbst den ungeübtesten Fotografinnen und Fotografen tolle Familien- oder Kinderfotos.

Klappbildschirm für Selfies

Ebenfalls sehr willkommen ist der neue Klappbildschirm, mit dem man auch Selfie-Videos aufnehmen kann. Zudem hat die Kamera nun auch einen Touchscreen. Gespart hat Sony da, wo es nur verwöhnten Profifotografen wehtut. Das Gehäuse ist aus Plastik, und die Kamera hat nicht alle Profifunktionen, die man im Alltag aber sowieso kaum vermisst. Schade ist dagegen, dass die Kamera den veralteten Micro-USB-Standard nutzt. Sollte sie auch fünf Jahre im Sortiment bleiben, dürfte das sehr bald sehr nervig werden.

Wenn im Oktober der ausführliche Test der Kamera positiv ausfällt und der Preis näher an 500 als an 1000 Franken liegt, hat meine Suche nach einer so aktuellen wie empfehlenswerten Einsteigerkamera von Sony endlich ein Ende. Aktuell sieht alles schon mal vielversprechend aus.

Haben Sie Fragen zu den neuen Kameras oder Kameras im Allgemeinen? Dann erreichen Sie unseren Autor auf Twitter oder Telegram.

Erstellt: 29.08.2019, 14:31 Uhr

A6600
Was Profis wollen
Die teurere der beiden Sony-Kameras soll laut Preisempfehlung ab Ende Oktober 1750 Franken kosten. Die A6600 ist Sonys neue Top-Kamera mit APS-C-Sensor. Sie bietet allen technischen Schnickschnack, den Profis und verwöhnte Hobby-Fotografen schätzen. Einen deutliche ausdauernderen Akku, eine robusteres (aber auch schwereres) Metallgehäuse, einen stabilisierten und lichtempfindlichen Bildsensor, einen grösseren Griff und nebst einem Mikrofon-Anschluss auch einen für Kopfhörer. Mit dem hohen Preis ist die Kamera aber teurer als manche Vollformat-Kamera von Sony. Daher dürfte die A6600 vor allem etwas für pragmatische Profis und ambitionierte Amateure werden, die genau wissen, was sie brauchen und gut auf einen Vollformat-Sensor verzichten können. Schade ist, dass Sony selbst bei der teurere A6600 auf USB-C verzichtet und den veralteten Micro-USB-Standard verwendet.

EOS M6 Mark II
Nicht nur für Einsteiger
Ein paar Stunden vor Sony hat auch Canon eine vielversprechende neue spiegellose Systemkamera mit APS-C-Sensor vorgestellt. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 970 Franken (ab September) dürfte auch die EOS M6 Mark II für ambitionierte Einsteiger (und für Canon-Nutzer als Zweitkamera) interessant werden. Anders als Canons spiegellose Vollformatkameras die auf den neuen RF-Objektivstandard setzen, nutzt die neue M6 den immer noch wenig verbreiteten EF-M-Objektivstandard. Mit Adapter kann man aber das ganze Objektivsortiment von Canon nutzen. Verglichen mit Sony, wo inzwischen alle Kameras (über verschiedene Sensorgrössen hinweg und selbst Kino-Kameras) den Selben Objektiv-Standard nutzen, ist das bei Canon aktuell eine Spur komplizierter. Wer aktuell eine M50 von Canon nutzt und etwas mehr Leistung möchte, sollte sich diesen Herbst die neue M6 genauer anschauen. Allerdings gilt bei Canon wie bei Sony die bewährte Faustregel: Lieber ein besseres Objektiv als eine neue Kamera zu kaufen.

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