MMS-Hack «Stagefright» bedroht Android-Nutzer

Ein Leck in der Multimedia-Schnittstelle macht Android-Handys anfällig für Hacker. Mit einem schnellen Update können die meisten nicht rechnen.

Android-Handys sind durch eine Sicherheitslücke anfällig für Hackerangriffe: Das Android-Logo. (Bild 2011)

Android-Handys sind durch eine Sicherheitslücke anfällig für Hackerangriffe: Das Android-Logo. (Bild 2011) Bild: Manu Fernandez/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Millionen Android-Geräte können über eine Sicherheitslücke von Hackern angegriffen werden, warnen Fachleute. Sie konnten sich über heimlich verschickte Videonachrichten in Handys hacken. Die Lücken klaffen in der Multimedia-Schnittstelle Stagefright. Entwarnung ist nicht in Sicht.

Damit lasse sich über eine Multimedia-Nachricht Schadcode auf Handys platzieren, berichtete der Sicherheitsfachmann Joshua Drake. Hacker könnten so Daten stehlen, Ton und Video aufnehmen oder auf gespeicherte Fotos zugreifen.

«Angreifer brauchen nur Ihre Handynummer, um von aussen ein Programm auszuführen, das sie mit einer besonderen präparierten Multimedia-Nachricht verschicken», schrieben die Sicherheitsforscher um Drake auf dem Blog ihrer Firma Zimperium.

«Diese Lücken sind sehr gefährlich, weil sie ohne das Zutun der Opfer ausgenutzt werden können.» Opfer müssten ein Video aus einer MMS mit Schadcode beispielsweise nicht abspielen, sondern nur die Nachricht ansehen, berichtete Drake dem US-Magazin «Forbes».

Unbemerkte Schadcodes

Unter bestimmten Umständen würden Handybesitzer die manipulierte Nachricht nicht einmal bemerken: Der Schadcode könne ausgeführt werden, bevor die Benachrichtigung auf dem Display erscheint. Betroffen seien alle Geräte mit dem Android-Betriebssystem ab der Version 2.2, die 2010 herauskam. Besonders hoch sei das Risiko bei Geräten mit Android-Varianten, die älter als Version 4.1 sind, erklärte Drake.

Hacker könnten sich von der Multimediasoftware weiter auf das Gerät vorarbeiten, warnte Drake. Das hänge davon ab, wie eng die jeweiligen Hersteller die Multimediaschnittstelle abgesteckt hätten, oder ob man darüber weitreichenden Zugriff auf das Gerät bekommen könne.

Google erklärte, die Sicherheitslücke sei «unter Laborbedingungen auf älteren Android-Geräten identifiziert» worden. «Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist niemand davon betroffen», teilte das Unternehmen mit. Das steht im krassen Widerspruch zu Aussagen von Drake, der schätzt, dass Hunderte Millionen Geräte über die Lücke angreifbar sind.

Keine zentralen Updates

Für die Millionen Besitzer von Android-Handys und -Tablets gibt es kein zentrales Update, das sie vor der Lücke schützen würde. Google schickte zwar ein Sicherheits-Update an die Hersteller von Android-Geräten. Doch die Handybauer – unter anderem Samsung, Sony oder LG – können selbst entscheiden, wie sie Updates an ihre Kunden weitergeben.

Einzig bei den den Nexus-Geräten, die Google selbst baut, soll die Lücke in dieser Woche gestopft werden. Der Hersteller HTC sagte Forbes, die Lücke solle in den künftig veröffentlichten Geräten geschlossen werden. (ofi/sda)

Erstellt: 29.07.2015, 17:58 Uhr

Artikel zum Thema

Android M – die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Google-Entwickler haben an der Entwicklerkonferenz I/O das neue Android vorgestellt. Mehr...

Android-Apps: Das sind die grössten Akku-Fresser

Digital kompakt +++ Apple TV wird zur Heimsteuerungszentrale +++ Nasa und Verizon wollen via Mobilfunkmasten Drohnen kontrollieren +++ Hören Sie den Unterschied? Mehr...

Android-Apps kommen auf den Mac

Digital kompakt +++ Casio werkelt an Smartwatch +++ Letzte VHS-Kassette hergestellt +++ Moderatorenstreik auf Reddit +++ IE-Nachfolger ohne Silverlight +++ Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Blogs

Von Kopf bis Fuss Warum Hafer (fast) so wirksam ist wie Medizin

Geldblog Der Crash wird über kurz oder lang kommen

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...