Apple-Chef findet Artikel über Ive-Abgang «absurd»

Tim Cook schaltet sich mit einem geharnischten Mail in die Diskussion um den Abgang seines Designchefs ein.

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Dass Jony Ive nicht ewig bei Apple bleiben wird, hat sich in den letzten Jahren immer deutlicher abgezeichnet. Die Ankündigung seines Abgangs am späten Donnerstagabend war aber dennoch eine Überraschung.

Für Apple freilich nicht. Der Abgang des wohl teuersten Mitarbeiters wurde über Jahre vorbereitet. Ive, der mit seinem bunten iMac-Design Ende der 90er massgeblich zur Rettung des in Schieflage geratenen Konzerns beigetragen hatte, wurde nach dem Tod des Gründers Steve Jobs zusehends zum Hüter über Apples Tradition. Böse Zungen nannten ihn auch ein Maskottchen.

Zum Bleiben verdammt

Natürlich konnte Apple eine so zentrale Figur nicht einfach vom einen Tag auf den anderen gehen lassen. Noch immer wird Apple-Chef Tim Cook mit seinem verstorbenen Vorgänger verglichen. «Was hätte Steve Jobs wohl getan?», «Unter Steve Jobs wäre das nie passiert» usw.

Ähnliche Diskussionen und Schlagzeilen wollte Apple dieses Mal unbedingt vermeiden. Gerade die Tatsache, dass Ive bei seiner neuen Designfirma Apple als Kunden behalten würde, sollte den Ball flach halten.

Frustriert oder absurd?

Doch dann kam das «Wall Street Journal». Am Sonntag publizierte die Zeitung einen Artikel, der Ives Abgang gar nicht mehr so harmonisch erscheinen liess.

Anonyme Insider berichteten, wie Ive frustriert gewesen sei, dass sich Tim Cook nicht fürs Design interessierte, wie Ive kaum mehr nach Cupertino kam und sein Designteam an einer wichtigen Sitzung drei Stunden warten liess. Kombiniert wurde alles mit der Kritik, dass Apple unter Tim Cook nicht mehr innovativ sei.

Dass dieser Artikel in Cupertino schlecht ankommen würde, war schon nach dem ersten Absatz klar. Dass er so schlecht ankam, überrascht dann aber doch. Der sonst so beherrschte Tim Cook beklagte sich tags darauf persönlich in einem geharnischten E-Mail über den «absurden» Artikel.

Dass Cook das Mail an einen Reporter von NBC News und nicht an den Autor des besagten Artikels schickte, ist dabei nur eine Randnotiz. Fest steht: Die Debatte um die Deutungshoheit des Ive-Abgangs ist in vollem Gange. Dass sich selbst Tim Cook nun einschaltet, zeigt, wie wichtig und heikel für Apple die Personalie Ive ist.

Erstellt: 03.07.2019, 11:17 Uhr

Cook (links) und Ive bei der Präsentation des neuen Mac Pro. (Bild: Rafael Zeier)

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