Apple hat wohl Fake-iPhones für original gehalten

Zwei Männer reichten einige Tausend gefälschte Geräte ein – und bekamen dafür teils Original-iPhones zurück.

Echt oder Fälschung? So einfach ist das manchmal gar nicht zu unterscheiden, wie der aktuelle Betrugsfall in den USA zeigt. Im Bild ein – originales – iPhone 6S.

Echt oder Fälschung? So einfach ist das manchmal gar nicht zu unterscheiden, wie der aktuelle Betrugsfall in den USA zeigt. Im Bild ein – originales – iPhone 6S. Bild: Brendan Smialowski/AFP

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Wie ähnlich mittlerweile gefälschte iPhones dem Original sind, erfährt Apple mitunter im eigenen Unternehmen. Jedenfalls gelang es zwei Männern aus China, die beide im US-Bundesstaat Oregon leben, mit unfreiwilliger Unterstützung von Apple gefälschte Ware in echte Geräte zu verwandeln. Auf diese Weise brachten sie den amerikanischen Konzern um Hunderttausende Dollar. Der eine von beiden, Yangyang Z., hat gerade erst an der Oregon State University in Corvallis einen Abschluss als Ingenieur gemacht, der andere, Quan J., studiert noch an dem Linn Benton Community College. In der im Internet veröffentlichten Anzeige werden die beiden als Nachbarn bezeichnet. Zunächst hatte die Zeitung «The Oregonian» über den Fall berichtet. Sie beschrieb, dass die beiden Männer mehr als 3000 gefälschte iPhones aus China in die USA importiert haben sollen.

Falsche iPhones kommen aus China – echte iPhones gehen nach China

Anschliessend wurden die Geräte entweder persönlich in einer Apple-Vertretung oder mithilfe des Online-Supports per Post bei Apple eingereicht – jeweils mit dem Hinweis, dass sich die Handys nicht mehr starten liessen. Da Apple bei Garantiefällen durchaus kulant und schnell reagieren kann, erhielten die beiden oft Austauschgeräte. Die waren dann entweder neu oder zumindest so gut wie neu («refurbished»). Doch selbst wenn ein Gerät nicht ausgetauscht wurde, schlug Apple – angeblich – nicht Alarm.

Jedenfalls behauptete Quan J. in einer eidesstattlichen Erklärung, dass er nie einen Hinweis bekommen habe, dass eines der von ihm eingereichten Geräte gefälscht gewesen sei oder dass er etwas Unrechtmässiges tue. Allerdings behaupteten die beiden nach Angaben des Oregonian auch, dass ihnen nicht klar gewesen sei, dass die aus China kommenden Geräte gefälscht waren. Die Austauschgeräte schickten die beiden Männer nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach China, wo sie dann als Originalware verkauft wurden. Im Gegenzug erhielten die Männer in Oregon einen Teil des Verkaufserlöses. Aber nicht direkt: Im Fall von Quan J. etwa wurde das Geld an seine in China lebende Mutter geschickt, die es wiederum an ein Konto überwies, auf das ihr Sohn von den USA aus Zugriff hatte.

Die Zollbehörden waren vor gut zwei Jahren durch mehrere verdächtig erscheinende Sendungen aus Hongkong auf die beiden aufmerksam geworden. Quan J. gab zu Protokoll, dass er regelmässig Pakete erhalten habe, in denen 20 bis 30 (gefälschte) iPhones lagen. Für den Versand der Geräte wurden gegen Bezahlung auch Adressen von Verwandten und Freunden der beiden Männer verwendet. Daher wohl fielen die Geschäfte der beiden nicht sofort auf. Insgesamt rechnet Apple Quan J. mehr als 3000 Einreichungen zu, Yangyang Z. rund 200. Aus der Sicht des Unternehmens, das den Verlust jedes der 1493 ausgetauschten Geräte mit 600 Dollar bewertet, entstand ein Schaden von knapp 900’000 Dollar.

Bei Apple eingereichte iPhones werden normalerweise – so steht es in der Strafanzeige – nach Angaben eines Apple-Mitarbeiters auf mögliche Fälschungen oder Manipulationen hin überprüft. Fallen diese auf, werden die Telefone zusammen mit einem Ablehnungsschreiben an den Einreicher zurückgesandt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.04.2019, 08:51 Uhr

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