Apple-Kreditkarte: Haben die Frauen das Nachsehen?

Laut Promi-Nutzern gibt Apple Männern einen deutlich höheren Kreditrahmen als Frauen. Wüste Worte fallen, eine Bank nimmt Stellung.

Jennifer Bailey, die Apple-Pay-Chefin, hat die Kreditkarte des Techunternehmens im März 2019 vorgestellt.

Jennifer Bailey, die Apple-Pay-Chefin, hat die Kreditkarte des Techunternehmens im März 2019 vorgestellt. Bild: Tony Avelar/Keystone

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Die Apple-Kreditkarte sei eine «verdammte sexistische Angelegenheit», empörte sich der Nutzer @DHH auf Twitter: Er schrieb, er erhalte von Apple einen zwanzigmal grösseren Kreditrahmen als seine Frau – und das, obwohl die beiden seit langer Zeit verheiratet seien und eine gemeinsame Steuererklärung einreichen würden.

Hinter dem Nutzernamen steckt der dänische Softwareentwickler David Heinemeier Hansson, der gut 355'000 Follower hat. Entsprechend schnell zog die Meldung weitere Kreise. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak meldete sich zu Wort, ihm und seiner Frau sei das Gleiche passiert: die gleichen finanziellen Verhältnisse, aber zehnmal mehr Kredit für ihn als Mann.

Aufgrund der Meldungen ist das Department of Financial Services (DFS) aktiv geworden, die Aufsichtsbehörde des Staates New York, und hat sich an Goldman Sachs gewandt: Das ist das Finanzinstitut, das hinter Apples Kreditkarte steht: Ob Absicht oder nicht, jede Diskriminierung würde das Gesetz verletzen, erklärte das DFS.

«Geschlecht spielt keine Rolle»

Heute früh nahm die Bank Stellung zu den Vorwürfen – ebenfalls auf Twitter. Der Kreditrahmen werde unabhängig berechnet, Familienbeziehungen würden keine Rolle spielen. Ebenso wenig das Geschlecht oder andere persönliche Merkmale.

Es bleibt die Frage, woher die Unterschiede rühren. Heinemeier Hansson macht die Algorithmen verantwortlich: Goldman und Apple würden die Beurteilung der Kreditwürdigkeit an eine Blackbox delegieren. Und auch wenn keine Geschlechterdiskriminierung beabsichtigt sei, komme Geschlechterdiskriminierung dabei heraus.

«Apple, steht dazu!»

Apple hat bislang keine Stellung bezogen, was den empörten Software-Entwickler zu einem weiteren Tweet veranlasst hat: Das sei, wie wenn man beim Fabrikbetreiber Foxconn anrufen müsste, wenn das iPhone kaputtgegangen ist. «Es steht Apple auf der Schachtel. Also steht dazu», schrieb @DHH.

Die Frage, ob Algorithmen Kundengruppen diskriminieren, wird die Aufsichtsbehörden in Zukunft noch häufiger beschäftigen. Im Moment steht die Software des Krankenversicherers United Health Group im Verdacht, schwarze Kunden signifikant schlechter zu bewerten.

Erstellt: 11.11.2019, 10:24 Uhr

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