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China-Smartphones erreichen die Schweiz

Hersteller Huawei drängt mit seinen Tablets und Smartphones in Europa auf den Markt - mit Modellen im High-End-Bereich. Der grösste Stolperstein für die asiatischen Macher könnte ihre Vergangenheit sein.

Über viele Jahre galt Huawei als Zulieferer, der vor allem in ländlichen Regionen Chinas und in Entwicklungsländern sein Geld verdiente. Doch als die Verkäufe immer mehr anstiegen, begann das Unternehmen, auch eigene Produkte zu entwickeln.
Über viele Jahre galt Huawei als Zulieferer, der vor allem in ländlichen Regionen Chinas und in Entwicklungsländern sein Geld verdiente. Doch als die Verkäufe immer mehr anstiegen, begann das Unternehmen, auch eigene Produkte zu entwickeln.
Keystone
Das im südchinesischen Shenzhen ansässige Unternehmen verfügt über ein Netzwerk von 20 Entwicklungszentren, von Moskau bis nach San Francisco.
Das im südchinesischen Shenzhen ansässige Unternehmen verfügt über ein Netzwerk von 20 Entwicklungszentren, von Moskau bis nach San Francisco.
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Kenner des Unternehmens betonen, dass Huawei im Gegensatz zu chinesischen Staatskonzernen viel stärker international vernetzt sei. «Es gibt dort Chinesen, die in Schweden arbeiten, genauso wie es viel Leute aus dem Westen gibt, die in Shenzhen sitzen.»
Kenner des Unternehmens betonen, dass Huawei im Gegensatz zu chinesischen Staatskonzernen viel stärker international vernetzt sei. «Es gibt dort Chinesen, die in Schweden arbeiten, genauso wie es viel Leute aus dem Westen gibt, die in Shenzhen sitzen.»
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Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei drängt mit seinen Smartphones und Tablets nach oben. Bisher war man von diesem Unternehmen eher Mobiltelefone im Einsteiger- und Mittelsegment gewohnt. Doch mit dem Ascend D Quad präsentierte der Konzern vergangene Woche am Mobile World Congress das nach eigenen Angaben schnellste Smartphone der Oberklasse mit eigenem Quadcore-Prozessor und Spezifikationen (unter anderem Android 4.0), die auf dem neusten Stand sind. Bereits an der CES in Las Vegas enthüllte man ein Smartphone für das obere Segment und ein Tablet.

Ascend-Smartphone ab 3. Quartal in der Schweiz erhältlich

Die Smartphones erscheinen auch in der Schweiz: «Die Modelle der Ascend-Serie und das neue Tablet werden ab dem dritten Quartal in der Schweiz erhältlich sein», sagt Michèle Wang-Spirig, Mediensprecherin von Huawei Schweiz gegenüber Redaktion Tamedia. Man stehe in Verhandlungen mit den Telekommunikationsanbietern und mit dem Detailhandel. Die Ascend-Serie, welche im High-End-Bereich angesiedelt sei, passe sehr gut zum Schweizer Markt.

Die neuen Smartphones sollen unter dem Namen Huawei erscheinen, sagt Wang-Spirig. Bisher lieferte man den Telekomfirmen häufig No-Name-Geräte, welche diese dann mit ihrem eigenen Brand versahen. Dass man nun die Geräte im High-End-Bereich mit eigenem Namen vermarkten will, zeugt vom gesunden Selbstbewusstsein des Konzerns. Branchenbeobachter ziehen bereits den Vergleich mit HTC: Auch dieser Hersteller begann als Zulieferer. Danach begann man schrittweise mit der Vermarktung der eigenen Marke.

Preiskampf made in China

Zu den Preisen für die neuen Smartphones konnte Wang-Spirig noch nichts sagen. Huawei kündigte am Mobile World Congress jedenfalls an, dass man preislich jedes Smarpthone der Mitbewerber um 15 bis 20 Prozent unterbieten könne. Der Konzern profitiert dabei vom starken Heimmarkt und Produktionsvorteilen. Bereits im vergangenen Dezember prognostizierte Gartner, dass der Konkurrenzkampf im Smartphone-Bereich die Preise in Bewegung bringen wird. Unternehmen aus China würden hier eine wichtige Rolle spielen.

In der Schweiz führen Huawei-Smartphones bislang eher ein Nischendasein, erhältlich sind Einsteiger- und Mittelklassemodelle, teils aber unter anderem Namen. So bietet Orange das Huawei 8180 unter dem Namen «Stockholm» an, bei Swisscom handelt es sich beim «Swisscom MySurf easy» ebenfalls um ein Gerät des chinesischen Konzerns. «Die Handys können sich durchaus sehen lassen. Qualitativ sind sie gut verarbeitet», sagt Stefanie Hynek von Digitec.ch, welches die Modelle G6608 und Honor anbietet. Neben den Mobiltelefonen sind bei den Anbietern beispielsweise auch USB-Modem-Sticks von Huawei erhältlich.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner rechnet dem asiatischen Unternehmen gute Chancen aus: «Huawei hat technisch überzeugende Smartphones zu relativ moderaten Preisen im Portfolio», so Analyst Roberto Cozza gegenüber Redaktion Tamedia. 2011 sei für das Unternehmen ein starkes Jahr gewesen, im vierten Quartal habe Huawei bei den Stückzahlen sogar LG überholt und sei weltweit in die Liga der Top-4-Android-Hersteller aufgestiegen. «Huawei verbessert einerseits die Qualität der Einsteigermodelle, andererseits forciert die Firma das Portfolio von High-End-Produkten – mit dem Ziel, mehr eigenständige Modelle wie zum Beispiel das Ascend Slim zu etablieren», sagt Cozza.

Weltweit über 100'000 Mitarbeiter

Über viele Jahre funktionierte Huawei primär als Zulieferer, der vor allem in ländlichen Regionen Chinas und in Entwicklungsländern sein Geld verdiente. Das Unternehmen begann danach vermehrt, auch eigene Produkte zu entwickeln. Die Folgen:

  • Heute arbeiten die Chinesen mit 45 der 50 grössten Mobilfunkunternehmen der Welt zusammen.
  • Weltweit zählt der Hersteller 100'000 Mitarbeiter. 2009 wurde ein Sitz in Köniz (BE) eröffnet, wo 80 Personen arbeiten.
  • Pro Jahr werden 150 Millionen Handys produziert und bis 2015 will das Unternehmen im weltweiten Smarpthone-Markt die Nummer drei werden.

Huaweis Herausforderung liegt laut Gartner-Analyst Roberta Cozza darin, neben der Hardware auch Softwarelösungen anzubieten, um ein eigenes «Ökoystem» aufzubauen. Zudem seien enorme Anstrengungen nötig, Huawei als globale Marke zu etablieren. «Und sie müssen sich dem Wettbewerb mit etablierten Mitbewerbern wie Samsung stellen», sagt Cozza. In diesem Jahr werde sich entscheiden, ob Huawei die Markenstrategie tatsächlich gelingt.

Kritik und Vorbehalte im Westen

Dabei müssen die Huawei-Macher aufpassen, nicht über ihre Vergangenheit zu stolpern: Der chinesische Konzern stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Ein Vorwurf lautet, dass Huawei mehrfach Patentrechte der Konkurrenz missachtet habe. Konkurrenten und ehemalige Mitarbeiter warfen Huawei 2005 vor, Konkurrenzprodukte nachzubauen, um den technologischen Vorsprung zu verringern und so hohe Entwicklungskosten einzusparen.

Zum anderen wird das Unternehmen verdächtigt, unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas sowie des chinesischen Militärs zu stehen. So verweigerten die US-Behörden Huawei im Februar aus Sicherheitsgründen die Übernahme des kalifornischen Unternehmens 3Leaf Systems.

Ein Arm der chinesischen Regierung?

Das Misstrauen darüber, wer eigentlich hinter dem Unternehmen stecke, sei für Huawei im Westen ein grosses Handicap, sagt Tarun Khanna von der Harvard Business School. «In den USA betrachten sie viele als einen Arm der Regierung. Aber das ist unfair», sagte Duncan Clark von der chinesischen Beratungsfirma BDA China 2011 gegenüber der Narichtenagentur DAPD. «Wenn man sich anschaut, wie sie gewachsen sind, dann ist das nicht wegen der Regierung, sondern vielmehr trotz der Regierung passiert.»

Kenner des Unternehmens betonen zudem, dass Huawei im Gegensatz zu chinesischen Staatskonzernen viel stärker international vernetzt sei. «Es gibt dort Chinesen, die in Schweden arbeiten, genauso wie es viel Leute aus dem Westen gibt, die in Shenzhen sitzen. Das ist ein sehr globaler Prozess», sagt der Kalifornier Richard Brennan, der seit 2007 bei Huawei angestellt ist.

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