Das Aus für die Kopfhöreranschlüsse

Bei den Smartphones werden Kopfhöreranschlüsse wohl bald verschwinden. Dann gibt es zwei Alternativen.

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Das nächste iPhone, das für den Herbst angedacht ist, wird ohne Kopfhörer­anschluss auskommen. So besagen es zumindest die Spekulationen, die seit Monaten kursieren. Haltlos sind die Gerüchte nicht, denn beim Gerätedesign stört die Buchse. Der Klinkenstecker geht in seiner Form auf die handvermittelte Telefonie des 19. Jahrhunderts zurück. Er ragt tief ins Gehäuse hinein und nimmt viel Platz weg. Und er erschwert eine wasserdichte Bauweise.

Motorola hat diesen Schritt bereits vollzogen. Das Moto Z hat nur einen USB-C-Anschluss. Immerhin wird es mit einem Adapter geliefert, an den man herkömmliche Kopfhörer anstöpseln kann. Das ist jedoch weder elegant noch praktisch. Und es verunmöglicht das Musikhören, während man das Gerät auflädt. «Willkommen in der Hölle», hat Nilay ­Patel, der Chefredaktor der grossen Techsite The Verge dazu getwittert.

Kein Kabelsalat

Die Alternative zu diesen höllischen Adaptern sind drahtlose Kopfhörer. Sie verbinden sich per Bluetooth mit dem mobilen Gerät und machen aus der Not eine Tugend. Da sie ohne Kabel auskommen, ist die Gefahr gebannt, sich beim Anziehen der Jacke oder überstreifen des Rucksacks im Kabel zu verheddern oder bei der Hausarbeit irgendwo hängen zu bleiben. Auch im Sommer verzichtet man gerne aufs Kabel. Wenn man ohne Jacke aus dem Haus geht, kann man mit einem Bluetooth-Kopfhörer problemlos Musik geniessen, auch wenn das Telefon in den Bermuda-Shorts in der Seitentasche steckt. Bei den normalen Kopfhörern ist dafür häufig das ­Kabel zu kurz und dann sehr störend.

Das grösste Manko der kabellosen Kopfhörer war bis vor einiger Zeit der Klang. Die Übertragung zwischen Telefon und Kopfhörer war ursprünglichlich für Headsets ausgelegt, und entsprechend dumpf klang die Musik. Heute kann die Musik sogar verlustfrei komprimiert übertragen werden, was keinerlei Qualitätseinbussen nach sich zieht. Es sind auch Übertragungsmodi vorgesehen, die nur eine geringe Latenz (Verzögerung) des Audiosignals ermöglichen. Das ist wichtig fürs mobile Spielen. Denn auch wenn die Geräuschuntermalung des Games nur Bruchteile von Sekunden hinterherhinkt, wird das dennoch als sehr störend empfunden.

Bei High-End-Kopfhörern wie dem MDR 100ABN von Sony wird ein (abnehmbares) Klinkenkabel mitgeliefert. Diese kann man zu Hause an der Stereoanlage und unterwegs drahtlos mit dem Smartphone verwenden.

Drahtlose Kopfhörer gibt es in den üblichen Bauweisen: Als Muschel auf oder über dem Ohr oder aber als Ohrstöpsel. Die Stöpsel-Variante wird in aller Regel mit einem Kabel um den Nacken getragen, wobei ein mehr oder weniger grosses Kästchen als Empfänger und Batterie dient. Auch preislich bewegen sich die Bluetooth-Modelle heute im ähnlichen Rahmen wie die Kabelvarianten. Die Philips SHB5900 sind für um die 80 Franken erhältlich, klingen wie Modelle in dieser Preisklasse und sind kompakt genug, dass man sie problemlos in einer Hemdtasche verstauen kann.

Verbindungsmissverständnisse

Trotz der Vorteile steht ausser Frage, dass sich viele Leute nur zögernd mit den drahtlosen Kopfhörern anfreunden werden. Bluetooth ist, allen Fortschritten zum Trotz, nicht so unkompliziert und vielseitig benutzbar wie der seit Jahrzehnten bewährte Klinkenstecker. Die drahtlose Funkübertragung produziert je nach Situation Aussetzer und Tonstörungen.

Und auch bei der Verbindung kommt es zu Missverständnissen: Wenn man seinen Kopfhörer mit verschiedenen Geräten benutzt, passiert es gelegentlich, dass sich der Kopfhörer mit dem Tablet statt mit dem Smartphone verbindet und dann statt die eigene Musik plötzlich den Ton des Youtube-Videos wiedergibt, das sich ein Wohnungsgenosse ­gerade angesehen hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2016, 07:28 Uhr

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