Das heimliche Comeback von Google Glass

Der Techkonzern hat eine neue Version der Hightech-Brille lanciert – und das im Geheimen schon vor zwei Jahren.

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Ende Juni staunten Besitzer einer Google-Brille nicht schlecht. Das aus dem Verkauf genommene Gadget bekam zum ersten Mal seit 2014 ein Software-Update, wie «The Verge» berichtete.

Ist dieses kleine Comeback etwa der Vorbote eines grösseren Comebacks, fragte man sich. Nun bestätigt sich diese Vermutung. Glass ist tatsächlich zurück. Verantwortlich ist dieses Mal allerdings nicht mehr Google, sondern X, die Experimentierfirma unter dem Dach des Alphabet-Konzerns.

Ohne Falschirmspringer

Dieses Mal verzichtet der Konzern bei der Ankündigung auf Pomp, Fallschirmspringer und hochtrabende Versprechen. Stattdessen gibt es einen Blog-Beitrag und einen grossen Magazin-Artikel in «Wired», dem Lieblingspublikationsorgan amerikanischer Techkonzerne.

Zum Vergleich, so präsentierte Google damals die erste Brille:

Doch auch für die neue Brille hat sich der Techkonzern einen kleinen Stunt einfallen lassen. Die Brille ist seit zwei Jahren heimlich bei verschiedenen Firmen im Einsatz. Dass alle dichtgehalten haben und man erst jetzt davon erfährt, ist durchaus auch eine kleine Überraschung.

Grünes Licht

Dass die neue Version der Brille so erfolgreich geheim gehalten werden konnte, liegt aber auch daran, dass sie auf den ersten Blick kaum vom Vorgänger zu unterscheiden ist. Im «Wired»-Artikel findet man aber doch ein paar technische Verbesserungen. So lasse sich Glass nun besser mit Brillengestellen verbinden, die Kamera habe nun acht statt fünf Megapixel, die Funkverbindung sei schneller und sicherer und der Akku halte länger. Eine Acht-Stunden-Schicht sei mit der Brille kein Problem mehr.

Schlaues Detail: Wenn die Kamera filmt, leuchtet nun ein grünes Licht. Gerade die Möglichkeit, heimlich zu filmen, machte die erste Google-Brille nicht sympathischer (Die Idee war gut, die Brille nicht).

Für Firmen

Wer nun befürchtet, dass die Brillen trotzdem schon bald wieder im Alltag auftauchen werden, braucht sich vorerst keine Sorgen zu machen. Der Techkonzern hat mit der neuen Brille explizit Geschäftskunden ins Visier genommen. Das zeigt auch der Name Glass Enterprise Edition.

Vertrieben wird die Brille über ein entsprechendes Partner-Programm. Zu den Kunden gehören Fabriken, Speditionen und Spitäler. In Fabriken und anderen Industriebetrieben mache die Brille dicke Handbücher überflüssig. In Spitälern würde Glass den Ärzten beim Erstellen von Protokollen helfen und so pro Tag bis zu zwei Stunden Arbeitszeit einsparen.

Wie der Plattenspieler

Mit diesem Comeback von Glass im Berufsalltag belegt Alphabet nebenbei die geläufige Theorie, dass gescheiterte oder abgelöste Technologie, wie zum Beispiel auch der Plattenspieler, in einer Nische durchaus florieren kann.

Kommt dazu, dass die Idee hinter einer solchen Brille nach wie vor riesiges Potenzial hat. Google war einfach noch ein bisschen zu früh. In den nächsten Jahren könnte in dem Bereich noch viel passieren.

Erstellt: 19.07.2017, 12:45 Uhr

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