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«Das iPhone ist toll, aber auch ein bisschen langweilig»

Mobilfunkexperte Jean-Claude Frick analysiert, wieso Android auch in der Schweiz das iPhone überholte. Und er sagt: Das nächste Jahr kann schon wieder anders sein.

Samsung begeistert im Moment mehr. Ein Journalist an der Funkausstellung in Berlin.
Samsung begeistert im Moment mehr. Ein Journalist an der Funkausstellung in Berlin.
Wolfgang Kumm, Keystone

Android hat in der Schweiz das iPhone überholt. Jean-Claude Frick, hat dich das überrascht, oder musste es passieren? In anderen Ländern ist Android schon seit langem führend.

Mich hat es nicht überrascht. Es war eher erstaunlich, dass das iPhone hier in der Schweiz noch Marktführer war. Mich überrascht auch der Zeitpunkt nicht: Beim Design ist in den letzten drei Jahren gar nichts passiert, und auch vorher gab es nicht viele Veränderungen. Das iPhone hat zwar ein ikonisches Design, doch wenn man schaut, was die Konkurrenz im höherpreisigen Segment macht, dann hat man schon das Gefühl, dass die davonziehen.

Android hat aufgeholt, und Apple stagniert gleichzeitig.

Genau, das ist der Punkt. Es ist so, dass das iPhone sich seit jeher ausschliesslich im hoch- und höchstpreisigen Segment bewegt. Das kann auch eine Rolle spielen – wir haben die Leute nicht gefragt, warum sie kein iPhone haben. Da die iPhones aber schon immer teuer waren, kann man diesen Punkt vernachlässigen. Ich würde sagen: Es liegt an der Stagnation beim Design und im Umkehrschluss an der stärkeren Konkurrenz im Android-Bereich, vor allem von Samsung.

Video: Android 7 im Vergleich zu Apples iOS 10

Google hat nachgelegt. (Video: Matthias Schüssler)

Apple hat in der letzten Zeit also zu wenig begeistert?

Letztes Jahr ist wieder so ein Zweijahres-Zyklus abgelaufen, wo man bei seinem Mobilfunkanbieter ein Telefon vergünstigt beziehen kann, und ich habe im persönlichen Umfeld und auch in der Branche gehört, dass viele vom iPhone 7 enttäuscht waren. Nochmals das gleiche Design – und darum haben viele noch abgewartet. Man kann ein Smartphone ja auch drei Jahre benutzen. Wenn Apple nun das sagenumwobene Superduper-Teil bringt, dann werden die wechseln. Es kann Anfang nächstes Jahr also durchaus anders aussehen.

Für den normalen Käufer ist das Design entscheidend. Er vergleicht nicht Speichergrössen oder Megapixel bei der Kamera?

Das Design ist ein Punkt: Man kann sowohl bei Android als auch beim iPhone davon ausgehen, dass die Geräte super sind. Die Kamera ist toll, die Geräte sind schnell, und sie haben genügend Speicher. Das ist gesetzt, da kann man nichts falsch machen. Doch wenn man 800 oder 900 Franken ausgibt, reduziert es sich auf die Designfrage: Davon will ich angesprochen werden, da möchte ich auch einmal etwas Neues sehen. Wir hören immer wieder: Das iPhone ist schon toll, aber eigentlich ist es auch ein bisschen langweilig. Genau da konnte Samsung punkten.

Wie habt ihr die Zahlen ermittelt, die den Wechsel an der Spitze zeigen?

Wir haben eine repräsentative Umfrage mit dem Marktforschungsinstitut Innofact bei 1050 Leuten gemacht und die Frage gestellt: «Was für ein Smartphone benützen Sie?» Wir stellen die Frage seit mehreren Jahren, und darum gibt es auch eine Vergleichbarkeit mit den Vorjahren. Und dann wollten wir wissen, wie lange die Leute ihr Smartphone nutzen. Wenig überraschend: Alle zwei Jahre wird gewechselt.

Kam auch heraus, wie viele Leute Smartphone-Verweigerer sind?

Ja, 93 Prozent der Leute haben angegeben, dass sie ein Smartphone haben. Im Umkehrschluss haben 7 Prozent keines. Das ist ein Spitzenwert weltweit. Wir sind nicht ganz zuvorderst. In Asien, vor allem in Südkorea, gibt es noch mehr Smartphone-Nutzer.

Bilder: Was das nächste iPhone verspricht

Apple-Marketing-Chef Phil Schiller erklärt bei der Präsentation des iPhone 7 den neuen Home-Knopf. Auch bei der Apple-Konkurrenz gab es bereits einiges zu sehen, was im nächsten iPhone stecken könnte. Da wäre zum Beispiel...
Apple-Marketing-Chef Phil Schiller erklärt bei der Präsentation des iPhone 7 den neuen Home-Knopf. Auch bei der Apple-Konkurrenz gab es bereits einiges zu sehen, was im nächsten iPhone stecken könnte. Da wäre zum Beispiel...
Reuters
... ein nahezu randloser Bildschirm. Wie elegant ein fast randloses Smartphone aussehen könnte, hat erst kürzlich der chinesische Hersteller Xiaomi mit dem Mi Mix vorgeführt.
... ein nahezu randloser Bildschirm. Wie elegant ein fast randloses Smartphone aussehen könnte, hat erst kürzlich der chinesische Hersteller Xiaomi mit dem Mi Mix vorgeführt.
PD
Android setzt seit Jahren statt auf Knöpfe auf eine Bildschirmleiste mit Befehlen wie «Zurück» oder «Home», die sich der jeweiligen App anpassen. Wenn man einen Film schaut, verschwindet die Leiste ganz und taucht erst wieder auf, wenn man sie braucht. Apple könnte eine ähnliche Strategie verfolgen. Neu wäre jedoch der in den Bildschirm integrierte Fingerabdruckscanner. Google und die anderen Android-Hersteller verbauen den aktuell häufig auf der Rückseite des Handys.
Android setzt seit Jahren statt auf Knöpfe auf eine Bildschirmleiste mit Befehlen wie «Zurück» oder «Home», die sich der jeweiligen App anpassen. Wenn man einen Film schaut, verschwindet die Leiste ganz und taucht erst wieder auf, wenn man sie braucht. Apple könnte eine ähnliche Strategie verfolgen. Neu wäre jedoch der in den Bildschirm integrierte Fingerabdruckscanner. Google und die anderen Android-Hersteller verbauen den aktuell häufig auf der Rückseite des Handys.
Reuters
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Du bist bekennender Apple-Nutzer, und du machst mit dem «Apfelfunk» sogar einen Podcast zu Apple. Ist diese Entthronung für dich eine persönliche Niederlage, hoffst du, dass sich das bald wieder ändert – oder bist du professionell distanziert?

Ganz ehrlich: Mir geht es auch so. Wenn ich die neuen Samsung-Geräte ansehe, dann merke ich, dass die mich emotional im Moment mehr packen als ein iPhone. Aber ich bin überzeugt, dass Apple nachlegen wird. Die Leaks, die es überall gibt, zeigen, dass Apple den Design-Trend mit dem fast randlosen Display zum 10-Jahr-Jubiläum des iPhones auch aufnehmen wird. Ich gebe gerne zu, dass es mich freuen würde, wenn sich das in den Verkäufen niederschlägt.

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