Das iPhone SE ist weg und andere Randnotizen vom Apple-Event

Gestern hat Apple nicht nur neue Handys und Uhren vorgestellt. Ein paar andere Neuerungen lassen aufhorchen.

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Apple-Events sind ein bisschen, wie einem Zauberkünstler zuzuschauen. Wenn man nicht ganz genau hinschaut, übersieht man schnell das eine oder andere. Apple ist ein Meister darin, die Aufmerksamkeit dahin zu lenken, wo es dem Konzern gerade passt.

So tauchen im Nachgang zur gestrigen Präsentation immer mehr Aspekte auf, die Apple nicht explizit erwähnt hat. Darum hier ein paar Randnotizen aus Cupertino:

Schluss mit iPhone SE

Als Apples Marketing-Chef zum Schluss der iPhone-Präsentation alle erhältlichen iPhones zeigte, fehlte das iPhone SE. Erst ein Blick ins Sortiment des Apple-Shops bestätigte: Das bei preisbewussten Käuferinnen und Käufern und besonders bei Firmen beliebte Mini-iPhone ist sang- und klanglos aus dem Sortiment gefallen. Anders als das iPad Mini, das Apple immer noch verkauft, aber technisch nicht mehr auf dem neusten Stand hält, ist für das iPhone SE nun wohl Schluss. Das ganze Jahr schon gab es Gerüchte über einen Nachfolger. Da es nun aber in seiner Grössenkategorie ersatzlos gestrichen wurde, deutet nichts darauf hin, dass es in absehbarer Zeit einen Nachfolger geben wird. Fans des kleinen Handys mögen das bedauern, aber einen Vorteil hat es: App-Entwickler müssen nicht länger einen Spagat machen, um die grossen Bildschirme der neuen iPhones und den winzigen des SE sinnvoll zu nutzen. Der Entwickler Marco Arment hofft bereits darauf, dass das iPhone SE künftig nicht mehr mit neuen iOS-Versionen versorgt wird und er seine App künftig nicht mehr dafür optimieren muss:

Apple Watch Edition weg

Nicht nur das kleinste iPhone ist verschwunden. Auch die Luxus-Ausführung der Apple Watch. Unter dem Namen Edition verkaufte Apple erst Uhren aus richtigem Gold für über 10'000 Franken. Dann aus Keramik für über 1000 Franken. Nun gibt es nur noch Modelle aus Alu und Stahl. Dass die eine neue Stahluhr auf den ersten Blick wie eine Golduhr ausschaut, erhöht die Chancen kaum, dass Apple in naher Zukunft wieder eine wirkliche Golduhr lanciert. Auch wenn sich die Stahl- und vor allem die Alu-Uhren zweifellos am besten verkauft haben, waren die Edition-Modelle jeweils ein Hingucker und gerade bei Uhrenfans beliebt.

iPhone Xr hat den besten Akku

Mit Akku-Grössen ist das bei Apple so eine Sache. Während sich aktuell Huawei und Samsung mit immer ausdauernderen Akkus überbieten, setzt Apple traditionell eher auf die eigenen energieeffizienten Chips und die schlaue Software statt auf grosse Akkus. Wie viel Kapazität die Akkus der drei neuen Handys haben, erfährt man wohl erst, wenn der Reparatur-Spezialist iFixit sie aufschraubt und genau reinschaut. Im Apple-Shop findet man nur ungefähre Laufzeiten. Da lässt das iPhone Xr aber bereits aufhorchen. Das günstigste der drei hat wohl den ausdauerndsten Akku.

Wo bleibt AirPower?

Vor einem Jahr angekündigt, ist Apples Drahtlosladematte in keinem Wort erwähnt worden. Ja, auf der Apple-Homepage findet man sie kaum mehr. Hier muss in der Entwicklung etwas grausam schiefgelaufen sein, wie auch Apple-Intimus John Gruber feststellte:

Keine neuen Ladegeräte und Schluss mit Adaptern

Als Apple bei seinen Handys den Kopfhörer-Anschluss abgeschafft hatte, legte die Firma jeder Schachtel einen Adapter bei. So konnte man seine alten Kabel-Kopfhörer weiter nutzen. Damit ist nun Schluss. Wer den Adapter will, muss ihn kaufen. Kaufen muss man auch ein schnelleres Netzteil, um die Schnellladefunktion der neuen iPhones zu nutzen. Selbst bei den über 1000-fränkigen Handys liegt nach wie vor der ziemlich leistungsschwache Stecker. Im Vorfeld der Veranstaltung gab es Gerüchte, dass Apple mit den neuen iPhones leistungsfähigere Netzstecker mitliefert. Doch die dürften nun fürs neue iPad und nicht für die neuen iPhones gedacht sein.

Endlich NFC wie bei Android

Die Kritik ist alt. Sehr alt. Anders als Android-Handys kann man iPhones nicht einfach an Geräte mit einem NFC-Chip halten und es funktioniert. Android-Handys kann man zum Beispiel bequem an eine entsprechende Fotokamera halten, und schon verbinden sich die zwei, und Fotos werden übertragen. Wie 9to5mac gesehen hat, können die neuen iPhones künftig auch passiv nach NFC-Tags suchen. Hält man das entsperrte Handy an einen NFC-Chip, erkennt den das iPhone automatisch. Wie das im Alltag funktioniert und was Entwickler damit alles dürfen, werden die nächsten Monate zeigen.

Wer will noch das Xs, wenn man das Xr haben kann?

Je länger man die technischen Daten der neuen iPhones vergleicht, desto deutlicher wird, was das iPhone Xr (ab 880 Franken) für ein rundes Angebot ist. Im Vergleich zum teureren Xs (ab 1200 Franken) muss man kaum nennenswerte Abstriche machen. Statt Stahl gibt es Alu, statt Oled gibt es LCD, und statt der Doppelkamera gibt es nur eine Einfachkamera. Dafür hat man mehr Farben zur Auswahl, und der Akku dürfte länger halten. Gespannt sein darf man, wie sich dieses iPhone auf den durchschnittlichen Verkaufspreis aller iPhones auswirkt. Das iPhone X vom letzten Jahr hat ihn erhöht. Sinkt oder stagniert er nun wieder wegen des Xr?

Haptic Touch statt 3-D-Touch

Beim iPhone Xr muss man auf 3-D-Touch, also die Möglichkeit, durch festes Drücken auf den Bildschirm Zusatzoptionen aufzurufen, verzichten. Stattdessen gibt es Haptic Touch. Das ist eine geschickte Formulierung, bedeutet aber einfach, den Finger länger auf dem Knopf lassen. Um etwa die Taschenlampe beim iPhone X zu aktivieren, musste man auf dem Sperrbildschirm fest drücken. Beim Xr muss man einfach den Finger etwas länger auf dem Knopf lassen. Haptic Touch funktioniert aber nur auf dem Sperrbildschirm und im Kontrollzentrum. Zusatzoptionen von Apps auf dem Homescreen kann man damit nicht aufrufen. Im Alltag dürfte das allerdings ausser ein paar Technikfans kaum jemand bemerken. Aber längerfristig sieht es ganz danach aus, als würde 3-D-Touch damit wieder verschwinden, nun, da es im Mainstream-iPhone nicht mehr dabei ist. Ob Apple bereits eine Alternative in der Hinterhand hat? Hover Touch vielleicht? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2018, 16:48 Uhr

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