Wie Apple und Google ihre App Stores revolutionieren

Nun haben die Anbieter ihre Abo-Apps lanciert – als Alternative zu den vermeintlichen Gratis-Apps.

Die Apple-Managerin Ann Thai präsentierte das Spiele-Abo im März 2019 an einem Anlass in Cupertino.

Die Apple-Managerin Ann Thai präsentierte das Spiele-Abo im März 2019 an einem Anlass in Cupertino. Bild: Reuters

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Musik gibts heute im Abo. Videos gibts heute im Abo. Spotify, Netflix und Co. haben nicht nur die CD- und DVD-Verkäufe einbrechen lassen. Auch Musik- und Video-Downloads sind im Sinkflug. Statt gekauft wird immer häufiger per Abo und auf Zeit gemietet.

Weiter fleissig gekauft und heruntergeladen wird in den App-Shops von Google und vor allem Apple (Android-Nutzerinnen und -Nutzer sind weniger ausgabefreudig als ihre Gegenüber mit iPhones.) Doch hier zeichnet sich dieser Tage ein Paradigmenwechsel ab.

Spiele im Abo

Letzte Woche hat Apple den Dienst Apple Arcade lanciert. Für 6 Franken pro Monat bekommt man Zugang zu einem stetig wachsenden Katalog von exklusiven Spiele-Apps (aktuell sind es 71). Apps, die bei Apple Arcade enthalten sind, verzichten auf In-App-Käufe, Werbung und Datensammelei. Anders als bei manchem App-Klassiker wird man hier nicht mit perfiden Tricks und Gruppendruck zum Weiterspielen und vor allem Geldausgeben verleitet.

So gesehen, ist das Arcade-Abo Apples Gegenentwurf zum mit dem eigenen App Store und den damit einhergehenden Anreizen geschaffenen Ökosystem der vermeintlichen Gratis-Apps und ihren Abzockertricks.

Vielfältiger Katalog

Hat man sich einmal bei Apple Arcade angemeldet (der erste Monat ist gratis), bekommt man Zugang zu einem vielfältigen Katalog an Apps. Da alles Exklusivtitel sind (also nicht einzeln oder auf anderen Plattformen erhältlich sind), sucht man vergebens nach bekannten Spiele-Titeln. Wer sich hingegen mit den Herstellern hinter Apps auskennt, entdeckt prominente und sehr prominente Namen.

Da ist zum Beispiel Ustwo Games. Die Firma hat mit Monument Valley eines der bis dato schönsten Handyspiele geschaffen. Für Apple Arcade steuert Ustwo «Assemble with Care» bei. Eine Art Bilderbuchgeschichte, bei der man zwischendurch Gegenstände reparieren muss.

Drei Schweizer Apps

Auch Schweizer App-Entwickler sind dabei. Die Zürcher Blindflug Studios haben für den Abo-Dienst mit «Stellar Commanders» eine Art Nachfolger ihres Strategiespiels «First Strike» geschaffen. Wieder geht es darum, die Weltherrschaft an sich zu reissen und dabei vorzugsweise die Welt nicht mit Superwaffen zu zerstören.

Auch die Lausanner Entwickler von Sunnyside Games orientieren sich bei ihrem Spiel für Apple Arcade an einem bereits früher lancierten Spiel. Das neue «Towaga: Among Shadows» ist wie schon das 2017 veröffentlichte «Towaga» eine Art Geschicklichkeits-Action-Spiel.

Das dritte Spiel aus der Schweiz kommt vom ETH-Spin-off Rosie Reality und wird eine Art Lern- und Knobelspiel mit Augmented Reality. Der Firmenchef und -gründer Selim Benayat rechnet damit, dass das Spiel im Oktober bei Apple Arcade auftaucht.

Mehr als «Candy Crush»

Insgesamt – so der erste Eindruck nach rund einer Woche – überrascht Apple Arcade mit einer mutigen Mischung aus eigenwilligen Spielen mit überraschendem Design. Dabei richtet sich das Angebot weniger an Profispieler mit Konsolen oder leistungsstarken Gaming-PCs, sondern an experimentierfreudige Gelegenheitsspieler, die ein bisschen mehr wollen als «Candy Crush».

Besonders gefallen aktuell: Die Strassenbau-Simulation «Mini Motorways» und das schöne Hüpfspiel «Projection».

Da viele der getesteten Spiele einen ganz eigenwilligen Charme haben, darf man gespannt sein, ob Apple Arcade ein Mainstream-Erfolg wird. Es ist auf jeden Fall erfrischend, dass ein sonst so knallhart kalkulierender Konzern wie Apple auf einen so mutigen Katalog an Spielen setzt.

Ein Nachteil des Spiele-Abos gegenüber den Musik- und Video-Abos wird einem bewusst, wenn man die vielen Titel von «Apple Arcade» testet. Anders als bei Spotify, Apple Music oder Netflix wird hier nichts gestreamt. Die Arcade-Apps müssen, wie andere Apps auch, erst heruntergeladen werden und beanspruchen entsprechend Speicherplatz.

Auch Google mischt mit

Aber nicht nur Apple lanciert dieser Tage ein App-Abo. Google überraschte gestern mit der Ankündigung von Google Play Pass. Für 5 Dollar pro Monat gibt es in den USA gratis Zugang zu 350 Android-Apps. Auch hier werden Werbungen und In-App-Käufe entfernt. Anders als bei Apple sind es aber keine exklusiven Spiele.

Bei Google sind nebst prominenten Spielen auch Produktiv-Apps im Angebot enthalten. Etwa eine sonst kostenpflichtige Wetter-App oder eine App zum Erstellen von Fotocollagen. Wann und ob der App-Abo-Dienst von Google in die Schweiz kommt, ist noch offen. Aktuell startet der Dienst nur in den USA. Weitere Länder sollen aber folgen.

Für Entwickler, die ihre App gerne beim Google Play Pass dabeihätten, gibt es ein Webformular.

Bezahlung nach Engagement

Anders als Apple lässt sich Google immerhin ein bisschen in die Karten blicken, was die Entlöhnung der App-Entwickler angeht. Gegenüber «The Verge» teilt das Unternehmen mit, die Entwickler würden nach Nutzerengagement entlöhnt. Es werde aber nicht nur einfach ausgewertet, wie lange und wie oft eine App genutzt werde. Mehr war dem Techkonzern nicht zu entlocken.

Dass Apple Arcade und der Google Play Pass just zeitgleich auf den Markt kommen, mag Zufall oder geschickte Planung mindestens einer der beiden Marketingabteilungen sein. Fest steht, dass die Idee, Apps als Abo statt als Einzelkäufe zu beziehen, dieser Tage einem grossen Publikum zum ersten Mal begegnen wird.

Mieten statt kaufen

Sollten die beiden Projekte nicht grausam Schiffbruch erleiden, braucht es wenig Fantasie, sich ein künftiges Modell vorzustellen, bei dem – abgesehen von einzelnen Blockbuster-Spielen wie «Fortnite» oder «Candy Crush» oder Diensten wie Netflix oder Microsoft Office – alle Apps in einem einem Google- oder Apple-Abo inkludiert sind.

Als Nutzerin oder Nutzer braucht man nur monatlich zu zahlen und die beiden Grosskonzerne verteilen das Geld an die Entwickler. Genauso wie man es heute schon von Spotify oder Apple Music kennt.

Erstellt: 24.09.2019, 15:15 Uhr

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